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Kultur Gelegentlich Gänsehautfeeling
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16:16 14.06.2018
Foto: Flensburgs GMD Peter Sommerer punktete mit kühnem Programmkonzept und kontrollierter Interpretation.
Flensburgs GMD Peter Sommerer punktete mit kühnem Programmkonzept und kontrollierter Interpretation. Quelle: Peter-Sommerer.com
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Flensburg

Dem Konzertmotto "Am Rande des Universum” entsprechend, bildeten die “Atmosphères” György Ligetis den erdenfern-flüsternden Konzert-Einstieg zwischen vibrierender Statik und drohendem Absturz, nahezu unmerklich übergleitend in Anton Bruckners gewaltige "Neunte Symphonie", die mit ihrer urnebel­haften Exposition die Klangvisionen Ligetis zunächst fortzusetzen schien. Dann aber markierte nach herrlicher Hornpassage ein Orchester­tutti im erschütternden Fortissimo die Ambivalenz dieses futuristischen, unvollendet gebliebenen Mammut­werkes.

Peter Sommerer ließ sein opulent besetztes Orchester­kollektiv in bemer­kenswert kontrol­lierter Präzision das kantige Auf und Ab zwischen Grübelei und drama­tischem Aufbegehren in klanggesättigter Kompakt­heit durchexerzieren, arbeitete die orgelverwandte Stufendynamik ebenso plastisch heraus wie er die häufigen Stillstände inklusive tastenden Neuanfängen mit immer neuen Spannungs­bögen versah.

Dem geisterhaft huschenden Scherzo mit seinen poltrig-burlesken Ausbrüchen hät­te zwar ein Mehr an gefährliche Brisanz gut getan, es erfüllte aber als ent­spannend gelockertes Intermezzo seine Pufferfunktion vor dem dräuenden Finalsatz. Dabei setzte man zunächst auf arg lärmende Feierlichkeit, die choralartige Episode der Hörner und Tuben ließ sich als Ausdruck von Lebens­sattheit deuten, bis sich schließlich Pathos wie Mattigkeit ins elysische Pianissimo-Nichts verflüch­tigten.

Von Detlef Bielefeld