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Kultur Die Musik als Jungbrunnen
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17:00 21.10.2019
Von Michael Struck
Aus dem Handgelenk: Altmeister Herbert Blomstedt am Pult des NDR Elbphilharmonie Orchesters im Kieler Schloss. Quelle: Marco Ehrhardt
Kiel

Wenn hoch- und höchstbetagte Künstler auftreten, sind die Eindrücke mitunter gemischt – gemischt aus unvergesslichen Erinnerungen, aus Hochachtung vor einer Lebensleistung und bangem Vergleich zwischen künstlerischem Einst und Jetzt. Da hat der Rezensent aus Jugendjahren eine Fernsehaufzeichnung mit dem alten Karl Böhm vor Augen, der mit steinerner Miene und dirigentischen Minimalbewegungen eine Mozart-Oper leitete. Und das letztjährige Elbphilharmonie-Konzert der 94-jährigen Pianistenlegende Menahem Pressler hinterließ teils ernüchternde, teils anrührend-intensive Eindrücke.

Phänomen unter den Altmeistern

Völlig unangebracht waren gemischte Gefühle dagegen beim 1. Streiber-Saisonkonzert des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters im Kieler Schloss. Der 92-jährige Dirigent Herbert Blomstedt ist ein Phänomen unter den Altmeistern des Dirigierstabes (den er gar nicht benutzt). Bei Blomstedt scheint ein wundersames Geben und Nehmen zu herrschen: Die Musik hält ihn jung – und er die Musik.

Jugendlicher Haydn

Jugendlich erklang da gleich die letzte Symphonie (Nr. 104) des alternden Joseph Haydn in ihrer eingängig-kunstvollen Reichhaltigkeit. In dieser letzten der „Londoner Symphonien“ pflegte das leicht „historisch“ entschlackte Orchester eine vorteilhafte (nur von der Oboe nicht recht mitgemachte) Vibrato-Diät. Dem agilen Streicherkörper setzte die Flöte feine Lichter auf, während das Fagott ihm edle Klangbräune auftrug.

Knackige Impulse aus dem Handgelenk

Blomstedt gab knackige Impulse aus dem Handgelenk, holte, wenn angebracht, aber auch weit aus – und verstand sich den ganzen Abend augenscheinlich nicht als dirigentischer Alleinherrscher, sondern als „Primus inter Pares“. Symptomatisch für sein Musizieren war das Menuett, dessen Trioteil er nicht, wie viele andere, genießerisch abbremste, sondern mit leicht verzögertem Auftakt erst zum Augenzwinkern und dann wieder in Bewegung brachte.

Packend und uneitel

In stark vergrößerter Besetzung erklang nach der Pause unter Blomstedts ebenso packender wie uneitler Leitung Bruckners „Sechste“, die unter den neun „offiziellen“ Bruckner-Symphonien wohl der „schlankste“ Koloss ist. Fesselnd machte Blomstedt deutlich, wie Bruckner aus seiner ebenso stark religiös wie wagnerisch geprägten Sicht sich eine eigene Welt mit starken Entladungen und Brüchen, fast endlosen Sequenzschrauben, harmonischen Abenteuern und archaischem Choral-Ton baut.

Eigene Tempo- und Ausdrucksräume

Sicher, Blomstedt steht in einer langen Tradition, bei der Dirigenten sich und den Hörern hier jenseits des Notentextes eigene Tempo- und Ausdrucksräume einrichten. Aber er tut das ohne Weihe-Pose, mit Konsequenz, Ausdruckswärme und Sinn für Proportionen. Dieser altmeisterlich-folgerichtigen Idee folgte das Orchester hochmotiviert und – von kleinen Unebenheiten abgesehen – hochkonzentiert. Nach heftigem Beifall, Bravos und stehenden Ovationen verließ man das Konzert verjüngt.

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