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Kultur „Kalte Füße“: Wildes Grimassieren
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20:00 08.01.2019
Gerangel: Raimund (Heiner Lauterbach, l.) und Denis (Emilio Sakraya). Quelle: Foto: Sony
Hannover

Die beste Rolle in Wolfgang Groos’ Komödie „Kalte Füße“ hat Heiner Lauterbach. Während die anderen Ensemblemitglieder sich an der Belebung dürftiger Dialogpassagen abmühen, braucht Lauterbach nur zu grunzen. Er verkörpert den Schlaganfallpatienten Raimund, dessen Sprechfähigkeiten stark beeinträchtigt sind. Vornehmlich schaut Lauterbach im Rollstuhl genervt vor sich hin. Das macht er prima. So viele Varianten gequälter Mimik hat man selten auf einem stilvoll zerfurchtem Gesicht bewundern dürfen.

Verwechslung: Ein Einbrecher wird für einen Krankenpfleger gehalten

Raimund kommt einen Tag früher als erwartet aus dem Krankenhaus und ist allein in seiner Waldvilla, die mit Jagdtrophäen aus besseren Zeiten geschmückt ist. In das vermeintlich unbewohnte Haus bricht der kleinkriminelle Denis (Emilio Sakraya) ein, um mit der Beute seine Schulden bei dem Gangsterboss Rene (Alex Czerwinski) abzubezahlen.

Der Schreck ist groß, als er über den zu Boden gestürzten Hausbesitzer stolpert. Zeit zum Weglaufen bleibt nicht, weil gleich darauf Enkelin Charlotte (Sonja Gerhardt) vor der Tür steht und den Einbrecher für den neuen Krankenpfleger hält. In seiner Not nimmt Rene die Rollenzuschreibung an.

Keine Überraschungen, keine komplexen Charaktere

Ungelenk versucht er sich an der Betreuung des Patienten, der seinerseits mit wilden Grimassen vergeblich versucht, das Missverständnis aufzudecken. Derweil zieht ein Schneesturm herauf, der eine Flucht unmöglich macht. Der Erzählraum ist gesichert für eine romantische Verwechslungskomödie, die ihre mehr oder zumeist weniger gelungenen Gags übereinanderstapelt und sich nicht mit unvorhersehbaren Plotwendungen oder komplexen Charakteren belasten will. Hier der Gangster mit Herz, dort die naive Polizeianwärterin – ein vermeintliches Gegensatzpaar, das vom ersten Zusammentreffen nach romantischer Verbändelung schreit.

Dass die angehende Kriminalistin eine halbe Ewigkeit für die Enttarnung des Pseudopflegers braucht, ist nur eine von vielen Unglaubwürdigkeiten. Die klischeehafte Einfältigkeit der Frauenfigur, die von der Attraktivität ihres männlichen Gegenübers geblendet ist, wirkt auch gemessen an niedrigsten Lustspielstandards aus der Zeit gefallen.

Die meisten Pointen bleiben unter dem Mindestniveau

Ihr gegenüber steht in der Rolle des coolen Herzensbrechers Emilio Sakraya („4 Blocks“), der offensichtlich die Nachfolge von Elias M’Barek antreten will und in einer klassischen Shirt-off-Szene seine Trainingserfolge vorzeigen darf. Abgesehen von einigen gelungenen Slapsticknummern bleiben die meisten Pointen unter dem komödiantischen Mindestniveau. Wenn Denis nachts aus dem Fenster pinkelt und sein Gemächt am Außenblech festfriert, wird der ohnehin magere Gag noch mit einer Großaufnahme auf das Corpus Delicti garniert.

Von Martin Schwickert / RND

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