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Kultur Hamburgs Hafen vereint im Groove
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20:47 02.06.2019
Von Thomas Bunjes
Die Londoner Afrobeat-Band um Trompeterin Sheila Maurice-Grey setzte beim Elbjazz-Festival am Sonnabend in der Schiffbauhalle einen fulminanten Schlussakkord. Quelle: Jazz Archiv/Michi Reimers
Hamburg

Ein Meister des Grooves ist Manu Katché. Der weltbekannte Drummer aus Paris, der mit Virtuosität und Einfühlungsvermögen Alben von Peter Gabriel, Sting, Dire Straits oder Jan Gabarek veredelt hat, schöpft beim Elbjazz ausschließlich aus seinem aktuellen Album "The Scope". Polyrhythmisch flottiert er mit seinem Quartett zwischen Latin-Jazz, Jazz-Rock, Acid-Jazz, Blues, Funk, Dub und Techno. Katché agiert band-dienlich als Primus inter Pares, sein atemberaubend rasantes Solo ist natürlich ganz großes Kino. Und weil Katché „très sympathique“ ist, kriegt er die üppig herbeigeströmte Menge sogar zum Mitsingen.

Afrobeat aus Amsterdam

Schlösse man gut zwei Stunden später beim Konzert von Jungle By Night die Augen, käme man nie auf die Idee, dass die Band aus Amsterdam stammt. „Let’s have some fun!“, animiert Posaunist Ko Zandvliet das Publikum vor der Bühne Am Helgen, dem der ansteckende Afrobeat der neunköpfigen Formation während des Gigs immer heftiger in die Glieder fährt. Spaß haben sie alle, auf und vor der Bühne. Immer neue Anläufe nehmen Jungle By Night für ihre saftigen, ausgedehnten Grooves, die oft im selben Stück wechseln, auch mal vom Funk zum Techno und retour.

Königlicher Soul

Klassischen Soul liefern dort am späten Abend J. P. Bimeni & The Black Belts. Bimeni, der aus der Königsfamilie von Burundi stammt und als 15-Jähriger wegen des Bürgerkriegs nach Großbritannien flüchtete. Sein bewegtes Leben packt der 41-jährige Newcomer in die emotionalen Deep-Soul-Songs seines Debütalbums, singt mit kraftvoller Stimme fordernd funky "Free Me", barmt in der Ballade "I Miss You" oder covert mit seiner starken Band forsch den Klassiker "Keep On Runnin’" von Spencer Davis Group. Und weil Bimeni auch noch ein talentierter Showman ist, bringt er sein Publikum heftig in Wallung.

Breckers Werkschau mit Bigband

Weltklasse-Trompeter Randy Brecker und die NDR-Bigband präsentierten auf der Hauptbühne ihr gemeinsames Album "Rocks", eine Art Brecker-Brothers-Werkschau, darunter das Funk gepeitschte Titelstück vom 44 Jahre alten Debütalbum der Brüder Randy und Michael oder der federnde Latin-Jazz-Track "Adina", den Randy seiner Frau Ada gewidmet hat. Immer wieder beeindruckend, wie geschmeidig sich der 73-jährige Trompeter in Bigband-Kontexte einfügen kann. Trotzdem lohnt ein Abstecher zum israelischen Trio Shalosh, doch die große Schiffbauhalle ist schon knackvoll. Draußen jedoch wird das Konzert auf einer Videowand live übertragen und bald haben sich Hunderte von Zaungästen eingefunden, um den ideenreichen Ritt durch Jazz, Rock, Elecronica und Klassik wenigstens so erleben zu können.

Charismatische Sophie Hunger

Es zählt seit jeher zu den Stärken des Elbjazz-Festivals, dass auf Genregrenzen nichts gegeben, sondern viel stärker auf die Klasse des Acts geachtet wird. Die steht bei Sophie Hunger und ihrer Band außer Frage. Der flirrende Pop fesselt ebenso wie das magische Charisma der Sängerin aus der Schweiz. Den Opener "Tricks" traktiert sie mit kurzen Gitarren-Attacken, "Supermoon" steigert sich von balladesk zum zwingenden Groove. Bei einem Spaziergang auf dem Gelände habe sie ein Fisch-Kebab aus Lachs gesehen, „die Vollendung der nordischen Kultur“, frotzelt Sophie Hunger. „Doch danach folgt bekanntlich der Niedergang. Das ist der Ende und der Anfang.“

Blasgewaltiges Finale

Das Ende des Festivals stellt dann noch vor eine schwere Entscheidung. Auf der Hauptbühne eine Bläser-Institution, die im vergangenen Jahr 50-jähriges Bestehen feierte: Tower of Power. Die Mannen um Saxofonist und Bandgründer Emilio Castillo machen ihrem Namen noch immer alle Ehre, agieren da oben aber so was von tight, und der junge Sänger Marcus Scott gibt die Rampensau. Doch in der Schiffbauhalle geben parallel drei fabelhafte Bläserinnen und Sängerinnen den Ton an beim Londoner Oktett Kokoroko. Afrobeat und Highlife mit hypnotischen Grooves, das Publikum: euphorisiert. Ein würdiger Schlussakkord.

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