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Kultur Verrückt nach bayrischem Blues
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20:15 12.12.2016
Von Beate Jänicke
Georg Ringsgwandl selbst spielt die Akustikgitarre, ihm zur Seite steht hier der virtuose Gitarrist Daniel Stelter. Quelle: bos: Björn Schaller
Kiel

Es ist ein bisschen so, als würde ein Songwriter wie vielleicht Tom Waits plötzlich auf Bayrisch singen. Nur dass man einen wie Georg Ringsgwandl natürlich nicht durch einen anderen zu erklären braucht. Der Mann ist ja selbst Typ genug. Und er hat sich mit Ende 60 und einem neuen Album mit dem Titel Woanders gerade noch einmal neu erfunden. Wobei einer der Songs darauf, Sitz di her, schon 1973 in seiner Kieler Studienzeit entstand, als er im Knooper Weg neben einem Pudelsalon hauste. Das Fach Musikkabarett, das ihm oft zugewiesen wird, passt nicht wirklich zu ihm. Vielmehr ist er ein wahrer Song- und Geschichtenschreiber – mitunter auch Poet. Mit reichhaltigster, oft absurder, auch mal schwarzhumoriger Fantasie. Der seine Geschichten dem Leben ablauscht und „feinstofflich in die Texte aufnimmt und nach hinten wieder rausdampft“.

 Das Rockige, Überdrehte der frühen Jahre mit vogelwildem Schminkgesicht und Opernstimme ist zurückgetreten zugunsten eines geerdeten, oft melancholisch gefärbten, dennoch kraftvollen Songwriter-Blues, der ihm ganz fabelhaft steht. Wenn er etwa zärtlich beschwört, im nächsten Leben als „Koda (Kater)“ wiedergeboren werden zu wollen. Einer, der es sich gutgehen lässt, aber kein Problem mehr mit den Damen kennt, denn „i bin schon lang kastriert“. Oder wenn er von einer namenlosen Frau singt, der es „hinten, ganz hinten in der Oberpfalz“ zu eng geworden ist, und die darum weg will. Die bayrische Mundart passt dazu wunderbar, wenn er sie sagen lässt: „Ihr macht doch nur, wos ihr soiet’s, warum net, was ihr woit’s?“ Dann schleift die Sprache das exakte Hochdeutsch weicher und wahrer.

 Die Band an seiner Seite ist nicht weniger als ein Geschenk. Ringsgwandl selbst spielt die Akustikgitarre oder auch mal – ganz zart – die Zither. Ihm zur Seite stehen der virtuose Gitarrist und Mandolinist Daniel Stelter, der mit seinen schwebenden Soli geradezu in Trance versetzen kann. Daneben zupft und streichelt Christian Diener seinen Kontrabass, und Drummer Tommy Baldu bearbeitet Felle und Becken von sanft bis wild. Besonders schön im schwer schleppenden, untergründig brodelnden „Krattla von Minga“. Zwischen die Songs des neuen Albums und ein paar älteren (Hühnerarsch, sei wachsam) streut Ringsgwandl seine aberwitzigen Storys. Wie viel davon wahr ist, was erfunden, wie viel vorher ausgedacht, was im Moment ersonnen – schwer zu sagen und auch egal. Dass er aus einer Familie stammt, die „seit 1470 das Verrücktheits-Gen, aber unterhalb der gesetzlichen Erfassungsgrenze“ in sich trägt, glaubt man ihm sofort. Und wünschte, es gäbe viel mehr davon.

Auf der Bühne ragen Felsklippen wie Drachenzähne, Nebel steigen, klagend sirrt das Theremin und hinterm Glitzervorhang macht sich eine illustre Band bereit – Vorhang auf für Nosferatu am Landestheater Rendsburg.

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