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Kultur Donots-Sänger Ingo Knollmann: „Es fühlt sich an, als wäre die Band fünf Jahre alt“
Nachrichten Kultur Donots-Sänger Ingo Knollmann: „Es fühlt sich an, als wäre die Band fünf Jahre alt“
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16:15 12.07.2019
Musik, nur wenn sie exzessiv ist: Donots-Sänger Ingo Knollmann ertzählt von wichtigen Weichenstellungen und wichtigen Songs seiner Band. Quelle: Marcel Weste

Die Donots feiern „Silverhochzeit“. Wie steht es um die Bandehe?

Wir sind noch nicht an dem Punkt angelangt, wo jemand von uns einen Kurschatten hätte. Wir liegen immer noch zu fünft nebeneinander im Bett, bringen uns vielleicht nicht immer Rosen mit, aber haben immer ein Lächeln für den Anderen über, wenn er von der Arbeit kommt.

Wer hat damals den Antrag gemacht?

Lustigerweise gab es so etwas gar nicht. Wir waren Mitte der 90er gelangweilte Teenager in einer klein- bis mittelgroßen Stadt. Ibbenbüren hat, wenn man alles zusammennimmt, 40 000 bis 50 000 Einwohner. Man konnte sich damals entscheiden, ob man ein Discoprolet mit einem Golf 2 werden wollte, ein Fascho oder halt Punker oder Metaller. Wir waren letzteren Kulturen sehr zugetan. Und zum Glück gab – und gibt – es das städtische Jugendzentrum Scheune. Da waren die Türen immer offen, und ich wollte mit meinen Jungs Teil des Ganzen sein. Ich habe angefangen, Konzerte dort mitzuveranstalten und nebenher mit den Donots in den Proberäumen dort Krach zu machen.

Der Vorteil der kleinen Stadt: Man kann etwas auf die Bühne stellen, und alle freuen sich drüber.

Eben. In Ibbenbüren war die Szene unglaublich florierend und groß. Es gab locker 30 Bands jeglicher Couleur: von Düstermetal bis Synthiepop, etliche Punk- und Hardcore-Bands. Und schönerweise gab es keine Berührungsängste; man hat gemeinsam Festivals auf die Bühne gestellt.

In der Scheune haben Sie im April zum Jubiläum gespielt und planen auf dem Gelände jetzt wieder ein Festival – ziemlich spontan, wie man hört ...

Die Idee hatten wir lange im Hinterkopf, und wann soll man das machen, wenn nicht zum 25-Jährigem. Aber dann muss man Anträge stellen, bei der Stadt, Bauamt und so. Und die Mühlen mahlen unglaublich langsam. Wir haben das ganze Frühjahr mit Vorbereitungen und Unwägbarkeiten verbracht. Und dann standen wir vergangene Woche da und dachten, vielleicht ist es doch keine so geile Idee. Aber es hatten alle so viel Bock drauf, dass wir es jetzt einfach durchziehen. Mit einem Vorlauf von zwei Monaten, was völlig gaga ist. Und in den 25 Jahren, die wir die Donots machen, waren die Schnapsideen, die, die wir aus der Hüfte geschossen haben, immer die besten.

Die Donots sind eine selbstbestimmte Band, oder gibt es ein Management, das Ihnen die Organisation abnimmt?

Nein, wir sind unser eigenes Management. Wir sind – ganz bieder – als GbR eingetragen, und jeder hat in der Band – und unserem eigenen Label – seine ganz klar abgesteckten Aufgaben. Das bedeutet verdammt viel Arbeit, wenn so etwas ansteht, und Pennen wird der Feind. Aber ich bin sehr glücklich darüber, dass wir 25 Jahre später immer noch die selbe intrinsische Motivation haben, unbedingt etwas auf die Beine stellen zu wollen.

Die gute alte „Do it yourself“-Motivation des Punk?

Ja, dieses „DIY“ haben wir immer mit uns getragen, und es geht so viel besser, seit wir unsere Geschicke ganz in unserer Hand haben und an kein Label angedockt sind.

Steht das Programm?

Wir schrauben noch. Aber es wird ein illustres Stelldichein von guten Freunden.

Und die Freunde der Band sind nicht eben unpopulär.

Nö. Ich lasse das jetzt bewusst offen. Aber es wird auf jeden Fall ein sehr schöner Tag.

Beim „Silverhochzeit“-Album fällt zum einen auf, zu welch weit überwiegendem Teil die Donots-Songs englischsprachig sind, und zum anderen, dass es kein Best-of-Album ist, sondern eher eine Art Bandchronik. Wie fiel die Auswahl?

„Best of“-Alben riechen wie der Fisch vom Kopf an und das bis zum Schwanz. Das wollten wir nicht. Wir haben das selbst kuratiert, um zurückzublicken, und nicht weil ein Label nochmal den Backkatalog verkaufen möchte. Den haben wir übrigens komplett zurückgekauft. Also nicht nur die offensichtlichen Singles (auf manche haben wir ganz verzichtet), sondern 25 Songs aus 25 Jahren Schaffensphase und vor allem die Songs, die für uns Weichen gestellt haben. Und da sind die deutschen Songs natürlich in der Unterzahl, weil von elf Alben neun englischsprachig waren.

Es geht auch deutsch weiter? Als wir Anfang 2018 über „Lauter als Bomben“ gesprochen haben, sagten Sie, dass es einfach zu viel Bock macht, um damit aufzuhören.

Und das geht ungebrochen so weiter. Ohne auf die Zahlen zu schauen (und wir spielen im 25. Bandjahr die größten Shows unserer Laufbahn), macht es einfach unglaublich Spaß. Das ist vielleicht das Rezept dafür, 25 Jahre zu überstehen: dass man sich selbst ein paar System-Resets auferlegt. Und der Wechsel zur deutschen Sprache ... Ganz ehrlich: Es fühlt sich so an, als wäre die Band fünf Jahre alt.

Wenn Sie aus den 25 Songs noch einmal drei herausnehmen müssten, die besonders wichtig für die Band waren: Welche wären das?

Zum einen „Whatever happened to the 80s“, weil wir damit eine bis dahin völlig absurde Reiseflughöhe erreicht haben. Wir waren bis Ende der 90er für den Mainstream unter dem Radar geflogen. Doch mit diesem Song und dem „Pocketrock“-Album sind ganz merkwürdige Türen für uns aufgegangen, so dass selbst Mama und Papa zuhause gemerkt haben, was diese Band bedeutet. Es gab die absurde Situation, damals mit MTV, Viva und Viva2, dass wir auf allen drei Kanälen gleichzeitig gelaufen sind.

Lied Nummer zwei?

„Stop the Clocks“. Wir hatten uns 2004 aus unserem alten Vertrag herausgeklagt und haben zwei Jahre lang im luftleeren Raum gehangen und Fingernägel gefrühstückt, bis wir endlich aus dem Deal herauskamen. Als es dann so weit war, haben wir aus eigener Tasche das neue Album finanziert. Und wieder gingen neue Türen auf – so konnten die Donots auch klingen. Wir hatten unser Korsett und unsere Scheuklappen abgelegt, was unser Sound eigentlich ist. Die ersten Nuller-Jahre gab es die ganz klare Idee, was Punk ist. Und nun waren wir an einem Punkt, dass wir gesagt haben: „Nee, alles ist Punk, und alles ist Donots, solange du das machst.“ Das hat uns ganz neue Perspektiven eröffnet.

Und schließlich?

Ist der Wechsel zur deutschen Sprache ganz essenziell gewesen. Da nehme ich jetzt einfach mal „Ich mach’ nicht mehr mit“, der Opener der „Karacho“ und bis heute unser Mission-Statement.

Dann gibt es noch einen neuen Song, „Scheißegal“. Noch ein Mission-Statement?

Eine momentane Standortbestimmung und ein Zeichen dafür, was bei uns möglich ist. Der Song ist uns Anfang des Jahres auf der Bühne in Bremen passiert. Beim zweiten Song ist uns ein Gitarrenverstärker, der von Guido, abgerauscht, was im Grunde tödlich ist für jede Stimmung im Konzert. Viele Bands könnten damit gar nicht umgehen. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, und ich habe zu Alex gesagt: „Spiel’ mal C-Dur, G-Dur, A-Moll, F-Dur, die klassischen Hit-Akkorde, und ich versuche, hier live auf der Bühne einen Song dazu zu schreiben.“ Und ich dachte, was man darüber singt, ist doch eigentlich scheißegal. Und das habe ich gesungen, und so ist der Song entstanden. Und das war eine zu bescheuerte und zu geniale Geschichte, um den Song nicht auf die Platte zu nehmen.

Es ist ein Liebeslied geworden – auch an die Band?

Unbedingt. Es ist eine ganz gesunde, stabile Zweckehe, die wir haben.

Bis dass der Tod euch scheidet?

Mal schauen. Vielleicht kaufen wir uns irgendwann auch wie die Toten Hosen ein gemeinsames Mausoleum in Düsseldorf.

Neues (Doppel-)Album: „Silverhochzeit“ (Solitary Man Records), bereitst erschienen. Die Karten für das Jubiläumsfestival am 14. September in Ibbenbüren waren laut Band nach acht Minuten ausverkauft. Es soll noch ein Kontingent nachgeschoben werden

Von Stefan Gohlisch/RND

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