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Kultur Engagement für den Konzertsaal wächst
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10:09 31.05.2019
Sponsorenveranstaltung mit zahlenden Gästen für die Sanierung des Kieler Konzertsaals am Schloss mit Ständchen der philharmonischen Hörnergruppe. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Erschütternd“ ist das Wort, das Thomas Kersig als erste Reaktion über die Lippen kommt. Der Immobilienfachmann hat gerade, geführt von Kiels zukünftigem Generalmusikdirektor Benjamin Reiners, einen Rundgang im Hinterbühnenbereich jenes Saales hinter sich, dem die Menschen in Veranstaltungen schon auf der Schauseite ansehen, dass er dringend renovierungsbedürftig ist. In den engen Katakomben, wo die Landeshauptstadt Stars und Dirigenten, Comedians und Schauspielgrößen vor ihren Auftritten unterbringt, wo sich Orchestermusiker aus Schleswig-Holstein und Hamburg, aber auch aus aller Welt drängeln, wo ihre Umkleidekabinen nach Kloake stinken oder getrennt nur durch einen Kellerdrahtverhau in staubige Lagerräume übergehen, da wird Handlungsbedarf evident.

Führung durch den Hinterbühnenbereich

Weder die seit mehr als einem Jahrzehnt diesbezüglich treibende Kraft, GMD Georg Fritzsch noch sein Nachfolger Reiners oder andere Gruppenleiter wie SHMF-Intendant Christian Kuhnt tun hier so, als ob Hinterbühnenbereiche woanders (außer vielleicht ansatzweise in der Elbphilharmonie ...) reine Wellness-Oasen seien. Aber sie müssen vor dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Klaus-Hinrich Vater, vor Laurence Prey vom Aufzugsunternehmen, vor Zeitungsverleger Christian Heinrich, vor Marten Freund vom Schlemmermarkt, vor Peter Gosch von Elektrotechnik Gosch & Schlüter, vor Martin Skaruppe von der Förde Sparkasse oder Manager Carl Hermann Schleifer auch gar nicht mehr viele Worte machen, dass hier die Grenze des guten Geschmacks doch deutlich unterschritten ist. Besonders eindrucksvoll: Die museumsreifen riesigen historischen Turbinen und Schaltschränke, deren unzeitgemäßes Lüftungsmanagement Ausführende und Konzertbesucher schon manchen Tropfen Schweiß gekostet hat.

Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss lockt

Der Förderverein Konzertsaal am Kieler Schloss hatte am Mittwochabend 100 Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Kultur mit psychologischem Geschick zu einem Wechselbad der Gefühle gelockt. Hier die Schrecken des Sanierungsstaus, dort ein Wohlfühl-Dinner an ungewöhnlichem Ort: direkt auf der Konzertsaal-Bühne, schick arrangiert, auf Gourmet-Stufe bekocht vom Team Jochen Strehler und beflügelt von Weinen der Firma Jörgen Petersen, überall musikalisch umrahmt von fröhlichen Beiträgen der Kieler Philharmoniker. 

Private Spende einer Familie: 250.000 Euro

Es tut sich etwas. Nicht nur ist das Areal wieder von privater in die öffentliche Hand übergegangen, auch hat die neue Eigentümerin Stadt Kiel das Land Schleswig-Holstein für die Investitionen an ihrer Seite. Vor allem aber verzeichnet Fritzsch nach dem spektakulären Einstieg der Förde Sparkasse mit dem so wichtigen Grundstock von einer Million Euro „gerührt“ das mehr als stattliche bürgerschaftliche Engagement einer Familie, die nicht genannt sein möchte – mit 250.000 Euro. Viele weitere hätten auch schon gespendet. Mit organisatorischer Unterstützung der Musikfreunde Kiel haben Fritzsch und seine Philharmoniker beim Benefizkonzert in der Elbphilharmonie knapp 150.000 Euro für die Verbesserung der Akustik auf der Bühne eingespielt. Der sächsische Dirigent, der schon seit 2006 dicke norddeutsche Bretter bohrt, weiß aber auch: „Wir brauchen mehr. Aber ich kenne das schon. Die Kieler wundern sich manchmal über sich selber, was plötzlich geht.“ Andere Kommunen würden es sichtlich auch schaffen, sinnvoll zu investieren. Man brauche sich nur umzuschauen.

Bis zu vier Millionen als Ziel des Vereins

Auf „bis zu“ vier Millionen Euro privates Geld will es der Förderverein bringen. Hendrik Murmann, Vorsitzender des Fördervereins, hob die schlummernden Potenziale des Hauses in Toplage hervor und verzeichnete zuversichtlich bereits mehr als anderthalb Millionen Euro, die bereits gesammelt worden seien. „Wenn Sie bedenken, dass wir gerade erst starten, ist das vielversprechend. Wir hoffen, Sie alle setzen sich als Multiplikatoren ein und denken groß.“

Zentrale Rolle von GMD Georg Fritzsch

Murmann und Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer würdigten die zentrale Rolle Fritzschs, ohne dessen „meist freundliche Hartnäckigkeit“ sich nichts Entscheidendes bewegt hätte. „Und das auch noch in einer Phase, wo schon klar war, dass er selber in seiner Amtszeit nicht mehr von einer Sanierung profitieren würde“, so Kämpfer weiter. Benjamin Reiners betonte „Ansporn und Ehre“ als GMD und Vorstandsmitglied in seine Fußstapfen treten zu dürfen und lud Fritzsch ein, „wenn sie in meine Amtszeit fällt ...“, die Wiedereröffnung des renovierten Hauses gemeinsam mit ihm zu dirigieren.

Oberbürgermeister würdigt Rolle als "Stadthalle"

Oberbürgermeister Kämpfer betonte noch einmal die Bedeutung nicht nur als denkmalgeschützter Konzertsaal, von dem es in Stilreinheit der Sechziger Jahre überhaupt nur zwei in der Bundesrepublik gebe, sondern auch als Stadthalle für Empfänge, Bälle etcetera.

Mit dem Stil der Sechziger Jahre

Wie das dann im besten Fall aussehen könnte, erläuterte einmal mehr der Architekt Björn Bergfeld vom Büro bbp: zurückgeführt auf die freiräumige Leichtigkeit der Foyers mit freischwebender Treppe, geöffnet zumindest im Fördefoyer zum Wasser, mit beweglichen Schallsegeln zur Verbesserung der Akustik für die Musiker auf der Bühne, vielleicht auch mutig ergänzt durch architektonische Details der aktuellen Moderne.

Infos zum Spenden

Rundgang im Kieler Schloss und Wohlfühl-Dinner auf der Bühne des Konzertsaales am Kieler Schloss.

Von Christian Strehk

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