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Kultur Im Klangkarussell mit Spark
Nachrichten Kultur Im Klangkarussell mit Spark
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00:39 04.08.2014
Von Elisa Meyer-Bohe
Im Mischwald der Klänge und Stile zu Hause: Spark fühlen sich zwischen Folk und Klassik sichtlich wohl. Quelle: Steffen Jagenburg
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Hasselburg

Sollte man da die Lieder in anderen Worten in ebensolche fassen, wäre wohl alles verwendbar, was mit –ex beginnt: Exaltiert, expressiv- und vor allem extrem exzentrisch. Ungefähr 30 Sekunden nach dem Startschuss befinden sich die fünf Musiker nämlich schon im bedenklich hypertonen Bereich: Flötist Daniel Koschitzki scattet, wilde Block- (wahlweise Paetzold- Bass-, Alt- oder Tenorflöten-)Soli folgen, Mischa Cheung skandiert stoisch Piano-Akkorde, fliegende Haare am Cello bringen Wacken-Charme in die Scheune. Kein Zweifel: Hier sind fähige Musiker am Werk. Irgendwie rutscht man dennoch in die etwas unselige Position Loriots in der Kohlrabi- Lesung. Ist das nun Kunst oder kann das weg? Das weiß man bei dem wilden Gewusel nicht so recht.

 Grundsätzlich ist Irritationsästhetik ja eine feine Sache, die Frage ist aber, ab wann die große Saftpresse „Crossover“ nur noch trübe Multivitamin-Schorle schreddert. Kamran Inces Songs in other words erinnern jedenfalls nur sehr fern noch an den prominenten Namensvetter. Dennoch: Hat man das emotionale Stadium allgemeiner Entrüstung erst einmal überwunden, merkt man, wie gut diese Gruppe funktioniert. Blockflöten-Ästhetik ist eben speziell, vor allem, wenn Cello und Klavier Richtung Cool Jazz abdriften und das Ganze mit Balkan- Beats, Minimal-Elementen und/oder Mittelalter- Romantik gewürzt wird (Nr.6 nach Mendelssohn op. 38 Nr.2). Spätestens aber, wenn dem suchenden Ohr der letzte Ausweg namens Dadaismus durch jede Menge konfuser Beziehungsdynamik abgesprochen wird, muss man neidlos anerkennen: Hier ist nix sicher, außer das Etikettierungs-Versuche ziemlich müßig sind. Dafür hat man bei Valtonens Ethno-Cabaret Kahden Kauppa im Moment geschaffene Musik vor sich und wirklich schön wird es, wenn Koschitzki singt (Je t’aime).

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 Nach der Pause geht es dann plötzlich etwas sortierter weiter: So hört man in Motschmanns Folk Tune Rhapsodies Couperin-Wechselbezüge, die kunstvoll in Coldplay-Themen übergehen und sich schließlich in das Schlaflied Sterne, Sterne auflösen. Begeisterte Fans und eine quietschbunte Candybox als Zugabe: Ein wenig schwindelig steigt man ab von diesem überdrehten Klangkarussell, sucht irgendwie festen Boden und ist sich nur einer Sache sicher: der einer enormen Horizonterweiterung.