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Kultur „Frau ohne Schatten" mit starken Stimmen
Nachrichten Kultur „Frau ohne Schatten" mit starken Stimmen
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19:34 10.03.2019
Von Michael Struck
Sie meistern furchtlos Strauss’ Hochleistungspartien: (v. li.) Agnieszka Hauzer (Die Kaiserin), Rebecca Nash (Die Färberin) und Irmgard Vilsmaier (Die Amme). Quelle: Olaf Struck
Kiel

In Hugo von Hofmannsthals und Richard Strauss‘ "Frau ohne Schatten" geht es um Selbstüberwindung des Menschen, dargestellt an zwei sozial sehr unterschiedlichen Paaren. Doch jene Selbstüberwindung wird festgemacht an der weiblichen Gebärfähigkeit und -willigkeit: Die Kaiserin kann nicht, weil sie wegen ihrer Herkunft aus der Geisterwelt "keinen Schatten wirft"; die Färbersfrau will nicht. Das kann man ethisch-philosophisch veredeln. Doch die Oper sticht in ältere und neue Wespennester gesellschaftlicher Diskussionen über die "Rolle der Frau".

Ironie und Menschlichkeits-Diät

Brigitte Fassbaender setzt auf das humane Potential der drei starken Frauengestalten und stellt das Anfechtbare spielerisch-entschlackend in Frage. Sie verordnet der ins frühe 20. Jahrhundert verlegten Handlung Menschlichkeits-Diät und arbeitet mit entlastenden ironischen Aktionskommentaren. Bühne (Helfried Lauckner), Kostüme (Julia Scheeler), Lichtgestaltung (Martin Witzel) und Video (Julian Jetter, Frank Scheewe) tragen und verstärken das Regiekonzept eindringlich.

Musikdramatischer Sog

Es gibt also genügend Stacheln im Fleisch der "Frau ohne Schatten". Dennoch gerät man bei der Aufführung in einen musikdramatischen Sog. Die Kieler Philharmoniker halten die höchst anspruchsvolle Partitur imponierend flexibel und genau durch. Fritzsch vermittelt bezwingend kammermusikalische Intimität, dramatische Geste und Klangrausch. Dass man gegen Ende des 3. Aktes an weihevollem C-Dur-Diabetes zu erkranken droht, ist nicht ihnen anzukreiden.

Starke Frauenstimmen

Starke Sängerinnen hat die neue Kieler "Frau ohne Schatten" mit Agnieszka Hauszer als stimmlich-darstellerisch anrührend agiler Kaiserin, Irmgard Vilsmaier als willensstarker, weniger dämonischer als getriebener Amme und Rebecca Nash als frustrierter, emotional explodierender Färberin. Als Färber Barak (mehr Büromensch als Handwerker) macht Thomas Hall in der Mischung aus Stimmpräsenz und Darstellungsdistanz glaubhaft, warum seine allzu stoische Geduld die Frau zur Weißglut treibt. Auch die übrigen Rollen sind hochkarätig besetzt. Stimmlich intensiv erklingen aus dem Off der Kieler Opern-, Kinder- und Jugendchor (Einstudierung Lam Tran Dinh, Moritz Caffier und Nina Baudhuin).

Fazit: Eine unbedingt besuchenswerte Aufführung eines großen, ambivalenten Werkes!

Nächste Aufführung: 23. März, 18 Uhr, Opernhaus Kiel, Karten: Tel. 0431/901901

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