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18:35 29.08.2014
Von Christian Strehk
Das SHMF findet bis zum 31. August 2014 an verschiedenen Spielstätten in Schleswig-Holstein statt und gilt als größtes Klassik-Musikfestival der Welt. Quelle: Axel Heimken/dpa
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Kiel/Lübeck

Insgesamt wurde in 84 Spielstätten an 59 Orten die mutige Anzahl von 164 Konzerten veranstaltet. Davon waren 84 Veranstaltungen ausverkauft. Hinzu kamen fünf „Musikfeste auf dem Lande“ und zwei Kindermusikfeste.

Das Risiko, das Angebot erstmals auf rund 180 Konzerte aufzustocken, sei aber stets „kalkulierbar“ gewesen. Schließlich habe er als einstiges Mitglied der SHMF-„Familie“ aus der Innensicht das Land gut einschätzen gelernt. „Wir haben unverkennbar die Potenziale im Vorfeld richtig erkannt. Zum Beispiel hat es sich als sinnvoll erwiesen, in Flensburg fünf Konzerte zu machen, um dort das Festivalfeuer endlich wieder neu zu entfachen“, so Kuhnt. Kiel sei ja sowieso „durch die Decke gegangen“ im Zuspruch. Auch was die Absicherung durch das Land und die Sponsoren angeht, erkennt Kuhnt eine Intensivierung der Beziehung: „Es ist eben reizvoll, Teil einer Erfolgsgeschichte zu sein.“

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Den Erfolg erklärt sich der Manager, der in den vergangenen Jahren in Hamburg die Angebote der Konzertagentur Goette gelenkt hatte, mit der stilistisch unverkrampften Mixtur und den Schwerpunkten Künstlerpersönlichkeit, Komponist und Schleswig-Holstein-Bezug. „Ich hatte intensiv nachgedacht: Was folgt auf den Länderschwerpunkt? Die Lösung war diese Dreierkonstellation, die nun glücklich aufgegangen ist.“ Mit Sol Gabetta habe man eine ideale Porträtkünstlerin präsentiert, „eine Brückenbauerin , die die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Gattungen, herausfordernden Programmen und den Zuhörern liebt.“ Sagenhafte 16000 Karten seien für Gabetta gefragt gewesen. Und die Künstlerin sei selber frappiert gewesen von dem auch für sie ungewöhnlich intensiven Interesse des Publikums.

Felix Mendelssohn war namentlich und in Ausschnitten seines Schaffens bekannt, aber was gab es nicht alles Schönes zu entdecken – das ging doch schon beim Sommernachtstraum unter Eschenbach mit Horwitz als Sprecher los ...“. Die Einbindung von Stars aus Schleswig-Holstein wie den Tenor Klaus Florian Vogt oder die Klarinettistin Sabine Meyer will Kuhnt „unbedingt fortführen“. Und das Paulus-Oratorium habe niemand kompetenter im heiklen Lübecker Dom realisieren können als Matthias Janz mit seiner Erfahrung vor Ort. Das SHMF habe ihm dafür mit Elbipolis ein besonderes Instrument an die Hand geben können. „Solche neuen Konstellationen machen dann in einem Festival Sinn.“ Einzige Baustelle: die Samstag-Abendblöcke der Musikfeste auf dem Lande. Die hinkten trotz der aufgebotenen Stars aus dem Hauptprogramm hinterher – „vielleicht nur, weil es sie im Vorjahr gar nicht mehr gab?“

Und Elton John? „Der hat ein Publikum aufgeweckt, das uns zuvor nicht mehr richtig wahrgenommen hatte“, so Kuhnt, „ich wollte ihn früher oder später unbedingt einbinden, eigentlich sein klassisches Pop-Album mit Streichorchester und Cembalo wiederaufleben lassen. Wir waren dann zumindest diejenigen, die seine Greatest-Hits-Tour überhaupt angestoßen haben – und in Kiel hat er deutlich mehr Songs gespielt als irgend sonst.“ Aus dem Rock-Event habe man beim SHMF „sehr viel gelernt“. Und Sir Elton sei unter einer Voraussetzung gerne wieder willkommen: „Wenn wir selber den Ton abmischen dürfen“, erinnert der Intendant an die Tonprobleme der ersten halben Stunde.

Bei den pädagogischen Zweigen sieht Kuhnt die Meisterkurse auf notwendigem Reformkurs, um sich den Anforderungen der Studenten aus aller Welt anzupassen. In Büdelsdorf beim Festivalorchester sei aber alles im Lot, auch wenn er sich stets zwei Projekte mit dem zentralen Star Eschenbach wünscht. „Mit Sanderling, Halffter und der West Side Story hat es sehr gut geklappt, den jungen Musikern jeweils unterschiedliche Welten ihres zukünftigen Berufes aufzuzeigen.“ Zwar sei es der Anspruch des SHMF, auch neue Stars wie Andris Nelsons oder Yannick Nézet-Séguin einzuladen, doch sei für die Musiker vor allem das Programm entscheidend. „Es geht um Ausbildung, nicht um Starrummel.“ Besonders freut sich Christian Kuhnt über die Qualität des Festivalchores, die ihn bereits in den Proben „geradezu umgehauen“ habe: „Unter Nicolas Fink als idealem Chordirektor, schlägt mir da eine wahnsinnige emotionale Kraft und auch Dankbarkeit der Mitsänger entgegen. Und diese emotionale Teilhabe bei Mitwirkenden, Zuhörern und Beiräten ist doch unsere große Stärke.“