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10:56 23.03.2019
Von Thomas Richter
Honnig In'n Kopp, die niederdeutschen Bühnenfassung von Till Schweigers Erfolgsfilm Honig im Kopf, begeistert im Theater am Wilhelmplatz. Quelle: Soul Picture
Kiel

Til Schweigers Erfolgsfilm Honig im Kopf, dessen in Übersee kürzlich grandios gefloppte Hollywood-Variante gerade in deutschen Kinos läuft, ist und bleibt im Kern eine berührende, warmherzige, unterhaltsame und zutiefst humanistische Tragikomödie. Auch Florian Battermanns Bühnenfassung wird quer durchs Land gespielt und feierte nun in der niederdeutschen Bearbeitung von Frank Grupe als Honnig In'n Kopp im Theater am Wilhelmplatz Premiere.

Eine letzte große Reise

Die elfjährige Tilda empfindet eine tiefe Zuneigung für ihren Großvater Amandus. Dieser zeigt allerdings zunehmend die Symptome einer furchtbaren Alzheimererkrankung.  Seine verstärkt  auftretende Vergesslichkeit und Hilflosigkeit überfordern und zermürben Sohn Nico und Schwiegertochter Sarah.  Ein Umzug ins Heim scheint unausweichlich. Tilda will das nicht zulassen und beschließt, sich mit ihrem Großvater auf eine letzte große Reise nach Venedig zu begeben. Denn dort hat Amandus mit seiner unlängst verstorbenen Ehefrau einst die Flitterwochen verbracht. Ein bittersüßes Abenteuer beginnt.  

Perfekt gemischtes Doppel

Im wirkungsvollen Bühnenbild von Annedore Hedde, das die verschiedenen Handlungsorte der Geschichte in kluger Szenen-Ökonomie abbildet, zeigt Horst Zahn als Amandus eine außergewöhnliche Leistung. Verzweiflung, Wut, Resignation finden sich in seinem Spiel genauso wie Witz, Chuzpe, und Charme. Sofie Köhler gibt ihrer Tilda ganz viel Herz, jugendlichen Esprit und Optimismus. Eine  wunderbare zweite Hälfte dieses perfekt gemischten Doppels.  Michael Schmidt und Claudia Siemsen als  Tildas Eltern agieren ebenso überzeugend wie der Rest des insgesamt 11-köpfigen Ensembles.  

Sicher ausbalancierte Inszenierung

Zwischen Sentiment und Gelassenheit, Humor und Kummer beeindruckt Regisseur Karl-Heinz Langer mit einer genau gearbeiteten, die verschiedenen Gefühlswelten sicher ausbalancierenden Inszenierung.  Die Bühnenbearbeitung mit der retrospektiven, Handlungsverläufe straffenden Erzählweise funktioniert auch weitgehend. Allerdings verstärkt das Stück ein Problem, das auch schon im Film sichtbar wurde.  Es traut sich nicht an die erschütternde Konsequenz des Krankheitsbildes. Lässt Til Schweiger Amandus am Ende zuhause relativ zügig sterben, um die erdrückende Heimrealität, das steigende Aggressionspotential des Patienten, die am Ende nicht selten vollständige Agonie aus der Geschichte auszublenden, geht Langers Inszenierung noch einen Schritt weiter. Der Vorhang fällt, wenn eine wieder vereinte Familie den Entschluss fällt, Opa daheim zu umsorgen. Damit wird ein wie auch immer geartetes Happy End suggeriert, das nicht so recht passen mag. Gleichwohl bedankte ich das Publikum mit zum Teil mit stehenden Ovationen für ein sehr bewegendes Theaterstück.

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