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Kultur Weggucken geht nicht
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09:21 20.03.2019
Von Ruth Bender
Setzen auf eine Art „Küchenrealismus“: „Rotterdam“-Regisseur Johannes Ender, Bühnenbildnerin Hannah Landes. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

„Da hocken zwei junge Leute, Alice und Fiona, seit Jahren in Rotterdam, wo sie eigentlich nicht sein wollen, schaffen es aber auch nicht, ihr Leben neu zu gestalten“, bringt Ender die Geschichte auf den Punkt, „das ist eine Situation, in der sich jeder wiederfinden kann.“ Auch wenn die Hintergründe etwas komplizierter sind: Alice und Fiona sind zwar schon lange ein Paar, aber den Eltern hat Alice ihre Homosexualität bislang verheimlicht. Und just, als sie die entscheidende Mail endlich losschicken will, kommt Fiona damit heraus, dass sie immer schon ein Mann sei.

Video-Interviews werden in die Inszenierung eingebunden

2015 feierte das Vier-Personen-Stück im Londoner Westend Premiere; 2017 erhielt es den renommierten Laurence Olivier Award. Ender schätzt daran die lebhafte Alltäglichkeit der Figuren und, dass es nicht als Problemstück daherkommt: „Es eröffnet viele Facetten. Und es geht eben auch um eine Beziehung im Allgemeinen und wie die plötzlich neu verhandelt werden muss.“ Mit dem Trans-Thema mussten sich Ender und sein Ensemble dagegen erstmal vertraut machen. So hat sein Team in Kiel Interviews geführt, die zu Teilen als Video in der Inszenierung auftauchen.

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Eine Art "Küchenrealismus"

Regisseur und Bühnenbildnerin Hannah Landes ist es wichtig, dem Publikum mit diesem Theater auf die Pelle zu rücken. Gespielt wird auf einem schmalen Bühnenstreifen, in einer Art „Küchenrealismus“ , wie Hannah Landes schmunzelnd sagt. „Das ergibt eine Enge und Nähe, in der man nicht weggucken kann. Und in der sofort die Probleme sichtbar werden, die in der Beziehung auftauchen.“ Und es ermöglicht eine „fast filmische Spielweise“ wie im Close Up.

Psychologische Tiefen ausloten

Ender geht es um eine besondere Genauigkeit, die sich auf der großen Bühne vielleicht eher verspielt. „Der Text hat solche Feinheiten, in denen die Situationen kippen. Und diese psychologischen Tiefen wollen wir ausloten.“ Schließlich ist das Stück auch eine Geschichte fortlaufender Missverständnisse und gescheiterter Kommunikation, die Alices Arbeitskollegin und Fionas Bruder zusätzlich befeuern. „Die Figuren kämpfen ja auch ständig damit, wie sie Dinge und Befindlichkeiten ausdrücken.“

Premiere am Freitag, 22. März, 20 Uhr, im Theater im Werftpark. Karten: Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de