Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kultur Gewollte Hausbesetzung oder: Die Bühne gehört allen
Nachrichten Kultur Gewollte Hausbesetzung oder: Die Bühne gehört allen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:12 04.09.2009
Hamburg

Rund 250 Bürger interpretierten jeweils 150 Sekunden lang den wohl berühmtesten Monolog der Theatergeschichte auf der Bühne: „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“. Insgesamt traten über vier Stunden lang rund 80 Gruppen und Einzelpersonen auf - die Bandbreite reichte von Schulklassen über Rentner bis zu Rollstuhlfahrern, die Sprachen von Plattdeutsch bis Afrikaans. Am Ende gab es vom Publikum viel zustimmenden Beifall für das gewagte Experiment.

„Wir wollen zeigen, wem gehört die Bühne: den Bürgern der Stadt. Deshalb öffnen wir das Theater für diejenigen, denen es gehört, beziehungsweise lassen wir eine freiwillige Hausbesetzung zu“, sagte Lux zu Beginn. Die Idee zu dem Projekt stammt vom neuen Hausregisseur Luk Perceval. „Ich sehe die Gefahr, dass das Theater ein Veranstaltungsort für eine bestimmte informierte, kultivierte Kaste wird“, hatte der Belgier im Vorfeld verkündet. Er sei sich sicher, dass „Leute ins Theater kommen, die sonst nie kommen“ - und sollte mit dieser Einschätzung recht behalten.

Doch zu Beginn mussten der Intendant und sein neuer Hausregisseur selber auf die Bühne und Shakespeare zitieren - auf Deutsch und Flämisch, versteht sich. Während Lux etwas monoton die berühmten Verse vortrug, hatte Perceval mit kurzen Zusammenfassungen die Lacher auf seiner Seite - „von nix kommt nix“ lautete sein Fazit. „Wir finden die Idee hervorragend, weil sie mehr Bürgerbeteiligung bedeutet“, meinte Claus Heinrich Bill, Mitglied eines Studenten-Theaters aus Kiel, die sich für ihren Auftritt unter das Publikum mischte. „Wir wollten das Motto noch einmal umdrehen und die Zuschauer mit einbeziehen“, erklärte sein Mitstreiter Tim Albrecht.

Die Qualität der Beiträge variierte stark, der Fantasie war auf jeden Fall keine Grenzen gesetzt - ob Hamlet als zersägte Jungfrau oder Putzfrau mit Einkaufswagen: Am Ende gab es 80 eigenwillige Interpretationen des berühmten Monologs. Sogar die aktuelle Politik der Hansestadt schaffte es mit der Gänge-Viertel-Initiative auf die Bühne. Unter dem Motto „Wir wollen die Stadt gestalten“ forderten sie, die leer stehenden Häuser in der Innenstadt künstlerisch nutzen zu dürfen - das dürfte ganz im Sinne der Theatermacher gewesen sein.

dpa

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kultur Paul O'Brian kommt mit dem Uli Kringler Trio ins KulturForum - Eine Doppelidentität als roter Faden

Die Geschichte holt einen immer ein. Auch Paul O'Brian, der mit 38 Jahren seine Heimat England verließ, um in British Columbia als Lehrer einen Neuanfang zu wagen. Das ging einige Zeit gut. Bis die Folk-Szene der nord-west-pazifischen Region Kanadas auf ihn aufmerksam wurde.

04.09.2009
Kultur The Fuck Hornisschen Orchestra verwebt originell Comedy, Lyrik und Musik - Schrägen Weges zurück zur Natur

„Schwierige Fragen, Meister!“ Christian Meyer, eine Hälfte des vermutlich kleinsten Orchesters der Welt, gerät während des Interviews ins Schwitzen.

04.09.2009

Einmal klingen wie Slayer, Rammstein oder Sick Of It All: ein Traum vieler Musiker. Im September könnte er wahr werden. Im eigens eingerichteten „Show-Room“ bietet der Musikalienhandel InSound die Möglichkeit, das originale Live-Equipment der Stars vier Wochen lang auszuprobieren und sich ein Bild davon zu machen, wie Kerry King und Co.

04.09.2009