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Kultur Hindemith-Preis für Bernd Richard Deutsch
Nachrichten Kultur Hindemith-Preis für Bernd Richard Deutsch
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09:06 23.07.2014
Von Christian Strehk
Der Hindemith-Preis 2014 ging an den Komponisten Bernd Richard Deutsch. Quelle: Axel Nickolaus
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Reinbek

Der 25. Hindemith-Preis hat einen würdigen Preisträger gefunden. Am Montag wurde im Schloss Reinbek die mit stolzen 20000 Euro dotierte, unter anderem von der Schweizer Hindemith-Stiftung getragene Auszeichnung dem Niederösterreicher Bernd Richard Deutsch von Kulturstaatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer übergeben. Der 37-jährige Tonsetzer erhält, so Festival-Intendant Christian Kuhnt, einen Kompositionsauftrag für den Festivalsommer 2015.

Gerhard R. Koch, Großkritiker-Doyen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, betonte in seiner Laudatio die bemerkenswerte Unabhängigkeit im Schaffen Bernd Richard Deutschs. Zwar sei er beim Wiener HK Gruber oder beim Hamburger Detlef Glanert durch gute Schulen gegangen, aber nicht in ihnen gefangen geblieben. Deutschs „kryptoszenische“, manchmal „dadaistische Vexierbilder“ ahmten grundsätzlich nichts nach, obwohl sie aus changierenden Perspektiven auch „Realitätspartikel“ ins Komponieren einbezögen, so Koch.

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Melancholie ist dem Wahlwiener erklärtermaßen wichtig, Gewitztes entdeckt der aufmerksame Hörer schnell als Gegenentwurf dazu in seinem Schaffen. Auf dieses Spannungsfeld verweisen schon Werktitel wie Mad Dog, die Kammeroper-Vertonung von Kafkas Die Verwandlung oder das „neurotische Oratorium“ Martyrium oder Die Dinge sind.

Hochgespanntes, von Koch gelobtes „instrumentales Theater“ , das sogar das altehrwürdige Streichquartett mit „perkussiven Irritationen“ (bis hin zu Saiten-Gekreisch, Klopfeffekten, Spieler-Rufen und Fußstampfen ...) als vielsaitiges Schlagzeug einzusetzen wagt, war dann auch hautnah in Deutschs Streichquartett Nr. 2 zu erleben. 2012 im Wiener Konzerthaus vom berühmten Arditti Quartett uraufgeführt, bannte das Werk jetzt in der Interpretation des Hamburger Nathan Quartetts.

Bernd Richard Deutsch überzeugt darin vor allem mit seinem sicheren Gefühl für ein rechtes Maß: Eingeführte Ideen wirken nirgends überreizt; Melodisch-Thematisches, Rhythmus, Dynamik oder Farbeffekte bilden in knapp gehaltenen Klangparzellen ein geheimnisvoll stimmiges, aufregendes Ganzes. Die „bizarren, ungebändigten Kraftfelder“, mit der Deutsch im Geiste Jean Pauls den Hörer „zwischen Himmel und Erde, zwischen Schwerkraft und Freiheit“ im Sturm durchschüttelt, bleiben nachhaltig in Erinnerung.