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14:00 30.04.2019
Von Konrad Bockemühl
Richtet jenseits der großen Namen den Blick immer mehr aufs programmatische Detail: Elbphilharmonie Intendant Christoph Lieben-Seutter. Quelle: Michael Zapf
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Hamburg

Und Lieben-Seutter versichert 27 Monate nach der Eröffnung: Man darf auch bei bislang über zwei Millionen Konzertgästen und zehn Millionen Besuchern auf der Plaza in seinen Anstrengungen nicht locker lassen. Die Schwerpunkte der neuen Saison belegen diesen Vorsatz mit großen Namen und ambitionierten Zyklen – bevor am 24. Juni 2020 erneut die Kieler Philharmoniker in den Großen Saal einziehen, um dann unter Leitung ihres neuen GMD Benjamin Reiners in einem Konzert der Volksbühne Hamburg Werke von Strauß, Tschaikowsky, Dvorak und Beethoven (7. Sinfonie) zu spielen.

Fünf Orchester spielen Mahlers Neunte

Zeichen setzt Lieben Seutter bei den Eigenveranstaltungen von Hamburg Musik schon gleich zu Beginn der vierten Spielzeit. Kurz nach dem Eröffnungsprogramm mit dem neuen NDR-Chefdirigenten Alan Gilbert heißt es, rund um die unendliche Brexit-Story, "Britain Calling": Die charismatische Chefdirigentin Mirga Grazinyte-Tyla stellt in diesem Festival mit ihrem City of Birmingham Orchestra viermal Werke aus den letzten 100 Jahren von der Insel in den Mittelpunkt. Das CBSO steht am Anfang eines Reigens von über 40 internationalen Spitzenorchestern, die sich in der kommenden Saison gleich in fünf Fällen Mahlers Meisterwerk, der Neunten (1910), widmen: Das Royal Concertgebouw Amsterdam unter Myung-Whun Chung gehört dazu wie das Philharmonia Orchestra unter Esa-Pekka Salonen, das SWR-Orchester unter dem Kult-Star Teodor Currentzis und das NDR-Elbphilharmonie-Orchester mit Alan Gilbert (mit dem Lieben-Seutter große gemeinsame Pläne hat ...), und im Debüt das San Francisco Symphony unter Michael Tilson Thomas.

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Den Blick aufs 20./21. Jahrhundert

Erneut dabei sind die Philharmoniker aus Berlin, erstmals unterm neuen Chef Kirill Petrenko, und aus Wien – mit einem kompletten Zyklus der neun Sinfonien des Jubilars 2020, Ludwig van Beethoven, unter Andris Nelsons. Beethovens Klavierkonzerte bringen Andras Schiff und das Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer in die Elbphilharmonie, alle Klaviersonaten spielt bis 2021 Igor Levit. Doch die großen Namen sind nicht (mehr) alles: Der Intendant deutet an, dass man an der Auswahl der Programme mittlerweile immer feiner ziseliert arbeite. So mache die Offenheit des Publikums Mut, sich noch mehr der von ihm so geschätzten Musik des 20./21. Jahrhunderts zu widmen: „Jetzt haben wir ja endlich einen Saal, wo das organisch Sinn macht“.

Viele Komponistinnen im Programm

Zu den Feinheiten des Programms gehören mithin auch Komponistenporträts von Iannis Xenakis (1922-2001), Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) und Sofia Gubaidulina (im Musikfest 2020 unter dem Motto Glauben) als einer von übrigens erstaunlich vielen Komponistinnen, die im neuen Programm auftauchen. Aber auch Barockmusik kommt im Großen Saal gut zur Geltung: So gibt es einen Händel-Schwerpunkt mit sechs seiner Opern bzw. Oratorien – und Namen wie Cecilia Bartoli (bei Giulio Cesare).

Lieben-Seutter: Wir lieben den Saal so wie er ist"

Damit ist noch längst nicht alles aufgelistet. Ermüdungserscheinungen sind bei den Programmmachern nicht auszumachen. Aber „es gibt immer noch Verbesserungsmöglichkeiten“, sagt Lieben-Seutter. Und hohe Erwartungshaltungen. Die immer mal wieder aufkeimende Akustik-Diskussionen zeigen das. „Wir hatten“, nimmt’s der Intendant gelassen, „bei fast 900 Konzerten unzählige Höhepunkte und ein paar Problemfälle. Aber wir lieben den Saal so wie er ist“. Und die Zuhörer, „im klassischen Konzert heute immerhin mittlerweile dreimal so viel wie noch vor drei Jahren“, bestätigten das: Kein Handlungsbedarf.

Kartenvorverkauf ab 20. Juni

Der Kartenvorverkauf für einen Großteil der Konzerte der Saison 2019/20 in Elbphilharmonie und Laeiszhalle beginnt am 20. Juni 2019: ab 10 Uhr an allen bekannten Vorverkaufsstellen und ab 18 Uhr dann online. Zuvor kann für die meisten Konzerte der Hamburg Musik und des NDR ein Ticket-Kontingent ab sofort bis zum 17. Mai bestellt werden. Bei übergroßer Nachfrage wird hier, wie gehabt, nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Internet: www.elbphilharmonie.de

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