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Kultur Ganz heiß auf „Eiskalt“
Nachrichten Kultur Ganz heiß auf „Eiskalt“
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19:07 17.07.2009
Kiel

Das Casting-Chaos in der kleinen Lagerhalle beherrscht Michael Damm. Die Sonnenbrille lässig in den Schopf geschoben wieselt der 48-jährige Agent aus Hamburg zwischen den Biertischgarnituren herum, spricht mit Bewerbern und verteilt Rollen, schickt sie zum Fotografen, der sie mit einer Nummer ablichtet. Immer wieder drängen Leute von draußen mit entschlossenem Sommerschlussverkauf-Tunnelblick nach, Damm stoppt sie: „Alle, die einen Platz haben, hinsetzen, der Rest wieder raus!“ Grund zum Konkurrenzkampf ist kurz nach Beginn des Castings noch nicht gegeben, werden doch rund 400 Komparsen gesucht - für Statistenrollen wie „Kieler feine Gesellschaft“, Strandbesucher, Polizisten und Autofahrer.

Eiskalt soll ein Mix aus Zeichentrick und Realfilm werden. Über den genauen Inhalt hält sich Damm bedeckt, verrät nur so viel: „Eine unserer Hauptszenen dreht sich um eine Neuauflage des Rennens mit dem Red Porsche Killer. Werner wurde für tot erklärt, obwohl nur scheintot, und das Rennen wird in Gedenken an ihn veranstaltet.“ Das Rennen - „der größte Knaller seit Ben Huä!!!“ (Werner) - zwischen Holgis Porsche und Werners selbst gebautem Motorrad mit vier Horex-Motoren wurde 1988 auf dem Flugplatz Hartenholm live umgesetzt. Er sei damals dabei gewesen, erzählt Holger Hartz und zeigt auf den verblassten Red-Porsche-Killer-Aufnäher auf seiner Lederjacke. Der Kieler wurde von Damm als „Zuschauer“ eingeteilt, vielleicht kommt aber auch sein „Moped“, eine Moto Guzzi Quota, zum Einsatz. „Ich bin ein großer Werner-Fan“, sagt Hartz, „und aus reinem Fan-Enthusiasmus war ich auch mal auf Korsika, wie Werner.“

Eine Korsika-Szene soll auch in Kiel gedreht werden, Mareike Röpstorff eine „Französin am Strand“ spielen. Die 16-jährige Schülerin hat im Club 68, der Kieler Werner-Kneipe, vom Casting gehört: „Ich find' Werner sowieso gut und es witzig, mal im Film reinzuschnuppern.“ Für Imke Büchel nichts Neues, die Schauspielerin begleitet ihren Freund Hartmut Ross beim Casting. „Wir spielen Kieler feine Gesellschaft“, sagt Büchel lachend, „hoffentlich gibt's dann echten Champagner.“ Und Ross, der in Zürich lebt, meint: „Ich bin nur wegen Bölkstoff hoch gekommen, das gibt's bei uns nicht.“ Die sind engagiert, vorm Zöllnertor macht man sich noch Hoffnungen. Bernhard Scholz etwa, der sich hinter seinem Franklin-Oldtimer eine Dose Würstchen aufgemacht hat, auf seinem Grammofon dudelt eine wellige Jazz-Platte. Für ihn und die anderen Oldtimerfahrer des Veteranen Clubs Holstein ist das Casting eher Anlass, sich zu zeigen. Harald Bauer, der Fahrer des Topolinos, will es trotzdem versuchen: „Ich würde auch Sänger spielen, obwohl ich nicht singen kann.“

Die Besetzung der Hauptrollen ist dagegen so selbstverständlich wie Meister Röhrichs Zigarrenstummel: Andy Feldmann als Andi, Holger Henze als Holgi und Röttger „Brösel“ Feldmann ist Werner. Lilo Wanders spielt die Rolle Margit. 2010 kommt der Constantin Film in der Produktion von Herman Weigel und Oliver Berben in die Kinos, der Animationsteil entsteht in München. Bis zum 4. August werden die Realszenen in Schleswig-Holstein abgedreht - mit Hunderten Kieler Komparsen. Was Werner dazu sagen würde? „Jo, Kiel muss kesseln!!!“

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