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Kultur Zarte Palmen, große Namen
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18:23 24.05.2019
Foto: Walter Feilchenfeldt mit Meisterlichem aus seiner Sammlung: hier ein „Wannsee“-Aquarell von 1906, das vom wilhelminischen Max-Liebermann-Antipoden Anton von Werner (1843-1915) stammt.
Walter Feilchenfeldt mit Meisterlichem aus seiner Sammlung: hier ein „Wannsee“-Aquarell von 1906, das vom wilhelminischen Max-Liebermann-Antipoden Anton von Werner (1843-1915) stammt. Quelle: Marco Ehrhardt
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„Zusammen werden wir in diesem Jahr 160“, lächelt Bettina Horn, die seit vielen Jahren die Expressionismus-Schau ihrer Stiftung auf dem Areal des Landesmuseums Schloss Gottorf in guten Händen weiß. Während die bekannten Gemälde nun im hinteren Teil zusammengerückt sind, sofern sie thematisch passende Darstellungen bieten, hat sie vorne dem gleichaltrigen Freund und Kunsthändler Walter Feilchenfeldt zum runden Geburtstag eine Ausstellung mit Landschaftszeichnungen aus dessen bedeutender Privatsammlung zum Geschenk gemacht.

80 Werke zum 80. Geburtstag

„Wir haben hier den internen Untertitel ’kleine Formate, große Namen’ verwendet, denn zusammengekommen ist eine feine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier“, so Direktorin Dr. Kirsten Baumann. Die genau 80 Werke zum 80. Geburtstag würden vielleicht keine Einheit bilden, seien aber von Feilchenfeldt selber mit Unterstützung der Co-Kuratorin Dr. Uta Kuhl eigens so zusammengestellt worden. Ein Glücksfall im Sinne der Sammlung Horn, die ja mit der Idee nach Gottorf gekommen sei, „einen Stein ins Wasser zu werfen“ (Uta Kuhl) und in den entstehenden Wellenkreisen Werke anderer Sammlungen anzuziehen.

Galerie der Klassischen Moderne gut geeignet

Für den maximal kundigen Sammler, der 2005 schon mal mit Kokoschkas vor Ort war, eignen sich die Räume perfekt, da die kleinen, individuell vom Sammler gerahmten Formate in den Kojen der Galerie der Klassischen Moderne gut zur Geltung kämen und sinnvolle Bündelungen nationaler Schulen möglich seien. Auch Bilderraten ist gut möglich, da Feilchenfeldt dem Erlebnis einer Paul-Klee-Ausstellung folgt und die Werke nur durchnummeriert. Erst ein Handzettel oder der hübsch autobiografisch gestaltete Katalog bieten Aufklärung.

Von Caspar David Friedrich bis Horst Janssen

Das Spektrum ist enorm und wirkt doch einheitlich. Es reicht von Caspar David Friedrichs Aquarell Dörfliche Siedlung von 1806 über Adolph von Menzels großartig mit Kontraststufen jonglierende Grunewald-Tintenfederstudie zu Max Liebermanns immer starken Kohlezeichnungen, aber auch Erstaunlichem von Lyonel Feininger, Gut zu Gottorfs Druckgrafiksammlung passt das Kabinett mit Originalen Horst Janssens. „Nach 1945“ ist eigentlich die Ausnahme, da der Kunsthändler sich hier nicht mehr als Experte fühlt. Uta Kuhl freuen Entdeckungen unbekannterer Namen dadurch umso mehr. Das gilt etwa für die Landschaft frappierend ausdrucksstark in Farbfeldern abstrahierenden Gouachen von Rodney Gladwell. Diese Schenkungen an die Stiftung Horn bilden die Grundlage der Schau.

Paul Cezanne als Wegbereiter der Abstraktion

Neben einem in kühnen Andeutungen aufgelösten Milbertshofen (1910) von Paul Klee oder frühem Dalí (Landschaft mit Olivenbäumen, 1923) begegnen aus dem Familienbesitz auch Delacroix oder Corot. Überhaupt bildet Frankreich das Zentrum. Zumal der Cezanne-Spezialist und Mitherausgeber von dessen Online-Werkkatalogs hier spürbar ganz zu Hause ist: „Hier, an Jas de Bouffan schon von 1890, kann man sehen, dass Paul Cezanne ein abstrakter Künstler ist, der sich nur nicht lossagen kann von der Gegenständlichkeit“, so Feilchenfeldt, „aber er ist damit ein besonders wichtiger Wegbereiter einer Kunst, bei der das Dargestellte eigentlich keine Rolle mehr spielt.“

Was Walter Feilchenfeldt gerne sammelt

Immer wieder begegnen minutiös aufgefächerte Palmen, etwa von Felix Vallotton oder dem weit unbekannteren Adolf Hoeffler, was Feilchenfeldt angesichts seiner eigentlich mäßigen Leidenschaft für Landschaftsdarstellungen selber amüsiert: „Palmen sind ja wie Kunstobjekte in der Landschaft, die mich offenbar deshalb interessieren.“

Die Daten auf Schloss Gottorf

Landschaftszeichnung, Stiftung Rolf Horn, Galerie der Klassischen Moderne, Schloss Gottorf. 28. Mai bis 15. September. Di-Fr 10 bis 17 Uhr; Sa/So 10 bis 18 Uhr. www.schloss-gottorf.de

Von Christian Strehk