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Kultur Ein Gefühl von Wiedergeburt in Ghana
Nachrichten Kultur Ein Gefühl von Wiedergeburt in Ghana
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11:41 29.05.2019
Von Thomas Bunjes
In Kenichi, einer Vorstadt der ghanaischen Hauptstadt Accra, hat Adi Amati ihr neues Album produziert. Quelle: Guerilla Music
Kiel

Elf Songs. Zwei davon – "Unsere Zeit" und "Farbenpracht" – fanden sich schon auf "Weltenkind", von der 32-jährigen Sängerin und Songwriterin nun neu arrangiert. Warum Wiedergeburt? „Vor vier Jahren hat sich mein Leben unglaublich verändert“, erzählt Adi. Da habe sie einen Verkehrsunfall in Indien gehabt. „Das hat meinen Fuß wirklich kaputt gemacht. Eisen, Titan, watt weiß ich, was da alles dann drinnen war.“ Sie habe „einfach wieder gehen lernen“ müssen, für sie der erste Schritt einer Art Wiedergeburt.

Bestattung des Vaters, Entdeckung von Afrobeats

Zwei Jahre später sei ihr Vater gestorben. „Da bin ich nach Afrika gereist, um ihn zu unserem Stamm zurückzubringen und dort traditionell beerdigen zu lassen. Auch das war für mich eine komplette Wiedergeburt.“ Einschneidend sei damals der Kontakt mit Afrobeats gewesen, die dem Album hörbar den Stempel aufgedrückt haben. „Zurück zu meinen Ahnen und eine Wiedergeburt für mich.“ Adis Mutter ist die gebürtige Sardin Rita Amartey, die einst in Kiel die Restaurants „Cou Cou Cumber“ und „Greenfields“ betrieb.

Heitere, sonnige, luftige Songs

Zu Afrobeats mischen sich Reggae, Pop, Soul in den Sound, der heiter und sonnig klingt, sehr luftig und transparent, aber eben auch glatter als damals. "Odo Na Ehia (Love Matters)", der eingängigste Track und mit dem ghanaischen Sänger Abochi gesungen, klingt wie auf Sommerhit gepolt. „Ja, total“, sagt Adi. Sollte es diesmal also radiokompatibler sein oder ist es schlicht professioneller produziert? „Professioneller. Außerdem ist Afrobeats ein Genre, das sehr leichtfüßig ist. Ich kenne keinen Afrobeats-Song, der sich schwer anfühlt. Positive Energie, feiern, und es geht eben sehr, sehr viel um Liebe.“ Afrobeats sei elektronischer als der Afrobeat etwa im Stil von Fela Kuti mit mehr Funk oder der Afro-Pop, es werde viel mit Autotune gearbeitet. Hip-Hop dominiert nicht mehr. Sieht sie sich denn eigentlich noch als Hip-Hop-Act? „Doch, ich sehe mich immer noch als Rapperin, aber auf meine eigene Art und in meinem eigenen Style.“

Album produziert in der Nähe von Accra

Maßgeblich seien auch die Einflüsse der Produzenten in Ghana gewesen, beim Knüpfen der Kontakte hatte Adis Kusine geholfen. Im Soultown Music Studio in Kenichi, eine Vorstadt der Hauptstadt Accra, hat sich Adi unterstützen lassen: von Kimbo Beatz, der schon bei "Weltenkind" mitgemischt hatte und von Camufingo. „Wir haben uns eine Woche eingesperrt und zunächst 15 Instrumentals zusammen vorproduziert. Ich wollte dort etwas produzieren, was echt ist, und nichts reproduzieren.“ Danach kam das Texten.

Viel mehr Liebe in den neuen Liedern

Schon auf "Weltenkind" hatte Adi politische, insbesondere konsumkritische Töne angeschlagen, das tut sie auch in neuen Songs wie Die Uhr läuft, Die Welt und Wir lieben. Während sich aber auf der EP kein einziges Liebeslied fand, sind es diesmal einige, darunter "Nicht allein", "Geschafft", "Odo Ne Ehia (Love Matters)". Warum? „Weil es um Heilung geht. Für mich selbst und für uns alle. Und da hilft uns natürlich die Liebe – ganz besonders. Weil sie uns Kraft gibt, die Dinge, die im Leben passieren, zu überstehen.“

Kiel soll auf dem Tourplan stehen

Und wann ist Adi Amati mit den neuen Songs in Kiel zu erleben? „Wir sind gerade dran, eine Tour zu für Juli, August zu planen. Da wird Kiel sicher ganz oben auf der Liste stehen.“

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