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Kultur Bergab ist's am Schönsten
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11:20 30.04.2019
Von Thomas Richter
HERR HOLM mit "Neben der Spur" im Kieler Metro-Kino. Quelle: Björn Schaller
Kiel

Mit Hornbrille, schlurfig-schief wippenden Gang und immer etwas verdrießlich ermittelt der hanseatische Schutzmann außer Dienst diesmal „Neben der Spur“. Gewissermaßen als verdeckter Ermittler schnüffelt Herr Holm im Metro-Kino in Kiel im mysteriösen Dickicht gesellschaftlicher Neurosen, Absonderlichkeiten, Zwängen und bisweilen liebenswerten Schrulligkeiten. Er startet von ganz oben, vom Gipfel. „Weil es von da an ja sowieso nur noch bergab geht.“ Aber das muss ja nicht schlimm sein, denn,  „ist nicht auch beim Skifahren das Schönste die Talfahrt?

Handy-Assistentin Emma ist stets zu Diensten.

Die Datenautobahn ist da ein ganz wesentlicher Streckenabschnitt. Vielleicht ist der Fundus in Sachen digitale Medien, Handy-Wahn, Vernetzung , Instagram und Co ziemlich ausgeplündert, der ganz normale Wahnsinn der vermeintlich schönen neuen Welt hinreichend charakterisiert, seziert und der Lächerlichkeit preisgegeben. Vielleicht kann der private Herr Holm den Dingen nicht allzu viel Neues abgewinnen.

Funktionieren tun seine Gags allerdings noch immer. Witzig ist die privaten Handy-Assistentin Emma, eine besserwisserische „Alexa“, die zu allem ihren Senf gibt, im Redefluss ungern unterbrochen wird, und ihrer besseren Hälfte, dem User Holm, auch ungewollt stets zu Diensten ist. Außerdem erzählt sie gern grenzwertige Witze: „Der Unterschied zwischen einem Polen und einem Arzt? Der Pole weiß, was dir fehlt.“  

Mit Poesie und echter Empathie

Darüber hinaus – und das ist das eigentlich Entscheidende an diesem Abend – gelingt es dem Komödianten, dem Bits and Bytes-Blödsinn ein sehr tiefe, menschliche Note zu verleihen. Er stellt die Gefühle ins Zentrum seiner Betrachtungen und zwar mit Poesie und echter Empathie.

Er fragt,  „kann ein Algorithmus, der in der Lage ist, Musik zu komponieren, diese Musik dann auch genießen?“  Und die Bezeichnung unserer aufs Smartphone fixierten Mitmenschen als „Gesellschaft der hängenden Köpfe“ trifft ebenfalls ins Schwarze.

Auch seine Lieder, vorgetragen mit einer bemerkenswert rockigen E-Ukulele, sind alles andere als Klamauk. An der Grenze zur wohligen Sentimentalität, aber wirklich wunderschön interpretiert er „Träume auf dem Pausenhof“ nach der Melodie von StingsField of Gold“. Aber auch die Lieder über Hamburg und seinen „Polizei-Dienst“ rühren an. 

Leben und Leiden eines Kotbeutels

Dabei geht sein Mitgefühl weit über das menschliche Empfindungs-Spektrum hinaus. Mit einem Hundekot-Beutel als Bauchredner-Puppe reflektiert er Leben und Leiden dieses dünnhäutigen Sensibelchens, das doch so gerne eine gestandene Einkaufstasche geworden wäre, in der schönere Dinge transportiert werden als die Hinterlassenschaften von Vierbeinern. 

Nach dem über zweistündigen Abend im Metro-Kino in Kiel hätte es die zuvor präsentierten „Comedy-App“ mit den klassischen Applaus-Schleifen aus der Konserve sicher nicht gebraucht. Ganz analog zeigte das Publikum seine Begeisterung für Herrn Holm mit tosendem Beifall. 

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