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Kultur Die Schönheit einer Schumann-Rarität
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18:45 05.07.2018
Foto: So viel Freude kann ein Werk des gerne unterschätzten "späten" Robert Schumann machen: Thomas Hengelbrock und seine Mitstreiter setzten sich im Kieler Schloss faszinierend stimmig für die Missa sacra op. 147 ein.
So viel Freude kann ein Werk des gerne unterschätzten "späten" Robert Schumann machen: Thomas Hengelbrock und seine Mitstreiter setzten sich im Kieler Schloss faszinierend stimmig für die Missa sacra op. 147 ein. Quelle: Axel Nickolaus
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Kiel

Der frühe Beitrag zum Komponistenschwerpunkt des SHMF 2018 im nahezu ausverkauften Schloss hat schon jetzt das Zeug zum sommerlichen Höhepunkt. Hengelbrock schärfte derart die Konturen und Binnenkontraste des Düsseldorfer Spätwerks von 1852, dass alle bekannten Einspielungen dagegen blass wirken.

Kunstgriff: Rückbezüge zu Schubert

Ein Kunstgriff gelang Hengelbrock und seinen so homogenen und beweglichen Sängerscharen sowie den anschmiegsamen, auf historischem Instrumentarium spielenden Orchestermusikern auch mit frappierenden Rückbezügen zur ersten Konzerthälfte. Da erinnerte etwa der tieffrequente Einstieg ins entrückte Agnus Dei in den Kontrabässen stark an den Beginn von Schuberts "Unvollendeter", die hier so dramatisch packend wie eigentümlich farbenreich zu hören gewesen war. Und da hatte Schumanns Idee, in das Messordinarium ein innig gedämpftes Marianisches Offertorium einzufügen, seine Entsprechung in Schuberts sanft schmerzlichem Stabat Mater dolorosa.  Dieses Abendmahlsgebet Tota pulchra es, Maria wurde von der Sopranistin Marie-Sophie Pollak hinreißend zartblühend gesungen. Auch sie erntete dafür berechtigte Ovationen.

Edel gesungene Zugaben

Blumen wollte sich Hengelbrock für all das partout nicht überreichen lassen, weil er sich nur als dienender Vermittler zwischen Sängern und Orchester sah. Dafür gab es Zugaben: den hingetupften achtstimmigen Chorsatz "Denn er hat seinen Engeln befohlen" aus dem "Elias" von Schumanns Freund und Förderer Mendelssohn sowie den Volksliedsatz "Der Mond ist aufgegangen" (Schulz/Seifert) – beide überragend fein modelliert gesungen von den Breisgauer Chorprofis.

www.balthasar-neumann.com

Von Christian Strehk

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