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Kultur Mit klarem Profil in die Zukunft
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11:00 21.12.2016
Von Konrad Bockemühl
Vermittlungsarbeit als Herausforderung und Zertifizierungskriterium: Der wissenschaftliche Mitarbeiter Peter Kruska mit Schülern im Gemäldemagazin der Stadtgalerie. Quelle: +
Kiel

Ein Jahr lang haben sich die Häuser in der mittlerweile dritten Qualifizierungsrunde einer intensiven Überprüfung und Beratung durch erfahrene Museumsleute gestellt, haben Aufgaben und Auflagen erfüllt und sind jetzt „zertifizierte Museen“.

 Bei der Stadtgalerie Kiel etwa wurde in diesem Zusammenhang das Sammlungs- und Ausstellungskonzept mit Werken zeitgenössischer Kunst aus Norddeutschland und dem Ostseeraum als Alleinstellungsmerkmal in der schleswig-holsteinischen Museumslandschaft gewürdigt. Mit dem Schwerpunkt auf zeitgenössischer lokaler und junger Kunst sei die Stadtgalerie in besonderer Weise identitätsstiftend für die Landeshauptstadt. So ein Lob für ein „hervorragend aufgestelltes Museum“ tut gut und Direktor Wolfgang Zeigerer freute sich besonders, zur Zertifikatsübergabe seinerseits einen neuen Museumsraum ankündigen zu können, für den er sich jahrelang eingesetzt hatte: Nachdem die ehemalige „Lüftungszentrale“ des gesamten Gebäudekomplexes auf kleineren Raum verlagert ist, gibt es im Foyerbereich Platz für die bislang im Keller-Magazin untergebrachte grafische Sammlung. Auch dieser Zustand war von den Prüfern moniert worden – bald nun werden die Grafiken auf künftig rund 100 Quadratmetern auch öffentlich zugänglich sein.

 Wertvolle Hinweise nahm Zeigerer von seinem ehemaligen Kieler Studienkollegen und später langjährigen Leiter des Flensburger Museumsberges, Prof. Ulrich Schulte-Wülwer, auch entgegen, was den Umgang etwa mit „städtischem Kunstbesitz“ angeht. In der Konsequenz wurden Exponate weitergeleitet an andere Kieler Häuser, wo sie einfach besser und passender aufgehoben sind. Denn in dem Zertifizierungsverfahren geht es auch die eine klarere Profilierung. Gerade im volkskundlichen Bereich müssten nicht mehrere Museen im Land die gleichen Alltags-Dinge sammeln, sagt Schulte-Wülwer und ermutigt in letzter Konsequenz auch mal zum „Entsammeln“: Ballast raus, Platz schaffen fürs Profil. Das wiederum braucht „als Basis, auch mal nein zu sagen“, ein Sammlungskonzept, was viele, gerade kleinere Museen bis dato für sich gar nicht fixiert hatten. Eine Ebene weiter gedacht, ließe sich über einen landesweiten Museumsentwicklungsplan die Abstimmung zwischen den einzelnen Häusern optimieren. Weitere Probleme, die im Zertifizierungsverfahren immer wieder auftauchen, sind die Magazine – fachgerechte Lagerung, wie in der modernen Stadtgalerie ausdrücklich der Fall, kann nicht jedes Haus vorhalten. Ebenso hat nicht jedes Museum Kapazitäten für die unabdingliche Forschungsarbeit. Und auch im Bereich der Vermittlung gibt es mitunter Handlungsbedarf, angefangen bei einer zeitgemäßen Beschriftung der Exponate.

 In den vier aktuell ausgezeichneten Häusern konnte manch Schwäche behoben werden, auch wenn den beiden so unterschiedlichen Insel-Museen der Appell ausdrücklich mit auf den Weg gegeben wurde, die Inventarisierung im vorgegeben Zeitraum noch abzuschließen. In der privat betriebenen, interaktiv ausgerichteten Wissenswelt auf Fehmarn wird das noch unterstützt durch einen eigens eingestellten wissenschaftlichen Mitarbeiter.

 Als das Industriemuseum Elmshorn als besonders engagiert geführter und besonders lebendiger Ort der Kulturvermittlung gewürdigt wurde, kam als Replik der leise Hilferuf der Leiterin Bärbel Böhnke, die zeitraubende Förderanträge, die so ein Haus heute mehr denn je stellen muss, doch bitte zu vereinfachen. So haben es denn auch nicht alle zehn Museen geschafft, binnen einen Jahres das Gütesiegel zu erreichen. Seitdem das mittlerweile maßgeblich vom Land geförderte Verfahren verstetigt ist, gibt es für die Häuser in Plön, Heide, Keitum und Flensburg die Möglichkeit, nachzuarbeiten und zu verlängern. Derweil haben sich zehn neue Museen für die vierte Zertifizierungsrunde beworben. Es gibt keinen Mangel an Bewerbern.

 

 Ein neues Fundament für Museen

 Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln/Bilden sind nach den Kriterien des Internationalen Museumsrates (ICOM) die Kernaufgaben der Museen. Kulturministerin Anke Spoorendonk will mit dem 2013 eingeführten Projekt „Museumsberatung und -zertifizierung“ dem nicht geschützten Begriff „Museum“ ein stabileres Fundament geben. Ziel sei es, die rund 230 Häuser im Lande in ihrer Arbeit zu stärken, zukunftsfähig aufzustellen und wettbewerbsfähig zu machen, um so deren Vielfalt im Norden nachhaltig zu bewahren. Neben dem Land fördert die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein das Projekt als Kooperation von Museumsverband SH/HH, VHS-Landesverband und Nordkolleg Rendsburg. Bisher wurden 18 Museen im Lande zertifiziert – darunter auch das Stadt- und Schifffahrtsmuseum Kiel, die Landesbibliothek SH in Kiel sowie das Künstlermuseum Heikendorf.

 Projektleiterin ist die Kunsthistorikerin Dagmar Rösner, die neben einer wissenschaftlich fundierten Museumsarbeit „Kommunikation, Interaktion und Partizipation“ als drei zentrale Forderungen formuliert. Entsprechend setzt das intensive Qualitätsmanagement an. Es umfasst Selbstevaluation, Überprüfung durch profilierte externe Berater, Fortbildungsprogramm gemäß ICOM-Standards sowie die Formulierung von Museumskonzepten und Leitbildern. Berater Ulrich Schulte-Wülwer, seit 2013 in dem Projekt engagiert, spricht von vielen Museumsleitern, die für ihre Häuser brennen, andererseits aber von großem Druck, den Museumsträger angesichts von Besucherrückgängen oftmals ausübten. Da gefährde mitunter „Aktionsmus mit Veranstaltungen jeglicher Art“ die eigentlichen Kernaufgaben – allemal angesichts vielfach unzureichender Personal- und Finanzausstattung.

 Weitere Infos im Internet: www.museumszertifizierung-sh.de

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