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Kultur Von Pubertieren und anderen Tieren
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16:17 20.03.2018
Von Isabelle Breitbach
Angriff auf die Lachmuskeln: Jan Weiler sorgt mit Geschichten über seine beiden Pubertiere für beste Unterhaltung im Kieler Metro-Kino.  Quelle: Björn Schaller
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Kiel

Seit dem vergangenen Wochenende befindet Jan Weiler sich in einer kleinen Sinnkrise. Schuld ist ein Fernsehabend mit einem seiner beiden Pubertiere, Sohn Nick (15): Sein Urteil während einer Dokumentation über Günter Grass: "So sieht ein richtiger Schriftsteller aus". Niederschmetternd.  

Von Pubertieren und Ehefrau gemobbt

Überhaupt, so beschwert sich Weiler gestenreich bei seinem durchaus verständnisvollen Publikum, laufe es bei ihm gerade nicht. Er habe "nichts mehr zu sagen" im eigenen Haushalt, schlimmer noch: "Ich werde gemobbt." Seit der Verwandlung seiner Kinder in "Pubertiere", die auch in den Abarten "Lamentier", "Kommentier", "Boykottier" oder - meinungsstark, aber kenntnislos -  als "Diskutier" auftreten, ist er zu einem Dasein als "peinlicher Honk" verdammt - im Keller. Dort hat seine Frau hat ihm ein Zimmer zugewiesen, in dem er sich seine Geschichten ausdenken darf.

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Weckversuche mit Gesang und Personalgespräche

Nebenher betätigt er als "Versuchsleiter" im Bereich Pubertierforschung. Ein Feld, das auch das Kieler Auditorium ungemein erheitert, zumal der verschmitzte Weiler es an diversen kuriosen Geschehnissen im Alltag mit den Pubertieren teilhaben lässt. Die reichen von sangesfreudigen Weckeinlagen mit "Time To Say Goodbye" - ein Lied, mit dem man Tote erst aufwecken und dann zum Selbstmord treiben könne - über die quälenden "Personalgespräche" seiner Tochter Karla vor der "Entlassung" ihrer wechselnden Verehrer. 

Was funktioniert: Erziehung mit dem Router

Von kleinen Erfolgserlebnissen kann Weiler dann doch berichten. Eine funktionierende erzieherische Maßnahmen, um pünktliches Erscheinen am Esstisch zu gewährleisten: Den Stecker des WLAN-Routers ziehen: "Das können sie sehr oft machen und sie stellen den Zusammenhang nicht her."

Im Laufe der zweistündigen Lesung schlüpft Weiler spielend in die Rollen seiner Familienmitglieder und Mitmenschen, lässt neben Kolumnen aus "Und ewig schläft das Pubertier" immer wieder urkomische Anekdoten vom Stapel, etwa über Nicks ersten Kochversuch: "Bratwursttorte, ein Rezept aus der Super-Illu: Sie benötigen drei Tage, um das Gericht zu verstoffwechseln". 

Seine launige Schlussfolgerung für ein friedvolles Zusammenleben mit Kindern in diesem Alter: "Quäle nie ein Pubertier zum Scherz - es könnte geladen sein." 

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