Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kultur Wohlschmeckend und überraschend
Nachrichten Kultur Wohlschmeckend und überraschend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:32 20.07.2019
Von Thomas Richter
Das Gitarrenduo Opal Ocean tritt beim Bootshafensommer in Kiel auf.
Das Gitarrenduo Opal Ocean tritt beim Bootshafensommer in Kiel auf. Quelle: Michael Kaniecki
Anzeige
Kiel

Ein lauer Sommerabend, der Duft von Gegrilltem hängt in der Luft, und über allem klingt Live-Musik. Nach der Kieler Woche scheint auch der Bootshafensommer vom Wetter geküsst und konnte mit den Poprockern Oh Fyo! und dem unerhörten Gitarrenduo Opal Ocean bereits am Eröffnungsabend ordentlich auffahren.

Knitterfreies Songwriting

Das letzte Lied des Gigs („Walls Of Utopia“) war die erste Single des 2017 in Lübeck gegründeten Duos Oh Fyo! und wirkte wie eine alles umarmende Zusammenfassung dessen, was die vielen Zuhörer auf den Steinbänken, an den Tischen und Ständen am Bootshafen in der Stunde zuvor genießen durften. Die beiden Songwriter Flix Highfield und Marius Evan liefern knitterfreies Songwriting mit einem sicheren Gespür für eingängige Melodien und hymnische Mitsing-Refrains. Dazu kommen sauber und wirkungsvoll gebaute Arrangements, die mit Keyboard, Gitarre und Schlagzeug aber noch genug Wumms haben, um auch Freunde des Rock mitzunehmen. Highfields Stimme drückt den wohlschmeckenden Songs mit gewollten Brüchen und mühelosen Wechseln in Falsett-Höhen einen nachhaltigen Stempel auf.  Höhepunkte des begeistert aufgenommenen Auftritts, der sich vorwiegend aus dem Repertoire der Debüt-Scheibe „Bravery“ (2017) speiste, waren „Home“, Wherever You Are Now“, oder „These Days“. Aber auch die aktuelle Single „The Enemy“ ließ aufhorchen.  

Tadellos sekundierende Live-Band

Gerne bemüht Keyboarder Adrian Polley, der wie Leon Saleh an den Fellen und Henning Schiewer am Bass zur tadellos sekundierenden Live-Band gehört, dabei die Tasten mit  den synthetischen Streichern. Das funktioniert an sich zwar, macht die dankenswerterweise recht griffigen Arrangements streckenweise aber etwas zu handzahm („This is Our Live“, Yellowed) und verbeugt sich mit seiner schneidenden Variante bei „A True Story“  zu offensichtlich vor Ennio Morricone.

Gitarrenduo zwischen Flamenco und Progressive Rock

Für eine echte Überraschung sorgte anschließend das faszinierende wie mitreißende  Akustik-Gitarrenduo Opal Ocean mit den ehemaligen Straßenmusikern  Nadav Tabak aus Neuseeland und dem Franzosen Alex Champ. „ Opening the borders of genre“, das Öffnen von Genregrenzen also haben sich die beiden Saiten-Virtuosen auf die multinationale Fahne geschrieben. Und das Unternehmen ist wahrlich hörenswert. Hoch versiert und extrem groovy mischen die beiden lateinamerikanische, Rhythmen wie Flamenco und Rumba ganz unverhohlen mit Elementen des Progressiv-Rock oder – wie sie es nennen – Akustik Metal. Ihr Debüt-Album „Lost Fables“ (1918) sprüht vor Energie, Einfallsreichtum und Witz.

Die Mischung ergibt Sinn

Die Stile vermischen und ergänzen sich mühelos und ergeben musikalisch ausgesprochen viel Sinn. Hinzu kommt, dass die Gitarristen ihrem Mix auch balladeske Töne beimengen oder ihren gut bestückten Pedalboards sehr funkige Sounds entlocken, die klingen, als hätte  „Shaft“-Magier Isaac Hayes früher mal ein paar Münzen in ihre Gitarrenkoffer auf der Straße geworfen. Stark.