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Kultur Hoch hinaus mit der Stimme
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06:53 24.04.2019
Singt jetzt die Elvire in Aubers Grand Opéra "La muette de Portici" und kommende Spielzeit die Titelpartie in Donizettis Drama "Lucia di Lammermoor": die koreanische Sopranistin Hye Jung Lee. Quelle: Theater Kiel
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Tanz hat nämlich viel mit ihrem eigenen, keineswegs selbstverständlichen Weg zur Musik zu tun: „Wir haben keine Musiker oder Künstler in der Familie, aber meine Mutter liebte es zu tanzen – obwohl deren sehr konservative Eltern es noch als völlig unmöglich ansahen, dass eine Frau vor Publikum singt oder tanzt ...“, so Lee, „meine Mutter hat dann viel Ballett im Fernsehen gesehen – und ihren Traum dann durch mich verwirklicht. Ich bekam Klavierunterricht, habe aber die Überei gehasst. Dann kam ich zu einer Lehrerin, die sowohl Klavier als auch Gesang unterrichtet hat – und die entdeckte mein Stimmtalent. Mit zwölf ging das dann los.“

Mannes College of Music in New York City

Nach dem Abschluss in Seoul folgten zwei Studienjahre in Dresden bis zum Diplom. „Ich war immer neugierig auf Amerika, weil dort bereits Cousins von mir lebten. New York war genau meine Stadt mit allen den Lichtern und Menschen dort.“ So absolvierte die Koloratursopranistin ihren Master am privaten „Mannes College of Music“ in Greenwich Village, New York City, wo auch Sängerinnen wie Nadine Sierra und Frederica von Stade oder der Pianist Murray Perahia studierten.

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Babypause und Verdis Gilda

Nach einer Babypause („noch singt meine zweijährige Tochter nicht ...“) ist Hye Jung Lee in dieser Saison zurück im Kieler Ensemble, wo sie schon Freude an Mozarts Susanna, an Rossinis Rosina, aber auch an einer der Walküren in Wagners Ring, vor allem aber an Verdis Gilda in Rigoletto hatte.

Partie der Elvire in "La muette de Portici"

Als Elvire in Die Stumme von Portici geht sie ihren Weg vom reinen Koloraturfeuerwerk der Königin der Nacht oder Strauss’ Zerbinetta weiter Richtung lyrisch-dramatisch: „Man merkt der Partie deutlich an, dass sie in einer Grand Opéra französischer Tradition geschrieben ist. Für den Sänger bedeutet das, stilistisch sehr flexibel zu sein. Man hat alle Möglichkeiten, die Stimme frei einzusetzen.“ Die Lage der Partie sei hoch, nicht extrem, aber doch so beständig, dass kaum die Möglichkeit zur Erholung bestehe. „Aber ich bin an einem sehr schönen Quartett beteiligt und habe ein wunderbares Duett mit dem Tenor Alphonse.“

Traumerfüllung am Horizont: Donizettis Lucia

Ihre Stimme sei spürbar gewachsen und ermögliche in Absprache mit Operndirektor Reinhard Linden in der kommenden Kieler Spielzeit die Erfüllung ihres Traums: die Titelpartie in Donizettis Lucia di Lammermoor. „Ich fühle mich inzwischen nicht nur stimmlich, sondern eben auch von der Persönlichkeit reif genug für Verdis Gilda oder Donizettis Lucia.“

Wunschrarität: Thomas' Ophelie in "Hamlet"

Die Koreanerin, deren Ehemann ebenfalls Gesang in New York studiert hat, kann das beurteilen, denn sie hat die wahnwitzigen Lucia-Arien schon im Konzert gesungen und für ihr Master-Studium komplett einstudiert. Der nächste Wunsch wäre dann wieder eine französische Rarität: die Ophelia im Hamlet von Ambroise Thomas ... natürlich mit Ballett.

Von Christian Strehk