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Kultur In aller Freundschaft und Leidenschaft
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20:46 26.07.2019
Von Michael Struck
Janine Jansen (Violine) mit drei Streicher-Freunden im Kuhhaus (v.li.): Gregory Ahss (2. Violine), Amihai Grosz (Bratsche), Jens Peter Maintz (Violoncello). Quelle: Axel Nickolaus
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Altenhof.

Musizieren unter Freunden: Auch die erste Geige trumpft nicht als Primadonna auf. Teamgeist und individuelle künstlerische Qualität prägen das Spiel des insgesamt sechsköpfigen, jeweils zu viert oder fünft aktiven Ensembles. Dabei sind Janine Jansen als erste Geigerin und Bratschist Amihai Grosz an allen drei Werken beteiligt, während die übrigen Musizierfreunde – Geiger Gregory Ahss, die beiden Cellisten Daniel Blendulf (nicht nur Freund, sondern auch Ehemann Janine Jansens) und Jens Peter Maintz sowie Pianist Denis Kozhukhin – je ein oder zweimal mit von der Partie sind. Trotz wechselnder Gruppierungen bleibt die Spieltemperatur konstant hoch.

Mit Schulhoff auf Entdeckungsreise

Mit Freunden geht man auf Entdeckungsreise: Der Abend beginnt mit Erwin Schulhoffs 1923 entstandenen Fünf Stücken für Streichquartett. Kehrte Schulhoffs Musik im späten 20. Jahrhundert zunächst unter dem Zeichen der von den Nazis verfemten Kunst ins Musikleben zurück, so haben gerade seine Werke der 1920er Jahre ihren Platz im Repertoire wiedererlangt. Wirkungsvoll sind die Fünf Stücke allemal: freitonal-dissonanzfreudig, voll robuster motorischer Energie und tänzerischen Schwungs, mit Sinn für apart verfremdete Klänge.

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Da ist es nicht weit bis zu Hindemith oder Bartók, und gegenüber den weit jüngeren Tangos eines Astor Piazzolla wirkt Schulhoffs Alla Tango milonga keineswegs „alt“. Mit Spielwitz und Vitalität gehen Jansen, Ahss, Grosz und Maintz gleich überzeugend zur Sache.

Mit jugendlich-wertherischer Hitze

Gemeinsam mit Freunden leidet und freut es sich intensiver. Erst mit 42 Jahren veröffentlichte Brahms sein 3. Klavierquartett. Dass dessen Wurzeln weit zurückreichen und unter meisterlich kontrollierter Form viel jugendlich-wertherische Hitze brodelt, stellen „Janine Jansen & Friends“ eindringlich klar, ohne sich die Finger zu verbrennen. Cellist Blendulf bringt einen eher schlank-zielstrebigen als sinnlich schillernden Ton ein (wie ihn später Maintz bei Dvorak wählt). Denis Koshukhin am geöffneten Flügel ist ein bemerkenswerter Kammermusiker, der genau weiß, wieviel Volumen er entfalten darf, welche eindringlich, doch nicht aufdringlich leuchtende Nebenstimmen er den Streichern entgegensetzen kann, ohne sie zu übertönen.

Dvorak mit Gespür für Zwischentöne

Unter Freunden riskiert man was. Und so kostet das Freundes-Ensemble die Anfangstakte von Brahms’ eröffnendem Allegro non troppo allzu adagiosüchtig aus, ehe die Musik richtig in Gang kommt – und bleibt. Wieder mit Maintz am Cello springt man schließlich („Fünf Freunde müsst ihr sein“) trotz höchstsommerlicher Temperaturen energiegeladen, musikantisch und mit Gespür für Zwischentöne in Dvoraks großangelegtes Klavierquintett. Das sorgt für einhelligen Schlussjubel und gewinnt Janine Jansen und ihren Musizier-Freunden sicherlich neue Hör-Freunde hinzu.

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