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Kultur Hoch oben über allen 13 Tischen
Nachrichten Kultur Hoch oben über allen 13 Tischen
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17:30 20.01.2016
Von Maren Kruse
Gemeinschaftsarbeit: 15 Studierende der Bildhauereiklasse haben für den Brunswiker Pavillon ein Konzept entwickelt und realisiert. Quelle: Foto: Marco Ehrhardt
Kiel

Ganz unwillkürlich passiert das: Hat man die Tür des Brunswiker Pavillons geöffnet, geht der erste Blick nach oben. Auf der Galerie links über dem Eingangsflur, sitzt „Sie“, die jeder kennt, der hier ein- und ausgeht. Sie, das ist Maria Ahrens, die im BBK-Landesverband die Geschäfte führt.

 Nun treibt die gleichnamige Ausstellung der Bildhauereiklasse von Prof. Elisabeth Wagner keinen Personenkult, das würde „Sie“ da oben nur belustigen. „Nein“, sagen Felix Ermacora und Hannah Bohnen, die für die Klasse sprechen: „Sie ist da, und wir sind sie.“ Es sei schnell klar gewesen, dass man diesen besonderen Ausstellungsraum nicht mit Einzelpositionen bespielen könne, weil ja viele von uns viel zu großformatig arbeiten.“ Zudem sei der Kubus des Pavillons mit seinen Fensterflächen und der Empore ausstellungstechnisch ein schwieriger Ort. Als Gemeinschaftsarbeit präsentieren sich darum 15 Studierende in der Ausstellung der Muthesius Kunsthochschule, die heute Abend eröffnet wird – einen Tag nach der Vernissage im Atelierhaus im Anscharpark, wo unter dem Titel Nichts die Malereiklasse von Antje Majewski ihren Auftritt hat (siehe Artikel unten). Die Medienklasse eröffnet in der nächsten Woche ihre Schau in den Räumen einer ehemaligen Schlachterei in der Koldingstraße. Titel: Butcher’s Shop: Flesh for Fantasy. Viel Muthesius-Präsenz also in diesen Tagen in der Stadt.

 Klingt nicht eben nach geschmeidigem Workflow, wenn 15 Temperamente zu einer künstlerischen Lösung finden müssen, die nicht nur konsensfähig ist, sondern im Ergebnis formal und inhaltlich stimmig ist und dabei noch intelligent eine Geschichte erzählt. Aber sie haben es geschafft: 13 Tische stehen da nun auf irritierend hohen Stahlbeinen. Mit ihren 3,45 Metern Höhe erreichen sie exakt das Niveau, wo „Sie“ oben auf ihrem Bürostuhl sitzt. Wie zufällig sind die Tische auf der Grundfläche arrangiert, verraten aber nicht, dass sie konstruktiv miteinander verbunden sind.

 Das Zusammenspiel von strenger wie nüchterner Raumarchitektur und den Dimensionen der Installation bringt Spannung an diesen Ort, der eben kein White Cube ist. Nimmt man die Treppe nach oben, sieht man Bürobedarf, der spielerisch auf den Tischen verteilt ist. Ein gefährlich hoher Stapel Kartons, Postkisten, wattierte Umschläge oder ein Tesa-Abroller, der als Kulissenteil aus Foto und Pappe nachgebildet ist. Die Dinge eben, mit denen „Sie“ täglich umgeht.

 Am Ende habe die Arbeit den Zusammenhalt in der Klasse gestärkt, sagen Felix und Hannah. Was wichtig war, denn als man anfing, hätte es viele Neue in der Bildhauerei gegeben. „Klar, wir waren auch nicht ganz sanft zueinander.“

 „Sie ist eine raumgreifende Skulptur, die in ihrer Dimension entweder mit viel Übermut, viel Geld oder zwanzig Assistenten möglich ist“, heißt es selbstironisch im Statement der 15 Bildhauer. Ihr schönes Fazit: „Wir brauchten uns alle.“ Und „Sie“? – kämpft derweil mit der Telekom um einen schnelleren DSL-Anschluss ...

 

 Brunswiker Pavillon. Eröffnung Donnerstag, 21. Januar, 18 Uhr. Bis 7. Februar, Di-Do 10-17, Fr-So 11-16 Uhr.

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