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Kultur Hamburgs neue Perle
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15:14 11.01.2017
Von Kristiane Backheuer
Der Balkon auf dem Kaispeicher bietet eine weite Sicht über den Hamburger Hafen, auch bei grauem Schmuddelwetter. Quelle: Frank Peter
Hamburg

Hier gibt es nicht nur einen umwerfenden Ausblick auf ganz Hamburg, sondern auch ungewöhnliche Biere, historische Gruselgeschichten, einzigartige Souvenirs und eine Architektur, die atemberaubend ist. Schon am Eingang zur Elbphilharmonie wird klar: Hamburg ist ultramodern. Die gesamte Logistik und Besucherführung ist perfekt durchgeplant. Auch wenn so mancher Besucher beim Scannen des Tickets an den Zugangsschranken schnell den Betrieb zum Erliegen bringt. Aber dafür gibt es ja Angela Stropp (44). Die sympathische Frau sagt an diesem Tag gefühlt tausend Mal: „Den QR-Code bitte unters grüne Licht halten.“ Und verliert trotzdem nicht ihre gute Laune. Dick eingemummelt mit roter Mütze, Schal und zwei Jacken steht die Hamburgerin von der Sicherheitsfirma VSU ihren Mann. „Das Gebäude ist schon schön“, sagt sie. „Aber Hamburg ist auch so schon toll.“

82 Meter in die Höhe

Dann geht's auch schon mit der „Tube“ in die Höhe. Die 82 Meter lange, leicht gewölbte Rolltreppe befördert die Besucherscharen zum ersten Panoramafenster im sechsten Stock – und zu der Frau, die den schönsten Arbeitsplatz der Welt hat. Angela Bellmann (47) ist Taste- und Shopmanagerin bei Störtebeker. Die Brauerei aus Stralsund hat hier in der Elbphilharmonie ihre erste Hamburg-Niederlassung samt Restaurant eröffnet. 16 Biere werden hier angeboten, davon so eigenartige Geschmacksrichtungen wie Marzipan und Biskuit, Banane und Vanille oder Lidschi und Mango. Muss man nicht mögen, aber ein Abstecher lohnt trotzdem. An zwei riesigen Tischen hat man einen herrlichen Ausblick und kommt schnell mit den Nachbarn ins Gespräch. Das Bier kostet 3,80 Euro, der Kaffee 3,30 Euro und das Glas Champagner 12,50 Euro.

„In dieser Jahreszeit bekomme ich sogar die Sonnen-auf- und die Sonnenuntergänge mit“, schwärmt Angela Bellmann und zeigt durch die großen Fenster nach draußen. „Das ist ein absolutes Erlebnis für mich, hier arbeiten zu dürfen.“ Lachend fügt sie hinzu: „Und das kann mir keiner mehr nehmen. Ich war von Anfang an dabei.“ Während sie weiter die Biere für die durstigen Besucher zapft, verkauft ihr Kollege am Eingang die „Elbphilharmonie Edition“ – ein Störtebeker-Paket im Look des neuen Konzerthauses, das man später als Lampe umfunktionieren kann. „Wir passen hier wunderbar ins Haus, denn ein paar Ecken weiter soll der Seeräuber Störtebeker geköpft worden sein“, sagt er.

"Unglaublich, perfekt, sensationell“

Eine Etage höher irrt Christiane Roskothen (39) mit ihrer neun Monate alten Tochter Theresa durch die Waschräume. „Irgendwo soll hier eine Wickelkommode sein“, sagt sie hilflos. Fündig wird sie nicht. Auch die Angestellten zucken die Schultern. Gerade wäscht sich Nicole Klein (47) die Hände und muss lachen. „Das hier kann nur ein Mann konzipiert haben“, sagt sie und blickt auf die schummrigen Lampen an der Decke. „Man sieht ja gar nichts.“ Und so ganz warm werde sie auch noch nicht mit dem Gebäude. „Es ist schon faszinierend, aber irgendwie wirkt alles auch sehr puristisch und kalt. Und das liegt nicht nur am norddeutschen Schmuddelwetter.“ Trotzdem glaubt und hofft sie, dass die „Elphi“ gut für Hamburg sein wird. „Während der Bauphase mit den ständig steigenden Kosten war das ja eher ein Hassobjekt. Jetzt aber, wo alles fertig ist, lieben wir kühlen Hamburger es doch.“

Ein paar Stufen geht es noch weiter in die Höhe, dann ist endlich die Plaza erreicht, auf der man täglich kostenlos bis 24 Uhr den herrlichen Rundumblick auf Hamburg genießen kann. Überall am Geländer sind riesige Scheinwerfer angebracht: Die Eröffnungsfeier am Mittwoch soll unvergesslich werden. Im Moment aber zieht es gewaltig. Der Wind pfeift in 37 Metern Höhe unermüdlich um die Ecken. Es ist eisig kalt. Das Panorama ist trotzdem überwältigend. Ganz Hamburg liegt einem zu Füßen. Joachim Lehner (52) aus Stuttgart macht begeistert Fotos. Vor einem halben Jahr hat er seine Reise mit Bekannten nach Hamburg geplant. „Schade, dass es noch keine Konzerte gibt“, sagt er. „Damit hatten wir nicht gerechnet.“ Aber das Gebäude sei „unglaublich“, „perfekt“, „sensationell“. „Die Elbphilharmonie macht Hamburg jetzt endgültig weltweit bekannt.“

Virtuelle Gebäudeführung

Im Souvenir-Shop kauft sich Joachim Lehner noch ein Buch zum gläsernen Neubau. Überall wuseln die Besucher herum und bestaunen Becher, Magnete und Taschen, die alle das neue Wahrzeichen Hamburgs tragen. Auch die Firma Montblanc hat die Elbphilharmonie für sich entdeckt und einen limitierten Füller mit dem prägnanten Erscheinungsbild herausgebracht – für 890 Euro.

Viel Geld braucht auch, wer die Suite im Hotel Westin bucht. Eine Nacht kostet hier 1100 Euro. Selbst in deutlich günstigeren Zimmern kann man aber von der Badewanne aus direkt auf Hafencity oder Elbstrom blicken. Der Hoteleingang ist gleich neben dem Souvenir-Shop, dem Café und den beiden geschwungenen Treppen zum Konzertsaal. Die 100 Mitarbeiter haben jetzt am Nachmittag alle Hände voll zu tun. „Heavy-Boarding“ heißt das in der Fachsprache. Von überall aus der Welt haben sich die Gäste angemeldet. Ewelina Eggers (34) an der Rezeption hat für jeden ein freundliches Lächeln. 14 Jahre ist sie im Hotelgewerbe. „Als es mit dem Bau losging, hab’ ich mir gesagt, hier werde ich mal arbeiten“, erzählt sie und ist sichtlich stolz, dass es geklappt hat. Wenn jetzt nur nicht das Problem mit den ausverkauften Konzerten wäre. Denn auch als Hotelgast kommt man nicht schneller an Karten, zum Bedauern des Personals.

Zum Glück gibt es im Souvenir-Shop gerade umsonst eine 3-D-Pappbox (VR-Brille). Hier steckt man einfach sein Handy rein, nachdem man die dazugehörige App heruntergeladen hat, und schon nimmt man an einer virtuellen Gebäudeführung teil. Zudem sitzt man am heutigen Eröffnungstag in der ersten Reihe: Das Konzert wird im 360-Grad-Livestream übertragen. Langsam geht es wieder die Tube nach unten Richtung Heimat. Beim Blick zurück glänzt die Glasfassade der Elbphilharmonie im letzten spärlichen Sonnenlicht. Eine riesige Welle im sonst wolkenverhangenen Himmel.

Eröffnungskonzert wird live übertragen

Anreise: Wer aus dem Raum Kiel kommt, reist am bequemsten mit der Bahn an. Ausstieg am Hauptbahnhof, dann sind es noch zweieinhalb Kilometer. Das Taxi dorthin kostet knapp zehn Euro. Mit dem Bus Linie 111 (Am Kaiserkai) oder der U-Bahn (U3, Baumwall) geht es aber auch. Geheimtipp: Wer mit dem Auto kommt, kann kostenlos in Finkenwerder (Bubendey-Ufer) parken, dann die Fähre 62 zu den Landungsbrücken nehmen und von dort die Fährlinie 72 bis direkt vor die Elbphilharmonie. Das Parkhaus in der Philharmonie kostet vier Euro pro angefangene Stunde – und 40 Euro pro Tag.

Plaza: Wer nicht lange warten will, um auf die frei zugängliche Plaza der Elbphilharmonie zu kommen, kann sich vorab ein Online-Ticket für zwei Euro besorgen. Vor allem am Wochenende kann man so längere Wartezeiten vermeiden.

Konzertkarten: Aktuell sind bis zum Sommer so gut wie alle Konzerte ausverkauft. Die günstigsten Tickets gab es für sechs Euro, die teuersten für 218,90 Euro. Es ist zu empfehlen, sich unter www.elbphilharmonie.de für den Newsletter anzumelden. Hier werden Konzerte, die neu in den Verkauf gehen, angekündigt.

Eröffnung: Ab 18.30 Uhr überträgt das NDR-Fernsehen live ab 20.15 Uhr das Eröffnungskonzert, im Radio sendet NDR Kultur schon ab 18 Uhr. Online gibt es Live-Streams unter aus dem Saal und von der Licht-Show.

Am Mittwoch ist es endlich soweit. Nach zehn Jahren Bauzeit wird mit einem großen Festakt im Konzertsaal die Elbphilharmonie eröffnet. Machen Sie jetzt mit bei unserem Quiz zur Eröffnung und gewinnen Sie eine Nacht in einem Doppelzimmer des neuen Hotels The Westin Hamburg. Hier finden Sie unsere Quiz-Fragen.

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