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Kultur Mit Klick durch die West Side Story
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00:40 15.08.2014
Von Thomas Richter
Ein Einklang mit dem Filmgeschehen: der Dirigent und Filmkomponist David Newman in Büdelsdorf Quelle: Nickolaus
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Büdelsdorf

Zum ersten Mal probt er seit Montag mit dem jungen Klangkörper für das Filmmusik-Event des SHMF, das am Freitag und Sonnabend in der Holstenhalle Neumünster über Leinwand und Bühne gehen wird.

 Auf den Pulten liegt die Filmmusik zu Leonard Bernsteins 1957 am Broadway uraufgeführter West Side Story. Denn während der seinerzeit mit zehn Oscars prämierte Film (1961) in voller Länge und in HD auf einer Großleinwand mit originalen Dialogen und Gesangseinlagen flimmern wird, spielt das Schleswig-Holstein Festival Orchester dazu live den grandiosen, damals extra für den Film neu orchestrierten Score.

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 Aber wie erarbeitet man sich die Musik für einen Film, dessen Bilder auf dem Fernseher kaum mehr als eine visuelle Orientierungshilfe darstellen können? Wie den Rhythmus der Musik in Bezug zum Rhythmus der Filmsequenz setzen? Wie die absolute Synchronität zwischen beidem erreichen?

 „Klicktechnik“ heißt auch hier die Antwort auf fast alle Fragen. Bei dieser neuartigen, aber gut erprobten Technik steht dem Dirigenten eine Spezialaufnahme zur Verfügung, bei der der gesamte Film mit einem so genannten „Ear-Click“ hinterlegt ist, der den exakten Taktschlag vorgibt. Über einen Kopfhörer im Ohr ermöglicht der „Ear-Klick“ sowohl dem Dirigenten als auch den Musikern sekundengenaue und stets auf das Leinwandgeschehen abgestimmte Einsätze.

 Doch um Bernsteins prachtvolle Musik zum Klingen zu bringen, ist der richtige Takt sicher das eine, das richtige Gefühl aber das andere. Nicht nur hier loben die Nachwuchsmusiker aus aller Welt ihren Dirigenten. Der ist übrigens Sohn von Filmmusik-Legende Alfred Newman und konnte für den Zeichentrickfilm Anastasia bereits selbst eine Oscar-Nominierung einheimsen.

 „David weiß genau, wie man bei Filmmusik oder Musicals den richtigen Ton trifft. Er erzählt viel von der Handlung, den einzelnen Szenen und den Charakteren des Films. Und er kennt die Mittel, mit denen die Komponisten die Emotionen auf der Leinwand illustrieren,“ schwärmt Fagottistin Valeria Curti (19) aus der Schweiz. Schlagzeuger Maxime Pidoux (20) aus Frankreich findet, „der Film und seine Musik sind ein Klassiker. Die geraten eben nie wirklich aus der Mode. Außerdem hat gerade die Musik der West Side Story für einen Schlagzeuger im Orchester eine Menge zu bieten. Da gibt es viele feine, jazzige Stellen, aber woanders darf man dann auch mal so richtig auf den Putz hauen.“

 David Newmann, der stets hochkonzentriert, motiviert und motivierend wortgewandt und gestenreich Film und Musik erklärt, spart ebenfalls nicht mit Komplimenten für sein Orchester. „Sie klingen wirklich schon so gut, und wir proben doch nur. Dabei ist Bernstein tatsächlich nicht leicht, weil er ganz besonders in Stücken wie dem Tonight Quintet so vielgestaltig ist.“ Für die Aufführung am Freitag, knapp 24 Jahre nach dem Tod des Komponisten und SHMF-Inspirators, hat sich indes auch dessen Sohn Alexander Bernstein, heute Vorsitzender des „Leonard Bernstein Center For Learning“ angekündigt.