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Kultur Eutin setzt auf Narren und Puccini
Nachrichten Kultur Eutin setzt auf Narren und Puccini
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07:36 07.08.2019
Von Konrad Bockemühl
Aufgeklärter König im barocken Rahmen: Verdis „Maskenball“ auf dem Grünen Hügel von Eutin. Quelle: Christopher Landerer / NEF
Eutin

Und Herzog beeilt sich zu betonen: „Die Oper bleibt traditionsbewusst eine Herzenssache für die Festspiele. Wir setzen aber ebenso zielstrebig den 2018 eingeschlagenen Weg fort, mit zeitgemäßen Musicals frisches Besucherinteresse für Eutin zu wecken.“ Anders ausgedrückt: „Wir wollen neue Freunde gewinnen, ohne die alten zu vernachlässigen“.

Die Werkauswahl soll dem Publikum in der 70. Freilichtbühnen-Saison ein betont kontrastreiches Programm bieten, betont Herzog, der nach Verabschiedung der Intendantin Dominique Caron zum Ende der laufenden Saison vom Modell der Ganzjahresintendanz abrückt. Gemeinsam sei aber beiden Stücken, dass sie sehr bühnenwirksam die Auseinandersetzung mit fremden Lebenswelten behandelten – bis heute ein aktuelles Thema.

Igor Folwill inszeniert "Madama Butterfly"

Giacomo Puccinis Oper, 1904 in Mailand uraufgeführt, zeigt die Tragödie einer Geisha, die an der Liebe zu einem in Japan leichtlebig handelnden US-Marineleutnant zerbricht. Das melodramatische Werk ist in Eutin erstmals vor 20 Jahren aufgeführt worden; 2020 wird "Madama Butterfly" auf Italienisch gespielt. Die Inszenierung übernimmt der freie Opernregisseur Igor Folwill, langjähriger Professor für szenische Einstudierung und Regie an der Hochschule für Musik in Köln. Am Theater Kiel inszenierte Folwill 2002 Donizettis Liebestrank und Offenbachs Orpheus in der Unterwelt.

"Ein Käfig voller Narren" inszeniert wieder Hardy Rudolz, seit 2018 (My Fair Lady) „Leiter Musical“ bei den Festspielen. Das Stück spiegelt auf komödiantische Weise die familiären Nöte eines homosexuellen Paares aus dem Travestie-Metier, die wohl bekannteste Melodie daraus ist der Kulthit I am what I am („Ich bin, was ich bin“). Ebenso wie das 1983 von Jerry Herman komponierte Musical war Jean Poirets La Cage aux Folles zuvor im Kino international ein Kassenschlager.

Auf Carl Maria von Webers musikalischen Spuren

Neben den beiden Bühnenwerken planen die Festspiele im nächsten Jahr auf der Seebühne zwei Konzerte im Galaformat und im kleineren Rahmen erneut ein Opernprojekt für Jugendliche. Die 70. Saison soll zudem mit einem „besonderen Eröffnungsprogramm auf den musikalischen Spuren von Carl Maria von Weber“ gefeiert werden.

Mit der Verlauf der aktuellen Saison ist Falk Herzog „sehr zufrieden“. Beide Inszenierungen seien gleichermaßen nachgefragt, aktuell knapp 29.000 Karten verkauft. Bis zum Saisonfinale am 31. August sind noch zwei Aufführungen von Verdis "Ein Maskenball" und fünf von Cole-Porters "Kiss me, Kate" angesetzt. Man setzt auf weiter günstiges Wetter – bisher gab es zwar mitunter kühle Temperaturen, aber keine nennenswerten Niederschläge während der Freilichtaufführungen.

Zweitbestes Ergebnis in 20 Jahren in Sicht

Herzog: „Ich bin sicher, dass wir am Ende mit mindestens 30.000 Besuchern unser wirtschaftliches Plansoll erreichen. Damit würden wir das zweitbeste Ergebnis seit 20 Jahren erzielen und zeigen, dass unser Besucherrekord im Ausnahmesommer 2018 (33000 bei einer Platzauslastung 87,6 Prozent) nicht nur ein wetterbedingter Glücksfall war.“ Zu berücksichtigen ist bei der Platzauslastung allerdings, dass es 2019 vier Opern-/Musicalaufführungen mehr gibt als im Vorjahr.

www.eutiner-festspiele.de

Mehr Kultur aus der Region hier auf www.kn-online.de/kultur

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