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Kultur Etablierte Stars und frische Ideen
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20:36 16.06.2019
Von Konrad Bockemühl
Foto: Jubel zum Auftakt: Pianistin Anna Vinnitskaya und Dirigent Krzysztof Urbanski in St. Georgen, Wismar
Jubel zum Auftakt: Pianistin Anna Vinnitskaya und Dirigent Krzysztof Urbanski in St. Georgen, Wismar Quelle: Oliver Borchert
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Wismar

Und hier wie da steht eine international anerkannte niederländische Streicherin im Fokus der Saison. Im Norden wird es die Geigerin Janine Jansen sein, im Nordosten ist es als Preisträgerin in Residence die 27-jährige Cellistin Harriet Krijgh, die den dreimonatigen Festspielsommer mit gut 20 Konzerten im ganzen Land prägen wird – und einen ersten Eindruck bereits in der eigens von dem Australier Graeme Koehne komponierten Festspiel-Ouvertüre hinterließ.

Eine Hommage am Muhammad Ali als Festspiel-Ouvertüre

Auch das ist typisch für die 1990 als SHMF-Schwester im Nachbarland gegründeten Festspiele: Hier sind schon zum Auftakt (mit dem Jugendkammerchor des Musikgymnasiums Schwerin) herausragende Musiker aus dem Land involviert. Koehnes aparte Komposition soll eine Hommage an den Boxer Muhammad Ali und seine "Natural Philosophy" sein: „Schweben wie ein Schmetterling...“, wird er zitiert. Feinsinnig umspielt das Cello einen wohlig-warmen Chorklang. Federleicht, dann verspielt, schließlich schicksalsschwer: Mit Anna Vinnitskaya (Klavier) und NDR-Solotrompeter Guillaume Couloumy als gefeierten Virtuosen erklangen gleich beide temperamentvollen Klavierkonzerte von Schostakowitsch, bevor Krzysztof Urbanski als Erster Gastdirigent beim NDR den gewaltigen Kirchenraum mit Tschaikowskis "Sinfonie Nr. 4" erfüllte und mit Eleganz und Einfühlung deren wehmütige Grundstimmung doch nicht abgrundtief übersteigerte.

Intendant Markus Fein: „Ohrenöffner und Kreativlabor“

Nach diesem würdigen Auftakt für weitere 151 Konzerte an landesweit 92 (überwiegend kleineren) Spielstätten will Intendant Markus Fein denn auch „die Leichtigkeit des Seins feiern“. Er möchte sein Programmangebot als „Ohrenöffner, Ideensprungbrett und Kreativlabor“ verstanden wissen. Auch in seiner sechsten Saison entwickelt er immer neue Vermittlungsformate, und wird in diesem Ansatz erneut mit einem „sehr guten“ Vorverkauf bestätigt. Also bringt die auch Bildender Kunst stark zugewandte Preisträgerin in Residence an einem Amsterdam-Wochenende nicht nur ihr Fahrrad mit, sondern untermalt einen virtuellen Gang durchs Rijksmuseum musikalisch, spielt zwischen niederländischer Meistern im Staatlichen Museum Schwerin – und tauscht sich mit konzertierenden Freunden über das Lebensgefühl in Amsterdam aus.

Eine "Frischzellenkur für die Klassik" in Neubrandenburg

In der spannenden Reihe „Unerhörte Orte“ sind die Festspiele diesmal auch in der Werkhalle von ZIM Flugsitz zu Gast – und arbeiten dort auch Landesgeschichte mit dem in Anklam geborenen Flugpionier Otto Lilienthal auf. Der Dresdner Kreuzchor steuert im Rahmen einer dreijährigen Partnerschaft vielfältige Stimmen aus Ostseeanrainerländern zu seinen Konzerten an der Küste bei. Und in den früheren Panzerwerkstatthallen Neubrandenburgs wird beim Detect Classic Festival jugendlich neu gedacht. In Start-Up-Atmosphäre stehen Neugier und Experimentierfreude im Mittelpunkt, Fein spricht von einer „Frischzellenkur für die Klassik“. Saint Saens’ "Karneval der Tiere" (mit den Labeque-Schwestern am Klavier und Katja Riemann als Vorleserin) schließlich platzieren die Festspiele in Rostocks 120 Jahre alten Zoo. Neben all den frischen Eindrücken bereisen etablierte Stars wie Dirigent Mariss Jansons und Kent Nagano, die Geiger Daniel Hope, Lisa Batiashvili und Hilary Hahn und die Pianisten Emanuel Ax und Mitsuko Uchido das Nachbarland.

bis 15.9. www.festspiele-mv.de

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