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14:18 31.05.2019
Von Jürgen Gahre
Don Quichotte von Massenet neu gedacht an der Deutschen Oper Berlin. Quelle: Thomas Aurin
Berlin

Und natürlich hat man einen Regisseur verpflichtet, von dem man annehmen konnte, dass er der in der Oper geschilderten Traumwelt gerecht wird. Da war der Niederländer Jakop Ahlborn die genau richtige Wahl, denn er hat ein ebenso geschicktes wie poetisches Händchen für das Surreale in dieser Oper.

   Der 1910 in Monte Carlo uraufgeführte „Don Quichotte“, Massenets letzte Oper, ist zwar inhaltlich in Einzelheiten weit entfernt von von dem berühmten Roman des Miguel de Cevantes, findet aber doch in der Stimmung und im Gehalt durchaus denselben Ton wie die literarische Vorlage. Der liebenswerte „Ritter von der traurigen Gestalt“ ist auch in der Oper unfähig, Realität von Traum und Fantasie zu unterscheiden und muss am Schluss erleben, dass die von ihm angebetete Dulcinée zwar von seinen Taten begeistert ist, ihn aber als Mann nicht für voll nimmt.

An dieser bitteren Erkenntnis stirbt er in den Armen seines treuen Dieners Sancho Pansa, der seinen Herrn bis zum letzten Atemzug gegen seine Spötter und Verächter verteidigt – eine außerordentlich berührende, in feinen Pastelltönen gemalte Szene, deren starke Emotionalität unter die Haut geht.

   Dass wir uns von Anfang an in einer Traumwelt befinden, die nur ganz locker mit der Realität verbunden ist, wird schnell deutlich, wenn zwei überdimensionale Hände auftauchen, bevor Don Quichotte in mittelalterlicher Spielzeugrüstung auf dem Rücken von Sancho Pansa erscheint: Ein extrem dicker Mann, ein Mann ohne Kopf und noch eine andere seltsame Erscheinung sind häufig um ihn herum und kommentieren seine Taten.

Ein gewaltiger Mund mit Bart tut sich auf und lässt eine ewig lange Zunge herausquellen, die allerlei Käfer verschlingt – gleich darauf verschwindet auch der Ritter in dem großen Mund. Natürlich ist auch die Perlenkette, die der Don todesmutig von den Räubern zurückerobert, riesengroß und reicht bis auf den Boden. Dulcinée, die eigentlich eine recht ordinäre Person ist, überschüttet er mit Kübeln von roten Rosenblüten, und plötzlich wird aus ihr eine begehrenswerte Frau. Wenn diese ihn aber als Ehemann ablehnt, bleibt der gehässige Spott der Menge nicht aus: Da passt es, dass sie alle bunte spitze Narrenhütchen tragen.

Dadurch, dass fast alle Szenen durch akrobatische und tänzerische Einlagen höchst lebendig und quirlig erscheinen, gewinnt die Inszenierung traumhafte Leichtigkeit. Wenn Don Quichotte stirbt, erscheinen noch einmal allerlei Gestalten, auch die angebetete Dulcinée, die bis zuletzt in seinen Fantasien herumspuken. 

   Der Deutschen Oper Berlin ist es gelungen, einen der besten Bassisten für die Titelrolle zu gewinnen, den Italiener Alex Esposito. Er bewältigt seine Partie mit traumwandlerischer Sicherheit und verleiht der Sterbeszene eine Tiefe des Gefühls, die die Figur des Ritters von der traurigen Gestalt in serenem Licht erscheinen lässt. Ansonsten aber gestaltet er den Don recht bodenständig und vital, so dass dessen Skurrilität und diese herrliche Mischung aus Großsprecherei und dem bedingungslosen Glauben an das Gute im Menschen nicht voll zur Geltung kommen können.

In Seth Carico hat er einen vorzüglichen Sancho Pansa an seiner Seite. Sein profunder Bass ähnelt dem seines Herrn so sehr, dass er immer wieder dessen alter ego gleicht. Dass neben zwei Basspartien nur noch ein Mezzosopran in den Hauptrollen auftritt, gehört zu den Besonderheiten dieser Oper. Clémentine Margaine hat keine Schwierigkeiten, sowohl die von vielen Männern umschwärmte Dame der Halbwelt als auch die ehrlich Empfindende glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Ihrem pastösen Mezzo kann sie erstaunlich weitgefächerte Töne abgewinnen.

   Der in New York und Dallas häufig auftretende Gastdirigent Emmanuel Villaume findet zusammen mit den Musikern des Orchesters der Deutschen Oper Berlin den leichten französischen Tonfall. Dies, und die immer wieder eingestreuten spanischen Melodien und Rhythmen machen Massenets Schwanengesang zu einem exquisiten Erlebnis, das vom Premierenpublikum mit einhelligem Applaus bedacht wurde.

www.deutscheoperberlin.de

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