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Kultur Kabarett mit Coversongs
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21:46 10.02.2020
Von Kai-Peter Boysen
Aberwitziger Analytiker und Querdenker: Frank Lüdecke im Metro-Kino. Quelle: KAI-PETER BOYSEN
Kiel.

Das Metro Kino ist an diesem stürmischen Abend nur zu etwa einem Drittel gefüllt, ob es an Lüdeckes „Freundin“ Sabine liegt, die ihm geraten habe, mit dem Auto statt dem Zug nach Kiel zu fahren, ist nur eine Vermutung. An Lüdeckes Qualität liegt es sicher nicht, sonst stünde er nicht, regelmäßige TV-Präsenz inbegriffen, seit 30 Jahren auf der Bühne. Dennoch ist sein Bekanntheitsgrad noch ausbaufähig, wie die kürzliche Ansprache durch einen Passanten („Ich kenn‘ Sie! Warten Sie, nich‘ sagen, nich‘ sagen! – Haben Sie nicht unser Dach gedeckt?“) beweist. Zur AFD-gestützten Wahl in Thüringen äußert er sich kurz („Inzwischen finde ich noch viel schlimmer, dass die FDP davon ausgegangen ist, mit 5,2 Prozent hätte sie irgendeinen Wählerauftrag erhalten“), dann widmet er sich gesellschaftlichen Konzeptionen, dem Thema Bildung und gesellschaftlichen Visionen.

Einsatz mit absurden Auswüchsen

Gesellschaften seien so komplex mittlerweile, klagt Lüdecke, früher habe man als Lösung für die Sinnsuche die Religion gehabt und „natürlich kann man auf Gott vertrauen, aber auf glatter Strecke hat sich nun mal ABS durchgesetzt“. Jeder solle sich für die Gesellschaft einsetzen, aber das führe auch zu absurden Auswüchsen wie dem Schild mit der Aufschrift „Geschwister sind Klimakiller!“ bei einer „Fridays For Future“- Demo.

„Der Kapitalismus brummt, aber die Demokratie hat Probleme“, hat der Mann im grauen Zwirn erkannt. „Wir können die Meinungen und Entscheidungen von anderen zunehmend weniger akzeptieren. Und weshalb? Weil die anderen so dusselig sind“, bringt es der 58-Jährige auf den satirischen Punkt. Oder liegt es vielleicht an der Qualifikation des Bundestagspersonals? Hier führt er Anja Karliczek an: „Nein, das ist keine tschechische Tennisspielerin, sondern die Ministerin für Bildung und Forschung.“ Vor allem aber ist sie gelernte Hotelfachfrau, da könne man doch gleich die Politiker auslosen, meint Lüdecke.

Die Schule in der Kreidezeit

Handlungsbedarf sieht der Kabarettprofi beim Thema Bildung; in die Schulen müsse wieder „mehr Zug rein“, geeignete Mittel seien „Kameraüberwachung und Urinproben“. Die Schule sei „noch in der Kreidezeit“, aber „viele deutsche Schüler würden ihre Aufgaben viel lieber auf dem Tablet ... nicht verstehen.“ Beim Blick in die Zukunft hegt Lüdecke Bedenken gegen ein einheitliches Grundeinkommen („Es gibt doch schon den Kombilohn: Hartz IV plus Schwarzarbeit“) und er glaube auch nicht, dass „junge Menschen, die konditioniert sind, im Elektronikmarkt nach Schnäppchen zu suchen“ mit mehr Geld etwas anderes täten.

Serviert mit spitzbübischem Lächeln

Das Lüdeckesche Spektrum ist breit, vom Kalauer über zitatgestützte und genussvoll satirisch ausgewalzte Thesen bis zu umgetexteten Coversongs über Politiker, die zukünftige Weltlage oder Berlin; alles serviert mit spitzbübischem Lächeln und erstklassig kabarettistisch aufbereitet.

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