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Kultur "Ich glaub, ich mach einfach Mucke"
Nachrichten Kultur "Ich glaub, ich mach einfach Mucke"
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18:37 21.06.2018
Von Frida Kammerer
Felix Jaehn auf der R.SH-Bühne an der Hörn: "Ich möchte natürlich immer alle begeistern, auch die, die noch keine Fans sind". Quelle: Manuel Weber
Kiel

Das Konzert ist kostenlos, es werden also nicht nur Fans an der Hörn-Bühne stehen. Hast du deshalb etwas an deinem Set geändert?

Ob die Leute zahlen oder nicht, es sind trotzdem die Fans, die kommen. Und natürlich hat man gerade bei Veranstaltungen wie der Kieler Woche viel "Laufpublikum", die einfach die Woche genießen und alles mitnehmen. Aber deshalb werde ich meinen Style und meinen Sound nicht verändern. Die sollen mich ja so kennen und - hoffentlich lieben - lernen, wie ich bin, und mit der Musik, die ich gerne spiele. Aber es gibt ein paar Überraschungen, weil am Freitag ein neues Remix-Album zu "I" erscheint. Ich möchte natürlich immer alle begeistern, auch die, die noch keine Fans sind.

2014 hast du erste Erfolge gefeiert, dein erstes Album "I" erschien aber erst in diesem Februar. Wieso mussten die Fans so lange warten?

Alben sind einfach nicht mehr zeitgemäß, auch aus Vertriebsgründen. Musik wird in der Regel nicht mehr als Album konsumiert. Es ist einfach von physischen CDs auf Downloads gegangen und mittlerweile auf Streaming. Selbst die Downloads haben kaum noch Auswirkungen auf die Single-Charts, weil Streaming einfach so unglaublich groß geworden ist. Und in dem Bereich wird selten ein ganzes Album gehört, sondern meistens Playlists. Das sind dann eigene kleine Alben, die sich die Hörer selbst zusammenstellen können. Aus Sicht der Plattenfirmen sind Alben total uninteressant geworden - zumindest für die jüngeren Künstler. Eine Plattenfirma würde mir abraten, ein Album zu machen, weil Nutzen und Aufwand nicht im Verhältnis stehen.

Warum hast du dann trotzdem ein Album gemacht?

Selbst wenn es in der Masse nicht so stark konsumiert wird, macht man es für diejenigen, die mich wirklich besser kennenlernen möchten. Bei einem Album hat man selbst mit den Pausen zwischen den Songs teilweise stundenlang zu tun und überlegt sich: Wie wirkt es am besten und in welcher Reihenfolge? Man kann natürlich noch viel mehr zum Ausdruck bringen, was vielleicht nicht in jede Single passt. Wenn ich an Songs mitschreibe, wird natürlich alles noch persönlicher. Es sollen alle Lieder irgendwie mit mir, mit meinem Leben verbunden sein. Aber es darf auch nicht zu autobiografisch werden - ich kann ja nicht selbst singen. Ich muss also für alle Geschichten, die ich erzählen möchte, einen Sänger oder eine Sängerin finden, die sich da auch wiederfindet. Ich bin selbst gespannt, wo die Reise hingeht.

Mit der Arbeit an deinem zweiten Album hast du schon angefangen. Was erwartet die Fans? Was wird anders sein als beim ersten?

Ich war im April zwei Wochen in Los Angeles und habe mich umgesehen, wo es hingehen soll nach dem ersten Album. Ich war im Studio zusammen mit OMI, den ich jetzt erst kennengelernt habe, da kommt ein neuer Song. Und für mich steht jetzt schon fest: Da kommt ein zweites Album. Ich habe schon sechs Songs, die da unbedingt drauf müssen. Als DJ bin ich eigentlich Produzent, da bin ich primär für die Instrumentalisierung zuständig, aber ich möchte beim zweiten Album an jedem Song mitschreiben. Ich möchte bei jedem Song dabei sein. Ich hab schon mit Magic und Aloe Blacc Songs dafür geschrieben.

Die ersten DJs wie David Guetta haben sich schon zurückgezogen. Was kommt bei dir nach der DJ-Zeit?

Ich glaube nicht, dass ich mit meiner Musik abhängig bin von Trends. Die Musik wandelt sich zwar jedes Jahr, aber bei mir ist da sehr viel Varianz drin, auch viele Kollaborationen. Ich sehe mich nicht in einem Nischengenre. Im Endeffekt mache ich Popmusik mit einem elektronischen Ansatz und performe als DJ. Es kann in jede Richtung gehen. Ich schaue einfach, was der Song braucht und was er sein möchte. Ich kann nicht einen Song des Genres wegen in eine Richtung drängen, wo er - sozusagen - nicht hin möchte. Da schaue ich Song für Song und hoffe, dass ich damit auch weiter erfolgreich bin. Auch wenn das Interesse nachlässt, mache ich trotzdem erst mal weiter. Ich hab mir noch gar nicht überlegt, was danach kommt. Ich glaub, ich mach einfach Mucke.

Hat dich der Tod von Avicii beeinflusst, hast du danach etwas an deinem Leben geändert?

Ich glaube, dass ich - zum Glück - eh schon auf einem ganz guten Weg bin. Ich lasse alle Drogen komplett weg, ich trinke auf Tour nicht mal Alkohol, sondern nur Wasser. Ich gebe mich dieser "Selbstzerstörung" nicht hin. Ich bin immer total wachsam, wenn ich mich mal schlecht fühle oder ich total aufgeregt bin. Ich versuche die Auslöser dafür dann sofort zu beseitigen. Ich arbeite sehr viel, mache viel Sport, habe einen Mental-Coach, der mich begleitet und mir Übungen mitgibt, wie ich immer wieder meine Mitte finde. Aber Aviciis Tod hat mich sehr getroffen, weil er einer meiner Idole war. Ich durfte mal einen Remix für ihn machen, habe mal Support für ihn gespielt, und auch wenn ich ihn nicht persönlich kannte, war ich doch sehr nah dran. Bei der Netflix-Doku über ihn habe ich schon viele Parallelen zu meinem Alltag gesehen. Bei Instagram postet man immer nur die schönen Strände und Shows, aber das drumherum kann einen schon erdrücken. Man muss Familie und Freunde immer nah bei sich halten, dann mache ich mir gar keine Sorgen.

Der international erfolgreiche DJ Felix Jaehn hat am Mittwoch die Hörn-Bühne in einen Club verwandelt. Mit altbekannten Songs wie "Chearleader" oder "Ain't nobody (loves me better)", aber auch neuem Material wie "keep your head up" hat er sein junges Publikum begeistert.

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