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Kultur Die goldene Alternative zur weißen Haut
Nachrichten Kultur Die goldene Alternative zur weißen Haut
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12:34 26.07.2019
Von Konrad Bockemühl
Goldener Stuck, roter Samt, warme Akustik: die Laeiszhalle am Johannes-Brahms-Platz in Hamburg. Quelle: Thies Raetzke
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Hamburg

Als im Januar 2017 endlich die Elbphilharmonie eröffnet wurde, hat sie der Laeiszhalle die Schau gestohlen. Doch langsam legt sich der Hype – Tradition und Beständigkeit zahlen sich aus. So rückt der nach einem großzügigen hanseatischen Reeder benannte Kulturort wieder mehr ins Licht. Unter dem Dach der Hamburg Musik mit der Elbphilharmonie vereint, und als attraktive Alternative zur neuen Top-Adresse. Der Luxus liegt in Hamburg nun darin, dass man Konzerte sinnvoll „verorten“ kann. Denn selbst die coole Elphi mit der sensiblen weißen Haut kann nicht alles gleich gut. Und mit goldenem Stuck-Ambiente, rotem Samt und warmer Akustik kann die Laeiszhalle, jahrzehntelang bewährt und international geschätzt, nach wie vor wirklich viel.

Die Wahl zwischen Weinberg und Schuhschachtel

Da muss man gar nicht Startenor Jonas Kaufmann bemühen, der im Frühjahr so seine Probleme mit der Akustik des Großen Saales am Platz der Deutschen Einheit hatte – und sich nun wieder dem nur ein wenig kleineren am Johannes-Brahms-Platz zuwendet. Thomas Hengelbrock, als ehemaliger NDR-Chefdirigent mit reichlich elbphilharmonischer Erfahrung ausgestattet, hat mit seinem Balthasar-Neumann-Ensemble und viel Beethoven ebenfalls wohlweislich das schmucke Traditionshaus gebucht. Es empfiehlt sich halt besonders für klassische und frühromantische Orchesterwerke – ja, und für Gesang...während es bei den groß besetzten Werken des 20. Jahrhunderts eher klein beigibt. Christoph Lieben-Seutter, als Generalintendant Herr beider Häuser, wird sich auf den Moment freuen, wo er Programme und Künstler nach diesen Klang-Kriterien verteilen kann: Passt der moderne Weinberg-Saal besser zur Musik, oder die klassische Schuhschachtel? Letztere zeigt sich in der Vielfalt des Programmangebotes derzeit noch breiter aufgestellt als ohnehin schon, nach wie vor gut ausgelastet, auch, weil sie Veranstaltungen aus dem Sanierungsfall CCH aufnimmt. Keine neue Herausforderung: Immerhin knatterte Rockstar Meat Loaf hier einst mit einer Harley Davidson vom Bühnenpodest über eine Rampe bis in den ersten Rang. Drei Jahre nach dem lauten AC/DC-Gastspiel war das. Und acht Jahre, bevor Vladimir Horowitz hier sein letztes Konzert gab (backstage stand vertragsgemäß ein gemachtes Bett für den 83-Jährigen bereit).

Auch der NDR kehrt mit Haydn wieder zurück

Aktuell zieht auch Alan Gilbert, der neue Chef der NDR-Elbphilharmoniker, im September mit einem reinen Haydn-Programm erstmals wieder in deren alte Heimat, heute noch Residenz der Symphoniker Hamburg, zurück. Sie wird in den kommenden Jahren generalsaniert. Bis 2023 fließen rund 25 Millionen Euro in das von den (auch Hamburger Rathaus-)Architekten Martin Haller und Erwin Meerwein im neobarocken Stil der Zeit konzipierte Bauwerk – vom Glas-Dach bis hin zu einer neuen, am alten Walcker-Vorbild orientierten Orgel. Spätestens dann hat Hamburg zwei großartige Konzertsäle, die sich in ihrer Verschiedenheit glücklich ergänzen.

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