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17:51 07.06.2019
Von Beate Jänicke
Buntes Paralleluniversum live animiert: Szene aus „Iota.KI“ im Festival „Hart am Wind“. Quelle: Jörg Landsberg
Kiel

In der gemeinschaftlichen Theaterproduktion Iota.KI des Jungen.Theaters Bremen/moks und des Künstlerkollektivs sputnic, das im Rahmen des Hart am Wind-Festivals im fast voll besetzten Studio des Kieler Schauspielhaus gezeigt wurde, wagen Regisseur Nils Voges und sein großartig agierendes Ensemble einen auch formal spannenden Blick aufs Thema künstliche Intelligenz – und noch weit darüber hinaus.

Zwischen Schauspiel und Graphic-Novel-Animationen

Das Team löst mit seinem innovativen Stück die Genre-Grenzen auf und setzt mit einer rasanten Mischung aus Schauspiel und live auf Projektoren bewegten Graphic-Novel-Animationen (Illustrationen: Julia Zejn, Jennifer Daniel) die Geschichte um die KI mit Namen IOta in Szene.

Es entwickelt sich eine sehr unterhaltsame Mischung aus Science-Fiction und Abenteuergeschichte mit allem Drum und Dran, bis hin zu einer wilden Verfolgungsjagd. Daneben werden sich aber auch philosophische Gedanken rund um die Fragen nach Leben, Tod und Sinn unserer eigenen Existenz gemacht. Etwa darum, was uns eigentlich noch von einer künstlichen Intelligenz unterscheidet, wenn diese irgendwann auch Gefühle hat.

Geheimnisvolle Störung artet zur weltweiten Krise aus

Im Mittelpunkt der Story steht die Informatik-Studentin Anna (tough: Judith Goldberg), die die künstliche Intelligenz IOta (anrührend: Fabian Eyer) geschaffen hat, um mit deren Hilfe in Kontakt mit außerirdischen Lebensformen zu treten. An ihrer Seite der immer etwas vorlaute Programmierer-Kollege Veit (Julian Anatol Schneider, gleich in mehreren Rollen im Einsatz) und ihre Professorin Mae (Kerstin Pohle). Erste Erfolge beim Inbetriebnehmen von IOta erscheinen hoffnungsvoll, doch geheimnisvolle Störungen, die plötzlich auftreten, weiten sich bald zu einer weltweiten Computer-Krise aus. Anna begibt sich mit IOta in die virtuelle Welt, um nach Antworten zu suchen. Immer wieder schlägt die sich zuspitzende Geschichte überraschende Volten, angetrieben von bassig wummernder Musik (Nicolai Skopalik) und von flackernden Stroboskop-Lichtern.

Wechsel zwischen verschiedenen Welten

Die Schauspieler schlüpfen nicht nur in ihre Rollen, sondern sprechen zugleich die Stimmen ihrer eigenen Zeichentrick-Version. Dieses gedoppelte Spiel steigert die Intensität und lässt den Wechsel zwischen den verschiedensten Welten bildlich möglich werden ohne aufwendige Kulissen zu brauchen. Dabei setzt die Truppe viele zusätzliche Mittel ein: Schattenspiel, Spiegel, blubbernde Seifenblasen, die ein buntes Parallel-Universum bebildern, oder live dargebotener Operngesang, der eine Schnittstelle im Computer markiert. Ein wunderbares Spektakel, ein spannendes Theater mit allen Sinnen. Großer Applaus.

Festival-Termine: www.theater-kiel.de

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