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Kultur Viel Applaus nach Passionskonzert
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09:08 22.04.2019
Von Susanne Wittorf
Hochkonzentriert: Unter der Leitung von Karsten Lüdtke boten der Bachchor, die fünf Solisten und das Concerto Lübeck ein eindrucksvolles Konzert in der Vicelinkirche. Quelle: Susannne Wittorf
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Neumünster

Unter der Gesamtleitung von Karsten Lüdtke präsentierten die Solisten Olivia Stahn und Dorothee Bienert (beide Sopran), Milena Juhl (Alt), Fridolin Wissemann (Tenor) und Christian Palberg (Bass) gemeinsam mit dem Concerto Lübeck unter seiner Konzertmeisterin Anna Melkonyan sowie 23 Mitgliedern des Bachchores am Karfreitag Dieterich Buxtehudes „Membra Jesu nostri“ in der Vicelinkirche.

Mystische Betrachtungen

Im siebenteiligen Kantatenzyklus des norddeutschen Barockkomponisten wird der leidende Jesus am Kreuz dargestellt. Angefangen bei den Füßen „I. Ad Pedes“ über die Knie, die Hände, die Seite, die Brust und das Herz bis hoch hinauf zum Angesicht „VII. Ad Faciem“ stellen die Interpreten mystische Betrachtungen zu den Gliedmaßen des Leidenden an. Dabei folgen die Kantaten einem gleichbleibenden Schema: nach dem Concerto singt der Chor einen Bibeltext, die drei folgenden Strophen kirchlicher Dichtung werden solistisch vorgetragen, abschließend wiederholen die Chorsänger ihren Eingangstext.

Eindrucksvolle Lichtinstallation

Wer nun meint, die strenge Abfolge führe zu Eintönigkeit, wurde eines Besseren belehrt. Im Wechselgesang mit den Solisten gelangen dem reduzierten Bachchor eindrucksvolle Momente klangschöner Meditation. Als herausragend sind hier die Kantaten „An die Hände“ und „An das Herz“ zu nennen. Ihre ergreifende Stimmung wurde durch eine Lichtinstallation der Kreuzigungsgruppe aus der ehemaligen Stiftskirche eindrucksvoll unterstützt.

Gekonnte Wechsel in Tempo und Dynamik

Raumfüllend stellten die hervorragenden Solisten die schmerzvollen Sekundreibungen heraus. Das mit zwei Violinen, einer Viola, einer Gambe, einem Violone und einem Orgelcontinuo klein besetzte, im alten Stile sehr bewanderte Orchester überzeugte mit Ausdrucksstärke und sauberen Intonationen. Und über allem stand Karsten Lüdtke. Als Dirigent legte der Kantor große Aufmerksamkeit auf Textverständnis und Interpretation. Sein leidenschaftliches, von großen Gesten begleitetes Dirigat mit gekonnten Wechseln in Tempo und Dynamik sowie angemessen langen Pausen ließen ausreichend Raum dem Gehörten nachzufühlen und die Intensität des Werkes zu spüren.