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18:57 12.11.2019
Von Ruth Bender
Die Kieler Filmemacherin Quinka Stoehr mit einem Plakat ihres 1995 entstandenen Films "Virginia Grütter. Stärker als der Schmerz". Quelle: Ruth Bender
Kiel

Ein bisschen bestürzend findet Quinka Stoehr es schon, dass ihr Film Vergessen kann ich das nieheute kaum weniger aktuell ist als damals, 1986, als er in der Pumpe Premiere hatte. „Die Geschichte einer Vergewaltigung“ – und ihrer Vertuschung, aufgeblättert in Interviews mit den Klägerinnen, anhand der Prozessakten und des Urteils vom Kieler Landgericht. Das urteilte in der Revision über den Angeklagten, einen CDU-Funktionär aus Lauenburg, der in Lübeck bereits zu einer Haftstrafe verurteilt war, und begnügte sich mit 4000 Mark wegen Nötigung. Der Film ist einer von zweien aus ihrer Anfangszeit, die die Kieler Filmemacherin in diesen Tagen zeigt.

Der Film schlug Wellen über Kiel hinaus

„Wir hatten natürlich null komma null Ahnung von Film“, sagt gebürtige Flensburgerin, die damals in Kiel Lehramt studierte und im Frauennotruf aktiv war. „Aber der Fall hat mich so betroffen gemacht, dass ich dachte: Das müssen wir zeigen.“ Das ungewöhnliche Debüt, gedreht fast ohne Mittel und mit einer kleinen VHS-Kamera (für die der Kommilitone Kay Ilfrich eine überschaubare Erbschaft einsetzte), schlug Wellen weit über Kiel und Schleswig-Holstein hinaus. Der Film rief den NDR, die Tageszeitung und andere Medien auf den Plan und lief schließlich bundesweit über 400 Mal.

Erst die Botschaft, dann der Film

„Filmisch war das ein echtes Anfängerstück“, sagt die Dokumentarfilmerin, „aber da habe ich gemerkt, was Film für eine Kraft hat und wie viele Leute man damit erreichen kann … Wir haben ein Tabuthema öffentlich gemacht.“ Und Quinka Stoehr ist „von der Empörung zum Film gekommen“. Erst war die Botschaft; der Film war das Mittel zum Zweck. Das ist ihr noch immer wichtig.

Ein Frauenporträt als "Gesellenstück"

Irgendwann hatte sie vom Autodidaktischen allerdings genug und absolvierte ein Filmstudium an der Kunsthochschule Hamburg bei Klaus Wildenhahn und Gisela Tuchtenhagen. „Die beiden waren meine Offenbarung“, sagt sie, „mit ihrer Unmittelbarkeit und dem konzentrierten Hinsehen.“ Dort entstand auch 1995 das Porträt der costa-ricanischen Brecht-Regisseurin und Revolutionärin Virginia Grütter – Stärker als der Schmerz: „Mein Gesellenstück.“ Quinka Stoehr ist froh, dass es heute eine etablierte Filmförderung gibt und wie die Digitalisierung die Möglichkeiten des Filmemachens erweitert hat. Auch ihre Filme entstehen heute anders – „aber auf das Durchhaltevermögen damals, die Filme gegen alle Widerstände durchzuziehen, darauf bin ich immer noch stolz“.

Virginia Grütter, 14. November, 19 Uhr, Filmförde im Kulturforum. „Vergessen kann ich das nie“; 19. November, 18 Uhr, Stadtmuseum Warleberger Hof.

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