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Kultur Locker poppig vom Barhocker
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16:00 13.06.2014
Von Jörg Meyer
 Der Kronshagener Chor Hello Music, dirigiert von Axel Riemann. Quelle: B. Schaller
Kiel

Chorleiter Axel Riemann am Piano, Drummer Peter Weise und Wolfram Nerlich auf dem Kontrabass legen mit dem Bar-Jazz-Klassiker Night And Day vor, Hello Music lässt es mit einem fingerschnippischen Good Day Sunshine und Fools Gardens Lemon Tree in der humorig plattdeutschen Variante Zitronenboom zunächst poppig angehen, um mit Centerpiece die bluesigen Tiefen des Nachtcafés auszuloten. Der Schritt zu Rammsteins Metal-Ballade Engel ist da gar nicht so weit, wie man denken könnte. Im als A-cappella-Klassiker bekannten Arrangement von Oliver Gies (Maybebop) macht der Chor hörbar, dass man selbst ein verzwickt polyphones Fugato swingen lassen kann.

 Kleine intonatorische Verwackelungen fallen dabei nicht ins Gewicht, wenn man wie Hello Music das kann, was Jazz, zumal an der Bar, ausmacht: Cooler Swing und soul-erhitzter Groove wie in Astrud Gilbertos Bossa Meditation. Darin und im Schlussstück (vor zwei Zugaben) Mais que nada begibt sich der Chor – kleiner Gruß an das Land des just in dieser Barnacht startenden Fußballfiebers – auf Latin- und Soul-Spuren, zwei Spielarten auf dem weiten Feld des Jazz, die zurecht als besonders „groovig“ gelten. Beachtliche weibliche Solostimmen entfalten sich in Roxanne (The Police) lasziv raunend, schwarz-lichternd in Stevie Wonders Signed, Sealed, Delivered und in Against All Odds von Mariah Carey als wundervoller Mix aus balladesker Sanftmut und selbstbewusster Jazz-Ladyness. Die männlichen Solisten lassen mit Scat-Einlagen à la Dr. Jazz nicht minder aufhorchen.

 Solcher Groove regt zum Mitmachen an. Die verschiedenfarbigen Knicklichter auf jedem Sitzplatz dienen nicht nur zum seligen Mitschwenken bei Peter Gabriels Hymne Don’t Give Up, sie zeigen im von Riemann komödiantisch dirigierten Beat mit dem Publikum, wo man mitgrooven kann. Nicht nur ein Mits(w)ing-, auch ein Bildungserlebnis: Nämlich wie Jazz, Swing, Blues, Pop und Soul sich die groovenden Hände reichen, bei Aretha Franklins I Say A Little Prayer wie in der Zugabe, Pharrell Wiliams’ Hit Happy, der den Swing in den Soul holt. Hello Music beweisen einmal mehr die Gültigkeit des alten Sprichworts, dass man sich relaxt niederlassen kann, wo so locker poppig vom Barhocker gesungen wird.