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Kultur Götz Kubitschek täuscht Öffentlichkeit mit Fake-Verlag
Nachrichten Kultur Götz Kubitschek täuscht Öffentlichkeit mit Fake-Verlag
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15:09 17.10.2018
Verleger Götz Kubitschek auf der Frankfurter Buchmesse.
Verleger Götz Kubitschek auf der Frankfurter Buchmesse. Quelle: imago/Chris Emil Janßen
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Berlin

Der neurechte Publizist Götz Kubitschek hat mit einer provokanten Aktion rund um die Frankfurter Buchmesse Medien und Öffentlichkeit getäuscht. Wie er in seiner Onlinezeitung „Sezession“ erklärte, stimmt die von ihm lancierte Meldung über den Verkauf des von ihm begründeten Antaios-Verlags nicht. Vor einer Woche hatte Kubitschek am ersten Messetag mit der Meldung überrascht, dass er Antaios an den Loci-Verlag verkauft habe. Als Verleger präsentierte er kurioserweise den baden-württembergischen Zahnarzt Thomas Veigel, der sich im Internet als Spezialist für Tiefenbohrungen auswies. Dieser Verlag existiert nicht, wie jetzt bekannt wurde.

Kubitschek wollte mit der Aktion offensichtlich verhindern, dass sein Stand zusammen mit anderen rechtspopulistischen Ausstellern wie Manuscriptum und Junge Freiheit in einer Sackgasse am Hallenrand positioniert wird. Mit dieser umstrittenen Lösung versuchte die Frankfurter Buchmesse Szenen wie im letzten Jahr zu verhindern, als es gerade rund um den Stand des Antaios-Verlages zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen rechten und linken Demonstranten gekommen war. Im Vorfeld der Messe gab es Spekulationen darüber, weshalb Antaios sich in diesem Jahr nicht offiziell angemeldet hatte.

Anspielung auf das Dadaistische Manifest

Ein Blick auf die Website des Fake-Verlages machte stutzig: Jedes Loci-Buch sollte 19,18 Euro kosten und 124 Seiten haben. Wie es jetzt auf der Website von „Sezession“ heißt, ist dies eine Anspielung auf das Datum 12.4.1918 – den Tag, da in Berlin das „Dadaistische Manifest“ von Richard Huelsenbeck verlesen wurde. Kubitschek feiert seinen Coup im Internet und verweist auf die „Gesellschaft des Spektakels“, die er an der Nase herumgeführt habe. Auch Politikberater wolle er nicht werden, wie er in mehreren Interviews angekündigt hatte: „Die CDU beraten? Die AfD? Gott bewahre! Weiß eigentlich jemand, der nicht Verleger ist, wie privilegiert die Position eines selbstständigen Verlegers ist?“

Die Aktion sagt viel über das Selbstbild eines Verlegers aus, der sich von der intellektuellen Mehrheitsgesellschaft unterdrückt sieht und vorgibt, ihre Mechanismen durch subversive Aktionen zu unterwandern. Dabei ist es entlarvend, dass seine selbstherrliche Inszenierung auf Fake News setzt, ein Kampfbegriff der Rechtspopulisten in der Auseinandersetzung mit den etablierten Medien.

Von Nina May/RND