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Kultur Gru und die Minions sind wieder am Start
Nachrichten Kultur Gru und die Minions sind wieder am Start
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00:00 05.07.2017
In Action: Gru hat sich vom Schurkendasein zurückgezogen. Sein Bruder Dru aber will von Grus  Fachwissen profitieren. Und die Minions wollen endlich wieder einen richtigen Verbrecher als Chef.
In Action: Gru hat sich vom Schurkendasein zurückgezogen. Sein Bruder Dru aber will von Grus Fachwissen profitieren. Und die Minions wollen endlich wieder einen richtigen Verbrecher als Chef. Quelle: Foto: Universal
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Trotz eines Einspielergebnisses von über einer Milliarde Dollar haben die „Universal“-Studios dankenswerterweise zunächst auf eine Fortsetzung des strunzlangweiligen „Minions“-Filmes verzichtet und sich mit ihrer Franchise-Strategie wieder dem Original zugewandt. Als Nebenfiguren in „Ich – einfach unverbesserlich“ waren die kleinen gelben Männchen mit ihrem Esperanto-Kauderwelsch in dosierter Form richtig lustig.

Die Minions nutzen die Krise zur Revolte

Als tragfähige Charaktere in einem Spin-Off haben sie allerdings kläglich versagt. Nun tümmeln sie sich wieder im Keller des ehemaligen Bösewichtes Gru, der angesichts treuer Waisenkinderaugen und adoptivväterlichen Pflichten in Teil 1 und 2 seine Schurkenexistenz an den Nagel hängen musste.

Mittlerweile arbeitet er mit seiner toughen Lebensgefährtin Lucy für die „Anti-Schurken-Liga“. Aber als dem Paar die Festnahme des gemeingefährlichen Verbrechers Balthasar Bratt – ein verzogener TV-Kinderstar aus den Achtzigern auf kriminellen Abwegen – misslingt, werden sie von der neuen Chefin gefeuert. Die Minions nutzen die Krise zur Revolte.

Zwillingsbruder mit Trump-Frisur

Das gesetzestreue Dasein missfällt ihnen schon lange. Sie wollen endlich wieder einem echten Bösewicht dienen, gehen in den Streik und fristen fortan im Film eine halbwegs unterhaltsame Randexistenz. Gru hingegen plagen nicht nur berufliche Existenznöte. Die Drehbuchautoren dichten ihm auch noch einen Zwillingsbruder an, dessen Existenz ihm bisher verheimlicht wurde.

Dieser Dru hat alles, was Gru nicht hat: Ein riesiges Anwesen mit Milchkuhherden, einen ganzen Parkplatz voller Luxuskarossen und wallendes, blondes Haupthaar in waschechter Donald-Trump-Kolorierung. Sein Reichtum gründet sich auf dem kriminellen Handwerk des Vaters, für das Dru allerdings wenig taugt.

Dynamischer dritter Gru-Film

Er hofft nun von den Schurkenerfahrungen des Bruders zu profitieren und will Gru für gemeinsame Verbrechensprojekte gewinnen. Auf den ersten Blick wirkt „Ich – einfach unverbesserlich“ in seiner Plot-Konstruktion hoffnungslos überladen, aber dem Regie-Trio Eric Guillon, Kyle Balda und Pierre Coffin gelingt es überraschend souverän, alle Bälle in der Luft zu halten.

Sicherlich erfindet sich hier das bewährte Franchise nicht neu, wird aber mit genug frischem Blut versorgt, um seine Existenz als pure Familienunterhaltung zu rechtfertigen. Die Beziehungsdynamik der konträren Brüder hält den Handlungsmotor am Laufen, aber es sind wie in jedem guten Animationsfilm die liebevollen Details und die schillernden Figurencharakterisierungen, die die eigentliche Sehfreude ausmachen. Klar mit den Pixar-Standards eines „Alles im Kopf“ kann diese Produktion nicht mithalten. Aber die Animation des höchst gelenkigen Bösewichtes, der zu Achtzigerjahre-Hits von Michael Jackson, Van Halen oder A-ha seine kriminelle Performance abliefert, ist ein echter Hingucker.

Abgesehen von dem allzu stereotypen Finale, in dem mit Kaugummi-Geschossen herumgeballert wird, entwickelt „Ich – einfach unverbeserlich 3“ auf 90 Filmminuten eine kompakte Dynamik, an der sich der nächste „Minions“-Film, der wohl marktwirtschaftlicher Unausweichlichkeit auf uns zukommt, eine Beispiel nehmen sollte.

Von Martin Schwickert / RND

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