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Kultur Mit Harmonie, Struktur und Finesse
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20:02 23.05.2019
Von Thomas Richter
Im innigen Miteinander: Duo Ulf Meyer (Gitarre) und Martin Wind (Kontrabass). Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Entsprechend eröffneten die beiden Künstler den Abend mit dem Titeltrack des aktuellen Albums "Licorice And Beer". Der Song zeigt bereits viele jener Facetten, die das Spiel des renommierten Jazz-Gitarristen und des nicht nur in der New Yorker Jazz-Szene erfolgreichen Kontrabassisten so unverwechselbar machen. Ulf Meyers Komposition vereint einen gepflegten Groove, der das Stück unaufgeregt beflügelt, mit etwas Blues, Swing und einer ordentliche Prise Jazz. Eingängige Melodielinien geben dem Song Struktur und Finesse. Auf ihren Instrumenten verschmelzen die Musiker dabei zu einer unauflöslichen Einheit, wechseln sich mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen Rhythmus- und Melodieführung ab und entwickeln dabei eine ganz eigene, alles durchdringende Harmonie.

Ausflug in verträumte Gefilde

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Das Duo begibt sich aber auch gerne in verträumte Gefilde. Meyers frühes Werk "Rødbyhavn", das in wunderschönen Klangfarben den dänischen Fährhafen besingt, ist eine großartige, mit feiner Melancholie und viel Gefühl abgeschmeckte Ballade. Meyer nannte sie in liebevollem Understatement, „einfach nur ein Lied“. Martin Wind faszinierte daraufhin mit seinem als Bühnenmusik für ein amerikanisches Vietnam-Stück geschriebenen Juwel "Rainy River". Über den spannenden dramaturgische Aufbau hinaus fesselt die Komposition durch virtuoses Spiel. Denn mit und ohne Bogen entlockte der Kontrabassist seinem Instrument berückende wie befremdende, zuweilen fast elektronisch anmutende Klänge. Ganz großes Theater.

Musikalische Meilensteine in neuem Gewand

Klassiker der Rock- und Pop-Literatur standen ebenfalls auf der Setlist. "Blackbird" der Beatles etwa, "Black Night" von Deep Purple oder das von Dinah Washington zu Weltruhm gesungene "What A Difference A Day Makes". Im innigen Miteinander schmückten die Musiker diese Meilensteine mit elaborierten Improvisationen aus, kleideten sie in ein neues stimmiges Gewand, ohne aber die Seele des Originals zu manipulieren. Bei der Zugabe "My Funny Valentine" flog Meyer dann auch noch eine Saite ums geschulte Ohr. Dem Meister scherte es wenig. Er brachte mit seinem Freund und Kollegen die zarte Schönheit auch so sicher nach Hause.

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