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Kultur Frank Castorfs Antikriegsoper
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11:29 10.09.2019
Von Jürgen Gahre
Kriegsszenarien in vielen fiesen Varianten. Quelle: Thomas Aurin
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Berlin

Auf die Frage, ob er denn mit dieser Oper etwas anfangen könne, antwortet er reichlich kryptisch: „Ich bin ja ein Querulant. Wenn jemand schwarz sagt, muss ich es weiß haben – immer das Gegenteil. Es ist ganz spannend, dass man das, was man erst nicht mag, verstehen lernt, dass man erkennt, dass daran etwas Besonderes ist.“

Castorfs Zugang zur Macht des Schicksals

   Castorf scheint jetzt an der Deutschen Oper seinen sehr speziellen Zugang zur „Forza del destino“ gefunden zu haben und setzt seine Ideen und Assoziationen in Bilder um, die das Premierenpublikum allerdings als verstörend empfunden hat. Gleich zu Beginn der Oper erfahren wir beispielsweise, was er mit dem autoritär auftretenden  Marchese von Calatrava, Leonoras Vater, assoziiert: „Franco, Mussolini und Hitler“! Entsprechend ist die Bühne mit Hakenkreuz und den Fahnen der jeweiligen Länder dekoriert.

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"Viva la guerra!" mit Verdi

   In Verdis Oper, über die er einerseits sagt, sie sei „komponiertes Vögeln“, sieht er andererseits die Möglichkeit, seine Gedanken über die Sinnlosigkeit des Krieges zu konkretisieren. Dem Publikum traut er nicht zu, das „Viva la guerra!“ der Preziosilla zu hinterfragen. Also zieht er alle Register, um die Grausamkeit des Krieges zu zeigen: Während Don Carlo und Don Alvaro ihr berühmtes Freundschaftsduett anstimmen, sehen wir in Großaufnahme (Video-Design und Live Kamera: Andreas Deinert) blutüberströmte, dem Wahnsinn nahe Verwundete, deren Leiden unerträglich sind. 

Ein Bild furchtbarer als das andere

Da ein Bild furchtbarer ist als das andere, wird die belcantistische Musik in ihrer Schönheit natürlich kaum noch wahrgenommen – was ja wohl Absicht des Regisseurs ist. Die Szene spielt in dem von den Amerikanern befreiten Italien gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Um seine „Botschaft“ zu verdeutlichen, unterbricht Castorf die Oper immer wieder mit allerlei auf eine Leinwand projizierte Zitaten und kleinen gespielten Sprechszenen, mal von Heiner Müller, mal von Bartolomé Las Casas und anderen.

Heftige Publikumsreaktionen

Dem Publikum riss endgültig die Geduld, als eine Frau und ein Mann einen Dialog in breitem Amerikanisch aus Curzio Malapartes „Die Haut“ aufführen wollten. Die Empörung war heftig und dauerte etwa zehn Minuten. Zwischenrufe wie Pfui und Aufhören! machten die Runde. Man sei hier in der Hauptstadt und nicht in der Schmierenkomödie einer Provinzstadt, man wolle endlich wieder Verdi hören, wurde immer wieder gerufen.

Leonora im Luftschutzkeller

   Es ging dann auch weiter, mit einer Leonora in einem Luftschutzkeller, wo sie ihren Geliebten ein letztes Mal in die Arme schließen kann, bevor sie heimtückisch von ihrem kettenrauchenden Bruder erdolcht wird. Wenn dann während ihrer letzten Atemzüge die Musik in himmlischem Pianissimo ausklingt, hat sie die Vision von Gelben Taxis in New York – für die Menschen der 40er Jahre das Symbol für Freiheit und die Möglichkeit der Selbstentfaltung.

Musikalisch gelungen

   Musikalisch war der Abend durchaus gelungen. María José Siri ist eine verlässliche Leonora, auch wenn ihr Tremolo so manches Mal stört. Markus Brück als Don Carlo gibt sich als unnachgiebiger Rächer und nutzt jede Gelegenheit, mit seinem geschmeidigen Bariton betont viril aufzutrumpfen. Star des Abends aber war Russell Thomas als Don Alvaro. Seinem biegsamen, ungemein schönen Tenor kann er eine weite Ausdruckspalette abverlangen. Sehr stark besetzt sind auch Preziosilla (Agunda Kulaeva) und Fra Melitone (Misha Kiria). Jordi Bernàcer und das Orchester der Deutschen Oper Berlin sind um den rechten Verdi-Ton bemüht, was ihnen trotz der Inszenierung auch (meistens) gelingt.

Die Daten der Aufführungsserie

www.deutscheoperberlin.de

Weitere Aufführungen: 14./18./21./24./28. September 2019 und 17./20./ 26. Juni 2020

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