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Kultur Was Strande mit Max Pechstein zu tun hat
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18:34 28.08.2019
Von Kerstin von Schmidt-Phiseldeck
Familienidylle am Strand: Der Maler Max Pechstein (Nickel Bösenberg, von links) mit seinen Sohn Frank (Matteo Weiss) und seiner ersten Frau Lotte (Fenja Techow). Gedreht wurde die Szene, die auf der Kurischen Nehrung im damaligen Nidden spielt, an der Strander Steilküste. Quelle: Sven Janssen
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Strande

Für den Kinofilm wurden jetzt historische Szenen im Ostseebad Strande, nördlich von Kiel, gedreht – dort, wo Max Pechstein seinen letzten Malsommer verlebte.

Erster Dokumentarfilm über den Maler

Mit dabei: Alexander Pechstein (80), Enkel des Malers und letzter in der Familie, der den "Brücke"-Künstler noch persönlich erlebt hat. Er lebt im schleswig-holsteinischen Dobersdorf. „Ich habe auch das letzte Foto von ihm gemacht“, erzählt er bei den Dreharbeiten an der Strander Steilküste. An diesem Tag verwandelt diese sich allerdings in die Kurische Nehrung, die Ostsee-Fan Max Pechstein so liebte.

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Alexander Pechstein lernte den Kieler Filmemacher Wilfried Hauke vor etwa 20 Jahren kennen, als dieser bei einer Pechstein-Ausstellung in der Kieler Kunsthalle filmte. Schon lange bewegte die beiden die Idee, den ersten Dokumentarfilm über Max Pechstein zu drehen. Vor etwa drei Jahren verabredeten sie dann, das Projekt endlich aufzugreifen.

Übrigens ausgerechnet bei einer Veranstaltung in Seebüll zu Emil Nolde – jener Expressionist, der seinen ehemaligen Weggefährten Max Pechstein 1933 als angeblichen Juden denunziert hatte und ihm zum Feind wurde.

Auch Szenen mit Zeitzeugen in Strande

Im Juli war das Filmteam schon einmal in Strande, drehte Zeitzeugen-Szenen mit Co-Produzent Alexander Pechstein und dessen Tochter Dunja. Sie waren dafür im Märchenwald am Wanderweg Richtung Bülker Leuchtturm und am Strand unterwegs. Sein Großvater sei 1952 wohl über Freunde auf Strande gekommen, vermutet Alexander Pechstein: „Wo geht einer hin, der Sehnsucht nach der Ostsee hat?“ Dort entstanden die Vorzeichnungen für jenes letzte Bild, dass der schon schwer kranke 72-Jährige zwei Jahre später in Berlin vollendete.

Von Strande selber habe sein Großvater ihm allerdings nichts erzählt, erklärt Alexander Pechstein: „Sein Dauerthema war Palau – er fühlte sich ja aus dem Paradies vertrieben.“ 1913/14 reiste Max Pechstein mit seiner ersten Frau Lotte zur Inselgruppe in der Südsee, lebte dann auf der Rückreise während des Ersten Weltkriegs monatelang in New York in den USA. Eine schwierige Zeit, sagt der Enkel: „Er durfte sich ja nicht als Deutscher zu erkennen geben.“

Max Pechstein erlebte viele Schicksalsschläge

Welches Verhältnis hatte Alexander Pechstein zu seinem Großvater, den er oft besucht hat? „Er war nicht der, der mit der elektrischen Eisenbahn gespielt hat“, erinnert sich der 80-Jährige: „Künstler sind ja immer egozentrisch – aber er war lieb und nett.“ Zudem habe sein Großvater viele Schicksalsschläge erlebt: „Er hat den Zweiten Weltkrieg mitgemacht, war entarteter Künstler, hatte Ausstellungsverbot, wurde denunziert und ausgebombt, verlor viele Bilder.“

Dennoch sei der Maler ein Stehaufmännchen gewesen. „Und das habe ich ein bisschen geerbt.“ Deshalb fühlt Alexander Pechstein sich auch dem Werk des Großvaters verpflichtet. Mit seiner Cousine Julia Pechstein kümmert er sich darum in der Max-Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft.

Drehorte: Paris, New York - und Strande

Das Projekt der Ida Film & TV Produktion Kiel spielt außer in Strande auch am Geburtsort Zwickau, in Paris, New York, Berlin, Dresden, im früheren Nidden und Leba sowie im italienischen Monterosso del Mare – alles Lebensstationen des Malers. Dieser war drei Mal verheiratet, hatte fünf eigene Kinder. Szenen aus dem bewegten Familienleben wurden am Montag und Dienstag in Strande gedreht, das für das mittlerweile litauische Nidden stehen soll. 

Zunächst hängt der junge Pechstein-Darsteller Nickel Bösenberg mit Holzklammern Skizzen auf eine Leine an der Steilküste. Ob der echte Max Pechstein das auch gemacht hat? Künstlerische Freiheit im Film! Dann kommt die Familie ins Spiel: Pechsteins erste Frau Lotte (gespielt von Fenja Techow) ruft den kleinen Sohn Frank (Matteo Weiss), der am Strand auf sie zurennt. Dann gehen beide zu Max und seinen Zeichnungen.

Max Pechstein war dreimal verheiratet

Etwas später steht die nächste Pechstein-Frau Marta vor der Kamera – gespielt von Viviane Beyer. Regisseur Wilfried Hauke ist noch nicht zufrieden mit dem Szenen-Aufbau am Wasser. Dort liegt Malzeug, Marta hockt im grünen Kleid auf einer Decke. „Hat sie noch irgendwas an der Seite – einen Picknickkorb oder so“, fragt Wilfried Hauke das Drehteam. Ein Lederhocker wird herbeigebracht. Der Regisseur spricht noch mal mit dem Darsteller des jungen Pechstein über die Szene, dann heißt es: „Kamera läuft – Ruhe bitte!“

Viel unveröffentlichtes Material

Der Dokumentarfilm arbeitet nach Angaben der Macher mit privaten Dokumenten, neu entdeckten Fotos und viel unentdecktem historischen Filmmaterial. Neben fragmentarischen Spielszenen werden bei sogenannten Reenactments wichtige Stationen im Leben von Max Pechstein „in einer ganz eigenen Bildersprache“ nachgestellt.

Stimme im Off: Schauspieler Axel Milberg

Schauspieler Axel Milberg, auch bekannt als Kieler Tatort-Kommissar, ist als Stimme zu hören: Er liest aus Briefen Pechsteins. Gedreht wurde zudem in Hamburg in der John-Neumeier-Stiftung und im Ballett: Denn die Tänze der „Ballets Russes“ inspirierten Max Pechstein maßgeblich zu seinen bekannten Tanz-Bildern. Zu den Auftraggebern des Films gehören der NDR Schleswig-Holstein und der MDR, die den Film auch im Fernsehen ausstrahlen werden. Die Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss.

Letztes Bild hängt in der Kieler Kunsthalle

Menschen und Meer, Sand und Strandkörbe: Das Bild „Am Strand“ ist das letzte Werk von Max Pechstein, und es zeigt das Ostseebad Strande. Eine Tatsache, die übrigens nur wenig bekannt ist: Auch in Strande selbst wussten bis zu den Dreharbeiten viele „nichts von dieser einzigartigen Beziehung zwischen unserem Ort und diesem weltberühmten Künstler“, erklärt Bürgermeister Holger Klink.

„Es war somit für uns selbstverständlich", diese Dreharbeiten positiv zu begleiten. „Es zeigt wieder einmal, das Kunst, Kultur und die das Ostseebad Strande sehr gut zusammen passen.“

Auch der Weg vom Motiv, das Max Pechstein bei seinem Strande-Besuch 1952 inspirierte, zum Original ist nicht weit: Denn 2012 konnte die Kunsthalle Kiel das Kunstwerk mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und weiterer Förderer erwerben. Dort ist es Teil der Sammlung expressionistischer Kunst.

Einziges Bild aus Schleswig-Holstein

Für die Kunsthalle ist „Am Strand“, das in der Kieler Bucht entstand von besonderer Bedeutung: Es greift als einziges Gemälde Max Pechsteins die Strandlandschaft der schleswig-holsteinischen Küste auf. Allerdings erzählt Alexander Pechstein (80), Enkel des Künstlers, dass sein Großvater auch andere Ort in Schleswig-Holstein besuchte – zum Beispiel Amrum.

Max Pechstein liebte vor allem die Ostsee, verbrachte viel Zeit im Fischerdörfchen Nidden im damaligen Ostpreußen, im pommerschen Leba, wo er seine zweite Frau kennenlernte, und auf der Insel Usedom. Doch durch den Eisernen Vorhang blieben ihm diese Orte im letzten Lebensjahrzehnt verschlossen.

Max Pechstein: Alle Infos zum Film

Am Film „Tanz der Farben – Der Maler Max Pechstein“ sind mehrere Künstler beteiligt. So führt der auch als Kieler „Tatort“-Kommissar bekannte Schauspieler Axel Milberg als Off-Sprecher durch die Handlung. Der Pianist Caspar Frantz spielt in Pechsteins Geburtsstadt Zwickau auf einem historischen Flügel als Originalmusik Stücke aus Schumanns Klavierzyklus „Carnaval, Op. 9“ ein. Ballett-Choreograph John Neumeier aus Hamburg kommentiert Material aus seinem Ballett „Nijinski“ und illustriert damit die Tanz-Revolution der „Balletts Russes“, durch die Max Pechstein wichtige künstlerische Impulse erhielt. Das Ballett-Ensemble des Theaters Plauen-Zwickau tanzt eigens für den Film entwickelte Szenen aus dem Leben Max Pechsteins. Diese sehr subjektiv gestalteten Szenen sollen als Fantasien die biografisch belegten Erinnerungen Max Pechsteins ergänzen und als Traumbilder in die Handlung eingewoben werden.

Der Dokumentarfilm wird voraussichtlich im Winter 2019/20 fertiggestellt und soll nach Angaben von Alexander Pechstein in Zwickau Premiere feiern. Wilfried Hauke schrieb das Buch und führt die Regie. Auftraggeber sind die Max-Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft, die Kunstsammlungen ZwickauMax Pechstein Museum, MDR, NDR und die Stadt Zwickau.

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