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Kultur Axel Prahl: Klare Kontur, große Vielfalt
Nachrichten Kultur Axel Prahl: Klare Kontur, große Vielfalt
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10:21 23.06.2019
Von Thomas Richter
Konzert auf der Krusenkoppel mit Axel Prahl. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

"Gewaltig leise" auf der Krusenkoppel mit dem Schauspieler und Musiker Axel Prahl.

Der erste Eindruck

Die Stimmung war prächtig, die Vorfreude groß auf den Mann, der als Hauptkommissar Thiel an der Seite von Kollege Jan Josef Liefers den Münsteraner "Tatort" zu immer neuen Traumquoten katapultiert,  dessen musikalisches Werk bisher aber eher nur mit einem Bein im Rampenlicht steht. Zu Unrecht, wie der stilistisch vielgestaltige und von Prahl mit viel Dampf unter der Haube vorgetragene Abend nachdrücklich unter Beweis stellte.

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Das Programm

Sieben Jahre hat sich der in Eutin geborene Künstler Zeit gelassen um seinem bemerkenswerten  Debüt-Album „Blick aufs Mehr“ einen Nachfolger hinterher zu schicken. Der trägt den passenden wie schlichten Titel „Mehr“ und auch hier ist der Name in seiner maritimen Doppeldeutigkeit über weite Strecken Programm.  Gute zwei Stunden lang präsentierte Prahl mit seiner kehlig-rauen, Wind und Wetter gegerbten Stimme eine abwechslungsreiche Mischung aus beiden Platten.

Die umfasste natürlich Lieder von der Waterkant wie die bittersüße Ballade „Der Kapitän“, das aufbrausende „Reise, Reise “ das zungenbrechend-kabbelige  „Wilde Welle“, das kernig groovende „Blick aufs Mehr“ oder das mit viel Pathos zur Schau gestellte Drama „Da brennt ein Boot“. Daneben befanden sich aber auch das tiefgründige Liebes-Chanson „Zu laut gelacht“, die moderne, satt rockende Moritat „Herr Neugier und Madame Moral“, die bissige Medienkritik „Erbarme Dich unser“, der feurige Tango „Besinn Dich“, das funkige „bla bla bla“, „das an Bruce Springsteen erinnernde „Weitergehn“ und die Reggae-Zugabe „Lass uns flieh'n“ auf der umfangreichen Setlist.    

Alle Songs stammen aus der Feder von Axel Prahl und wurden von seinem Produzenten und Freund  Danny Dziuk arrangiert und auskomponiert. Nicht zu unterschätzen ist dabei die immense Qualität des neunköpfigen Inselorchesters, die den Songs sowohl auf Platte als auch live große Strahlkraft, etwas wohl abgeschmeckte Exotik, ordentlich Funk-Rock und trotz der Vielfalt klare Konturen verleiht.

Das Publikum

Schunkelte schon beim Opener ordentlich mit und ließ die Arena beim finalen Kracher „Liebe hat mir den Tisch gedeckt“, in einem Lichtermeer aus Handy-Leuchten erstrahlen. Viel trauten sich jetzt das, was ein kleines Kind und sein Vater schon bei der politisch grimmigen, aber musikalisch ausgesprochen munteren „polonaise internacional“ vormachten: ein anständiges Tänzchen vor der Bühne. Von allen ernten Prahl und sein Orchester schließlich stehende Ovationen.

Fazit

Der Musiker Axel Prahl stahl dem Schauspieler an diesem Abend die Show. Seine Songs  jenseits des Liedermacher-Mainstreams sind urwüchsig, ehrlich und entwickeln durch die sauber ausbuchstabierten Arrangements eine ganz besondere Farbe.

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