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Kultur „Dreigroschenoper“ ist lieber Komödie
Nachrichten Kultur „Dreigroschenoper“ ist lieber Komödie
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15:50 07.10.2018
Von Ruth Bender
Foto: Junge Liebe: Polly (Jennifer Böhm) und Mackie Messer (Marko Gebbert).
Junge Liebe: Polly (Jennifer Böhm) und Mackie Messer (Marko Gebbert). Quelle: Olaf Struck
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Kiel

Sie ist ja auch saftig, die Geschichte vom Gangster und Womanizer Mackie Messer, der dem Bettlerkönig Peachum in die Parade fährt, als er dessen Tochter Polly ehelicht. Gespickt mit tollen Songs und knalligen Merksätzen: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Im Vergnügen steckt bei Brecht die Gesellschaftskritik.

Ein selbstgewisser Manager der Armut

Eigentlich. Annette Pullen hat in ihrer Inszenierung aber eher die Seifenoper im Sinn. Da gibt es Familienzoff bei den Peachums, romantische Liebe bei Polly und Mackie Messer, Gangster-Scharmützel und den Alltag der Bettelmafia. Möglichst ungestört vom Verfremdungseffekt oder anderen Brüchen.

Das Ensemble bringt das im trashigen Outfit von Barbara Aigner musical-sicher auf die Bühne und kann auf der angebauten Showbrücke (Bühne: Iris Kraft) direkt von der Rampe sprechen: Zacharias Preens Peachum ein selbstgewisser Manager der Armut, Marko Gebberts Mackie Messer passend draufgängerisch, Jennifer Böhm eine naiv-mutwillige Polly. Und Mackies Gang sieht mit den Bowler-Hats aus wie aus „Clockwork Orange“ entliehen.

Weill-Songs kommen bewusst ungeschliffen

Befeuert wird das Spiel von den Songs von Kurt Weill, die hier schön direkt und bewusst ungeschliffen kommen: Eine deftige Mackie-Messer-Moritat von Rudi Hindenburg, blutrünstig sehnsüchtig die Seeräuber-Jenny von Jennifer Böhm, knackig der Kanonensong von Marko Gebbert und Christian Kämpfer. Und die Band um Moritz Caffier spielt das weniger schneidend als im eleganten Salonstil. 

Mit erhöhtem Comedy-Faktor malt die Regisseurin Brechts Moritat schräg, aber nicht bissig, ruppig, aber nicht böse. Und der legendäre V-Effekt wird hier so wenig befragt wie Brechts Kapitalismuskritik. Dabei sind deren Sätze doch weniger leergelaufen, als man im wohligen Sog der Vergnügungsmaschine meinen könnte. 

Schauspiel Kiel. 10., 12., 13., 19.,27., 28. Oktober. Kartentel. 0431/901-901, www.theater-kiel.de