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Kultur Festival des Debütromans war gut besucht
Nachrichten Kultur Festival des Debütromans war gut besucht
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07:37 26.05.2018
Von Ruth Bender
Gruppenbild mit Herren: (v.li.) Hanna Weselius, Mascha Dabic, Karosh Taha, Gasper Kralj, Francesca Manfredi, Agnès Riva, Weronika Gogola, Frédéric Zwicker, Tine Hoeg und Jente Posthuma. Quelle: Marco Ehrhardt
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Kiel

Wie Kohlen über Kopfsteinpflaster kollern die Konsonanten, als Hanna Weselius aus Finnland liest. Eilig, hastig, einander überholend. Im eleganten Fluss hält die Französin Agnès Riva mit ihrer kühl präzisen Erzählung einer außerehelichen Affäre dagegen. Und am schönsten klingt vielleicht Weronika Gogolas zwitscherndes Polnisch, von dem die Autorin erstmal eine eindrucksvolle Gesangsprobe gibt. Ein wehmütiges Grablied in zwölf Stunden, nach denen sich auch ihr Roman Po trochu (Nach und nach) gliedert; eine Geschichte vom Sterben und Leben auf dem Land, gesehen durch die Augen eines Kindes.

Das lockt längst auch ein Stammpublikum, das sich an der Kasse reiht und im Zelt neben dem bald prall gefüllten Literaturhaus noch Platz findet. „Ich kenne die europäische Literatur gar nicht so“, sagt ein junger Mann aus der Ukraine, der in Posen studiert und zum Auslandssemester in Kiel ist, „und ich finde das toll hier!“

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Vor allem weiblich sind die Stimmen diesmal, starke Stimmen, die hier Kindheitsmuster, Ehebrüche und Lebensentwürfe verhandeln. Karosh Taha etwa entfaltet in ihrem gerade erschienenen Roman Beschreibung einer Krabbenwanderung (Dumont) ein Familienpanorama zwischen Irak und Deutschland, sozialer Kontrolle und Freiheitsdrang. Und die im Ruhrpott aufgewachsene Irakerin spinnt ihre Erzählerin Sanaa wunderbar ein zwischen Tag und Traum, Sex und Erinnerung. Dabei steckt in jeder Geschichte schon die nächste – wie in einer erzählerischen Matrjoschka.

Die Dänin Tine Hoeg entwirft in knappen Sätzen das Protokoll einer Affäre zweier Pendler im Zug von Kopenhagen nach Naestved (Nye Rejsende). Sehr fein und subtil sind die Bedrohungen, die die Italienerin Francesca Manfredi in ihre Vorstadtgeschichten (Ein guter Ort zum Bleiben) einflicht. Und Gasper Kralj, in Katalonien lebender Slowene, zeichnet das Porträt eines einsamen Helden, dem in der traurigen Routine als Palliativ-Krankenpfleger sein Leben entgleitet.

Ein Abend, der am Ende ergab, was sich Literaturhausleiter Wolfgang Sandfuchs eingangs gewünscht hatte: einen Eindruck von der klangvollen Vielfalt der Literatur Europas.

Bunter Abend im Phollkomplex, 26. Mai, 20.30 Uhr. Mit Live-Comic und Lesung Frédéric Zwicker. Eintritt frei.

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