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19:36 11.06.2019
Abschlusskonzert des Dirigentenworkshops Operette 2019 an der Oper Leipzig. Quelle: Tom Schulze
Kiel

Mit Kiel verbindet sie eine fordernde Spielzeit als Assistentin von GMD Georg Fritzsch, der sie nach einem Dirigentenforum-Kurs mit den Münchner Symphonikern unter seine Fittiche genommen hatte.

Vom Tanz zum Dirigentenpult

Ungewöhnlich ist Yura Yangs Weg auch deshalb, weil sie zwar schon mit drei Jahren begann, Klavier zu spielen, aber bis zum 16. Lebensjahr an einem koreanischen Tanzgymnasium Ballettunterricht hatte. Und dann aber eigentlich nach dem Abitur wie ihre Eltern eine wissenschaftliche Laufbahn anstrebte. „Doch als ich mit 17 einen Riesenschock davontrug, als mein Großvater starb, begegneten mir genau in diesem emotionalen Moment die Klänge von Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert – und plötzlich wusste ich, dass ich Dirigentin werden wollte.“

Mutiger Wechsel nach Deutschland

Da so etwas aufgrund der in Korea typischen Förderung für einen Studienzugang viel früher hätte angegangen werden müssen, tat die 18-jährige Abiturientin einen außergewöhnlichen Schritt: Sie ging ohne jegliche Sprachkenntnisse an die Musikhochschule Detmold.

Yura Yang: "Mein Professor hat an mich geglaubt."

„Das kann ich sagen: Ich glaube, ich war wirklich mutig“, lacht Yang, „und wenn ich Professorin gewesen wäre, hätte ich so eine Studentin wohl eher nicht in meine Klasse aufgenommen. Aber Prof. Joachim Harder hat an mich geglaubt. Dabei war ich wie ein weißes Blatt Papier, immer überall die Jüngste, und hatte so viel nachzuholen. Aber ich war immer lernsüchtig, wie ein Kind, das alles Unbekannte faszinierend findet.“ Noch heute erwischt sie sich amüsiert selber dabei, dass sie jede Oper, mit der sie sich gerade beschäftigt, für die Allertollste hält.

Eliteförderung im Dirigentenforum

Schon während des Studiums nahm die junge Frau mit der durchs Tanzen gefestigten Haltung in Gelsenkirchen die Arbeit als Korrepetitorin mit Dirigierverpflichtung auf. Und nach zwei Runden Vordirigieren klappte es auch ungewöhnlich früh mit der Eliteförderung im Dirigentenforum. „Das ist fantastisch. Man bekommt so viele Kurse mit so vielen guten Dirigenten.“ Repertoire-Vorlieben könne man sich in ihrem Alter noch nicht leisten. Sie sei Strauss-Fan, habe aber genauso die federleicht tanzenden Belcanto-Perlen in Donizettis Liebestrank genossen.

Einmalige Chance: Strauss' "Frau ohne Schatten"

Und in Kiel? „Ich weiß nicht, wie viele GMD das tun würden: Fritzsch hat mir tatsächlich nach Cavalleria/Bajazzo, Schwanensee und dem Falschen Verrat auch eine Vorstellung von Strauss’ Frau ohne Schatten übertragen – ein Werk, das wohl keine 30 lebende Dirigenten überhaupt jemals leiten konnten.“

Massenets "Werther" in Aachen

In Aachen werden zunächst Massenets Werther und das Musical Sweeney Todd ihre eigenständigen Aufgaben sein, in Koblenz der Don Giovanni. In aller Vorsicht steuert sie so irgendwann auf ihr Wunschstück hin: Rosenkavalier. „Wenn es mir mal schlecht geht im Berufs- oder Privatleben, höre ich den.“ Und die leidige Gender-Frage? „Kein Orchester hat mich bisher irgendwie anders behandelt, weil ich eine Frau bin. Wenn, dann spielt eher die Nationalität eine Rolle“, überlegt Yang. Trotz der Empfehlung durch das Dirigentenforum habe sie als Koreanerin Probleme gehabt, Dirigiereinladungen zu bekommen und eine Stelle als Zweite Kapellmeisterin zu ergattern.

Wertvolles Lernen als Assistentin von GMD Georg Fritzsch

Umso bemerkenswerter, dass es in Aachen nun gleich auf der nächsthöheren Ebene geklappt hat – „und das, obwohl ich mich viel beworben habe und Aachen überhaupt das einzige Opernhaus war, das mich zu Probedirigaten eingeladen hat.“ Ansonsten ist Yang übervoll des Dankes. „Ich bin unglaublich glücklich, dass ich durch Georg Fritzsch diese Chance hatte und dass ich durch das enorm aufgeschlossene Philharmonische Orchester und das Ensemble hier in dieser Saison so enorm viel lernen konnte.“

Von Christian Strehk

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