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Kultur Orgelpfeifen im Schulalltag
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06:04 01.06.2019
Orgel der Humboldtschule in Kiel. Hier mit Hausmeister Jan Stiller. Quelle: Frank Peter
Kiel

„Im besten Fall steht das Instrument für interessierte Schüler so zur Verfügung, dass zuvor keine großen Räumaktionen notwendig sind“, sagt Kirsten Babel. Die Meisterin und Restauratorin im Orgel- und Harmoniumbau der gleichnamigen Firma in Gettorf ist für die Instandhaltung von drei außergewöhnlichen kleinen „Königinnen“ in Kiel zuständig: für die Schulorgeln in den Gymnasien Hebbel-, Ricarda Huch- und Humboldt-Schule.

Zuverlässiger durch Gebrauch

„Für jede Orgel ist es besser, wenn sie gespielt wird, auch wenn es dadurch Verschleißeffekte gibt. Aber es setzt sich halt nicht so leicht etwas fest. Das Instrument wird zuverlässiger.“ Auch wenn die drei mit betagter Elektrik etwas labil seien, sei ihr baulicher Zustand an sich okay. Da sie ohne Gehäuse gebaut seien, die Pfeifen frei, lediglich unten verkleidet, stünden, sind sie etwas anfällig für hineingeworfenen Unrat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und von 1920

Kiel hat zwei Nachkriegsinstrumente mit etwas mehr als zwei Dutzend Registern der Preetzer Firma Tolle / Neuthor und in der Humboldt-Schule ein etwas historischeres Exemplar ungefähr von 1920. Es stammt mit seinen immerhin 18 Registern von der niedersächsischen Firma Furtwängler & Hammer, die beispielsweise auch die Orgeln in den Lüneburger Kirchen St. Nicolai und St. Michaelis gebaut hat.

"Soli Deo Gloria" in der Humboldt-Schule

Die Humboldt-Orgel in der Aula sei mit ihrem Prospekt-Schriftzug „Soli Deo Gloria“ vermutlich auch für Gottesdienste verwendet worden. Ansonsten sieht Kirsten Babel die mit zwei Manualen und Pedal gerüsteten Anfänger-Instrumente stilistisch auf „leichtere Literatur“ ausgerichtet, mit ihrer Klarheit gut für Buxtehude und Bach geeignet – weit entfernt aber von französisch sinfonischen Idealen. „Aber es sind brauchbare zweimanualige Instrumente mit Pedal, mit denen man klanglich vielfarbig arbeiten kann.“ Nicht so tragisch, dass sie „auf Sparen gebaut“ seien, dadurch sogenannte „Transmissionen“ verwenden, so dass nicht alle ausgewiesenen Register auch tatsächlich unabhängig genutzt werden können.

Schulamt nicht ganz im Bilde

Allgemein bekannt sind die Instrumente keineswegs. Sogar das Schulamt der Landeshauptstadt weiß auf offizielle Nachfrage nur vom Exemplar in der Humboldt-Schule. Dabei werden alle drei durchaus benutzt. Christoph Jensen, Stellvertretender Schulleiter an der Ricarda-Huch-Schule, freut sich ausdrücklich über die Nachfrage nach dem „etwas verborgeneren Reichtum“ seiner pädagogischen Einrichtung. Und er weiß zu vermelden: „Bei uns traktieren das Instrument in unregelmäßigen Abständen Schüler, die vom Klavier her kommen und sich für ein Orgel-Projekt gewinnen lassen – in der Regel mit dem Schulorchester.“ So sei es bei der Weihnachtsfeier Ende des vergangenen Jahres vorgekommen, dass zwei Sätze aus Georg Friedrich Händels F-Dur-Orgelkonzert erklangen.

Regelmäßig übende Schüler

Dagmar Vollbehr, Schulleiterin der Humboldt-Schule, verweist auf ihren diesbezüglich besonders interessierten Kollegen Hans-Christian Henkel, der hin und wieder die Orgel in der Aula spiele: „Und zwei Schüler üben tatsächlich regelmäßig, so dass das Instrument beständig genutzt wird.“ Soli Deo Gloria, wie es in großen Lettern am Balkon prangt? Selbst wenn nicht – es ist erfreulich, dass die Pfeifenreihen nicht nur gut aussehen, sondern auch zu klingendem Leben erweckt werden.

Von Christian Strehk

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