Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Euphorisch im Matsch
Nachrichten Kultur Euphorisch im Matsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 02.07.2017
Von Tamo Schwarz
Sintflutartige Regenfälle wie 2007, 1997 blieben aus, und in Gummistiefeln wurde alles so richtig gut. Quelle: Rene Otto
Roskilde

Zugegeben, das Roskilde Line-up krankte in diesem Jahr leicht an der Absenz der ganz großen Dinos, weil aktuell tourende Bands wie Depeche Mode oder Guns’n’Roses nicht auf die Orange Stage gelockt werden konnten. Doch am Ende triumphierte der Festival-Gigant wunderbar passend mit Vielfalt

Zum Vielfalt-Motor wird in diesem Jahr der neue Klub-Bereich „Klub Rå“ mit Installationen, Performances und Konzerten auf 1200 Quadratmetern, aufgeteilt auf fünf Räume. Während als Nas draußen bellt „Nasty Nas in the area“ und Roskilde kurzerhand zur Eastcoast erklärt, stolpert man in den Klub mit seinen geduckten Räumen und atmet plötzlich ganz tief durch, wird entschleunigt vom Streichorchester Duen (Danish Youth Ensemble) und Griegs Elegischer Melodie „Letzter Frühling“. Melancholie, die wärmt und das Herz trocknet und ganz anders ist als alles, was da noch kommen wird.

Anders als die Foo Fighters, umjubelter Mega-Headliner am Freitagabend. Diese 2:15 Stunden werden 25 Jahre nach Grohls Roskilde-Premiere als Nirvana-Drummer eine Liebeserklärung an das Festival, eine rifflastige Setlist-Achterbahnfahrt, der besonders Grohl und Drummer Taylor Hawkins die großen Loopings verleihen. Schweißtropfen fliegen kreuz und quer über die Bühne – „My Hero“, „Monkey Wrench“, doch die härtesten Tiefschläge kommen erst noch: „Best Of You“ und das triumphale „Everlong“ zum Abschluss eines zuweilen routinierten, insgesamt aber überbordenden Rockgewitters.

Das Finale kommt erst langsam (The Lumineers), dann brachial, dieses Mal mit Westcoast-Credibility der N.W.A.-Ikone Ice Cube bei seinem einzigen, exklusiven Europa-Gig. War’s das schon? Da kommt noch der neo-folk-infizierte Alternative-Rock von Arcade Fire. Die Kanadier um das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne kreieren ihren Bombast zwischen Kammer-Rock, Synthie und World hintergründig. Ein bisschen mehr Disco gefällig? Also zurück zum „Klub Rå“, wir haben da was läuten gehört. Und 90 Minuten nach dem Arcade-Fire-Gig ist er wirklich da: Win Butler. Bittet die vielleicht 40 ganz nah an sein Mischpult und packt die Tanzschuhe aus. Blondies „Heart Of Glass“, Abbas „Dancing Queen“ – ist er es wirklich? Butler und Tiwill Duprate an den Congas überziehen alles mit einem Guss aus Glitter, alles tanzt, dann lässt Butler zwei Flaschen Scotch kreisen. Rock’n’Roll ganz im Kleinen am Ende des 47. Roskilde Festivals.

Hier sehen Sie Bilder vom 47. Roskilde Festival am Sonnabend.
Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

"Clarté" ist das Zauberwort der französischen Musikästhetik. Klarheit, Reinheit, Frische, Helligkeit darf gerne vorherrschen, wenn bei Maurice Ravel die Sonne aufgeht. Thomas Hengelbrock ehrt im ersten SHMF-Eröffnungskonzert den Schwerpunktkomponisten mit kristallinem Interpretationsansatz.

02.07.2017

Eine ganz andere Seite des Reformators Martin Luther zeigt die Wanderausstellung „Ertragen können wir sie nicht“ – Martin Luther und die Juden, die ab Sonntag, 2. Juli, im Jüdischen Museum in Rendsburg zu sehen ist.

Gunda Meyer 01.07.2017

Die britische Sängerin Adele hat ihre beiden Konzerte im Londoner Wembley-Stadion abgesagt. Es wären die letzten beiden Auftritte bei ihrer Tour gewesen. Die Stimmbänder wollen nicht mehr.

01.07.2017