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Kultur So war die Rigoletto-Aufführung
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16:48 03.10.2019
Rigoletto - eine Oper von Giuseppe Verdi in italienischer Sprache.  Quelle: Henrik Matzen
Flensburg

Der Narr Rigoletto – ein an Körper und Seele deformierter Loser, ein verhasster, zynischer Außenseiter inmitten einer widerwärtigen Spaßgesellschaft, dazu erfolgloser Beschützer einer naiven Tochter und letztlich tragisch-scheiternder Racheengel.

In der neuen Produktion von Giuseppe Verdis berühmter Erfolgsoper Rigoletto am Landestheater Flensburg gibt Regisseur Peter Grisebach keinen Raum für versöhnliche Traulichkeit oder humane Regungen.

Man benutzt einander

Diese ins Heute transferierte Amüsiergesellschaft rund um einen aalglatten Lüstling namens „Duca“ ist ausnahmslos zu keiner menschlichen Regung fähig – man benutzt einander, buckelt nach oben und tritt nach unten, Macht hat nur der, der über Geld verfügt und andere sich damit gefügig macht.

Unterhaltungschef Rigoletto hat es mit fiesen, gequält belachten Späßen auf Kosten anderer wohl zu weit getrieben, er wird selbst zum Objekt eines grausamen Gesellschafts­spiels, das ihn und seine von ihm vergeblich beschützte Tochter vernichten wird.

Landessinfoniker in erfreulicher Spiellaune

Grisebach verzichtete klug auf modische Gags, konzentriert sich auf eine differenzierte Charakterisierung seiner Akteure, die in einem zylinderartigen, wandlungsfähigen Aktionsraum (Ausstattung Michele Lorenzini) ihr grausames Spiel treiben. Ob Frührenaissance oder das Hier und Jetzt: die alte Geschichte von Victor Hugo passt tatsächlich bruchlos in jedes Zeitalter, also auch in unsere, auf flache Unterhaltung getrimmte Gegenwart. Diese gewissenlose Juxgesellschaft wird in Grisebachs indivi­dua­lisierter Personenführung zum höhnischen Mob, der sich am Schicksal des nun verzweifelten Rigoletto lustvoll weidet – Bernd Stepputtis hatte seine präzise gezeichneten, vital auftrumpfenden Choristen dafür bestens präpariert.

Und auch die Landessinfoniker präsentierten sich an diesem Abend in erfreulicher Spiellaune, was wohl auf das Konto ihres neuen Musikchefs Kimbo Ishii gehen dürfte, der sich mit unerbittlicher Ruhe und Souveränität als inspirierender Fels in der Brandung des Verdischen Musikdramas erwies.

So waren die Solisten

Die zwiespältige Rolle des „Duca“ zählt zu den tenoralen Glanzpartien, die neben Eleganz und erotischer Ausstrahlung auch virile Durchschlagkraft und Leidenschaft verlangt. Im koreanischen Gasttenor Chul-Hyun Kim erlebte man einen lässig-selbstsicheren Bonvivant, der mit metallisch timbrierter, bombensicher geführten Stimme durchgehend vokalen Glanz und passionierte Rattenfänger-Aura zu entfalten verstand.

Mordbube Sparafucile war beim Schweizer Roger Krebs und seinem erfurchtsgebietenden schwarzen Bass bestens aufgehoben, wie auch Eva Maria Summerer als sein liederliches Schwesterlein Maddalena eine stimmlich wie darstellerisch untadelige Schlüsselpartie im dramatischen Finalakt präsentierte.

Eindrucksvoll-knorrige Stimme 

Gilda, die Paraderolle für alle lyrischen Koloratursoprane, war für das langjährige Ensemblemitglied Amelia Müller endlich die Gelegenheit, ihr breites stimmliches und interpretatorisches Spektrum zwischen vokalem Virtuosentum und lyrischer Innigkeit in den Dienst wahrhaftiger Rollengestaltung zu stellen – ihre „hohes E“ nebst superb servierter Kadenzen hatte Klasse!

Kai-Moritz von Blankenburg als Rigoletto: der Spezialist für gebrochene Charaktere wußte diese Riesenrolle zu einem persönlichen Triumph zu gestalten, schöpfte die vokalen wie darstellerischen Möglichkeiten der komplexen Rolle des Antihelden mit seiner belastbaren, flexiblen Stimme zwischen gefährdeter Lyrik und sinistrer Dramatik virtuos aus. Dieser Singdarsteller wechselte mit seiner eindrucksvoll-knorrigen Stimme von düsterbrütenden Klangfarben unversehens zu rabiater Wut, innere Monologe gerieten ihm mitunter zu beängstigenden Seelendramen, der brutale Wechsel von Triumph zu vernichtendem Abgrund ging unter die Haut.

Einhelliger Schlußjubel: die Ära Peter Grisebach geht zwar ihrem Ende zu, eine neue, glanzvolle Zukunft des Landestheaters scheint aber gleichzeitig noch mit ihm begonnen zu haben.

(besuchte Aufführung; 02.10.2019)

Weitere Aufführungen:
Flensburg: 15., 19., 22., 25., 29.10.2019
Rendsburg: 31.10., 09., 24.11.2019
Itzehoe: 22.11.2019

Von Detlef Bielefeld

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